Landkreis Aurich
Corona-Krise

Heimbewohner haben das Recht, besucht zu werden

Über Wochen gab es für die Bewohner von Pflegeeinrichtungen Kontakt zu Angehörigen nur auf Distanz, telefonisch oder via digitaler Kommunikationskanäle. Nun sind Besuche wieder möglich – wenn auch eingeschränkt und unter strengen Hygieneauflagen.

Von Heike Arends

Aurich. Das Infektionsgeschehen in Niedersachsen habe sich beruhigt, sagte Sozial- und Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann (SPD) vergangene Woche. Deshalb hat die Landesregierung die Besuchsmöglichkeiten in Heimen für ältere und pflegebedürftige Menschen sowie für Menschen mit Behinderungen und in Krankenhäusern jetzt erleichtert und die Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie entsprechend abgeändert.

Bereits seit dem 20. April waren in Niedersachsen Besuche in Heimen unter Einhaltung eines jeweils von den örtlichen Gesundheitsämtern genehmigten Hygienekonzeptes möglich gewesen (wir berichteten). Das Besuchsverbot blieb aber grundsätzlich bestehen. Seit Mittwoch, 20. Mai, haben Bewohner von Pflegeeinrichtungen beziehungsweise Patienten in Krankenhäusern nun aber explizit „das Recht von jeweils einer Person besucht zu werden. Dabei muss das Hygienekonzept der jeweiligen Einrichtung beachtet werden“, heißt es jetzt in der Verordnung. Die Landesregierung habe einen klaren Schutzauftrag, so Reimann: „Doch neben dem Schutz vor der Krankheit gibt es noch einen weiteren Aspekt, der mit diesem Schutzauftrag nur schwer in Einklang zu bringen ist: Das Problem der sozialen Isolation!“

Wie die Umsetzungen konkret in Auricher Pflegeeinrichtungen in der Praxis aussehen, erfuhr das Sonntagsblatt im Gespräch mit den Einrichtungsleitern der Alloheim Senioren-Residenz  „Knoop’s Huus“ und der Awo Altenwohnanlage. Das Hygienekonzept sei vor einer Woche genehmigt worden, erklärte „Knoop’s Huus“-Leiter Torsten Zufall. „Wir sind seit Montag in der Umsetzung“, sagte er. Nach telefonischer Terminabsprache wird für eine Person ein begleiteter Besuch von einer halben Stunde zu bestimmten Zeiten während der fünf Werktage ermöglicht. „Wir haben das jetzt teilweise schon erweitert in Absprache mit unserer sozialen Betreuung, sodass wir auch mal einen Sonntag anbieten, damit wir zumindest erstmal den ersten Ansturm wegbekommen“, führte er aus.

Das Angebot werde nach den acht Wochen ohne Besuchsmöglichkeiten „super“ angenommen, so Zufall. Die Angehörigen seien nicht nur während dieser Zeit sehr verständnisvoll gewesen, sondern auch jetzt, wenn einmal ein Termin abgesagt und nach hinten verschoben werden müsse, weil der Kalender voll sei.

Das Konzept beschränkt sich auf einen Bereich, in diesem Fall das Café, das vor beziehungsweise nach dem Besuch desinfiziert werden muss. „Wir können hier die Besucher von außen und die Bewohner von innen heranführen“, verwies Zufall auf die Einhaltung von Sicherheitsabständen. Des Weiteren gehören unter anderem eine Einweisung, das Tragen von Masken, die Händedesinfektion, das Messen der Temperatur, das Ausfüllen von Formularen zum Prozedere. „Wir sind jetzt erstmal glücklich mit der Situation“, sagt Zufall. „Und freuen uns natürlich auf Erleichterungen, die dann eventuell noch kommen werden.“

Extrem emotional

Bereits seit über einer Woche möglich sind nach Terminabsprache Besuche bei Bewohnern der Awo-Altenwohnanlage Aurich, dem Hermann-Bontjer-Haus in Popens. „Nach der Genehmigung des Hygienekonzepts haben wir schon am 11. Mai die ersten Besucher empfangen“, teilte Leiterin Carola Fischer mit.

„Es läuft gut. Alle halten sich an die Vorgaben. Die Angehörigen sind sehr verständnisvoll – und sind einfach froh und dankbar, dass es überhaupt geht“, zieht sie eine erste Bilanz. „Es ist schon eine Hardcore-Besuchssituation. Und das Ganze läuft natürlich teilweise auch extrem emotional ab, von beiden Seiten. Die dürfen sich nicht anfassen, müssen sich getrennt gegenüber sitzen, jeder muss eine Maske und Handschuhe tragen. Und das ist schon schwierig“, verwies sie darauf, dass ja ein Abstand eingehalten werden muss und ein direkter Kontakt, ein in den Arm nehmen, eben nach wie vor nicht möglich ist. Auch die direkte Übergabe von Geschenken ist nicht gestattet.

Die Besuche erfolgen in einem separaten Raum, der von zwei Seiten aus zugänglich ist. Die Besucher werden nach der Aufnahme der Kontaktdaten etc. und unter Einhaltung der Hygienevorschriften hierhin begleitet und die Besuchsplätze, die auch über einen Spuckschutz verfügen, werden nach den Besuchen desinfiziert. „Das ist ein gewaltiger Kraftaufwand“, stellte die Leiterin heraus. Stand in Vor-Corona-Zeiten die Tür immer auf und es gab keine festgelegten Besuchszeiten, so sind die Treffen nun auf maximal 45 Minuten begrenzt. Da der Raum sehr groß sei, könnten jeweils zwei Bewohner zeitgleich ihren Besucher empfangen.

„Ich denke, das wird sich Schritt für Schritt weiter lockern, sofern die Infektionszahlen niedrig bleiben“, sagte Fischer. „Ich hoffe wirklich, dass sich die Gesamtbevölkerung an die Regelungen hält und den Verstand walten lässt. Denn wenn die Zahlen wieder steigen, werden auch die ganzen gelockerten Regelungen für unsere Einrichtung wieder zurückgenommen. Weil wir die Personengruppe betreuen, die mit am meisten gefährdet ist.“

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