Landkreis Aurich
Corona-Krise

(Haus-)Besuch vom Friseur ist strafbar

Obermeister appellieren an Berufskollegen und Kunden, sich an das momentan noch geltende Arbeitsverbot zu halten.

Ostfriesland. Seit Mitte März sind rund 430 Friseurbetriebe in Ostfriesland aufgrund der Corona-Regelungen geschlossen, geschätzte 1.200 Beschäftigte dürfen seitdem nicht mehr arbeiten. Öffnen dürfen sie erst wieder ab dem 4. Mai. Viele Kunden versuchen mittlerweile, Hausbesuche für einen Haarschnitt oder sonstige Dienstleistungen bei den Mitarbeitern der Salons auszumachen. „Für uns ist das eine große Belastungsprobe“, erklären die Obermeister der ostfriesischen Friseurinnungen Joachim Wachsmann (Aurich-Emden-Norden), Heiner Heijen (Leer) sowie Frank Grabowski (Emden) in einer Telefonkonferenz. Sie hatten sich gemeinsam mit Imke Hennig, Vizepräsidentin der Handwerkskammer für Ostfriesland, zur aktuellen Lage ausgetauscht.

„Die Coronakrise trifft uns hart – unsere Branche ist komplett zum Erliegen gekommen. Dennoch ist es keine Option, dass Kunden mit den Mitarbeitern der Salons Termine für Besuche in den eigenen vier Wänden ausmachen. Auch das Einlassen der Kundschaft in den Salon durch die ,Hintertür’ ist keine Alternative. Ein solches Verhalten ist eine große Gefahr für die Gesundheit, höchst fahrlässig und unbedacht. Und darüber hinaus drohen Geldbußen bis zu 2.000 Euro. Bei Wiederholungen werden sogar bis zu 25.000 Euro fällig“, stellt Imke Hennig klar.

Gemeinsam appellieren die Obermeister und die Vizepräsidentin an die Vernunft der Mitmenschen und an die Solidarität aller Friseure: „Die Gesundheit hat Priorität, wir alle müssen dazu beitragen, das Risiko der Verbreitung des Coronavirus so gering wie möglich zu halten. Wer das missachtet, schadet auch der Branche. Wenn wir uns alle vernünftig verhalten, werden wir diese Krise gemeinsam meistern.“

Unter dem #zeigdeinenansatz rufen mittlerweile deutschlandweit Friseure Kunden dazu auf, in dieser außergewöhnlichen Situation durchzuhalten und auf die Wiedereröffnungen zu warten. „Zeigen Sie Mut. Zeigen Sie Ihren Ansatz und schneiden Sie Ihre Haare bitte nicht selbst“, lautet die Botschaft der Kampagne. Auch die ostfriesischen Friseurmeister bitten um Zurückhaltung. Seine Haare selbst zu kolorieren sei keine gute Idee, wenn man damit keine Erfahrungen habe. Zudem sei verschnittenes Haar nur mit sehr viel Aufwand wieder in Form zu bringen. In der Zwischenzeit raten die Meister, sich an die Kollegen zu wenden. Viele Salons bieten Beratungen und Hilfestellungen per Telefon oder über Social-Media-Kanäle an. Auch Haarpflegeprodukte und Gutscheine können geordert werden. „Wir möchten für unsere Kunden da sein. Wenn alles vorbei ist, stehen unsere Betriebe wieder mit der gewohnten Hingabe und Qualität zur Verfügung“, sagte Obermeister Heiner Heijen.

Die Innungen und die Handwerkskammer setzen sich intensiv dafür ein, alle Betriebe in dieser wirtschaftlich fatalen Situation zu unterstützen und mit entsprechenden Informationen zu versorgen. Für die Wiederinbetriebnahme müssen Friseure noch viel Planungsarbeit erledigen. Betriebsmaterial muss beschafft, Termine organisiert, Mitarbeiter wieder mobilisiert und neue Auflagen zu Hygieneverordnungen eingehalten werden.

Bis zur Wiedereröffnung übernehmen die Salons Verantwortung, in dem sie ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken – Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern. Dennoch: „Für viele ist die Lage dramatisch“, beschreibt Frank Grabowski die finanzielle Not einiger. „Ohne Rücklagen wird es schwierig, den Verlust wieder aufzuarbeiten, trotz Kurzarbeit, Steuerstundungen oder Kredite“, resümiert Joachim Wachsmann.

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