Landkreis Aurich
Band tritt in Aurich auf

„Hauptsache, die Leute haben Lust auf unsere Musik”

„Versengold” ist eine der bekanntesten deutschen Folkrockbands. Die EZ sprach mit Frontmann Malte Hoyer, der zur Gründungszeit der Band in Emden studierte und erste Songs schrieb.

Das Interview führte Werner Jürgens

Emder Zeitung: Die Gründerjahre von „Versengold“ fallen in Ihre Studienzeit. Die war in Emden.

Malte Hoyer: Ich habe von 2003 bis 2007 an der Fachhochschule Sozialarbeit und Sozialpädagogik studiert und während dieser Zeit auch in Emden gelebt. Einige der ersten Auftritte hatten wir tatsächlich in der Gegend. Ich kann mich noch an ein Konzert erinnern auf dem historischen Marktplatz in Pewsum, veranstaltet von der Ländlichen Akademie Krummhörn. Während meiner Emder Studienzeit sind auch viele Songs entstanden, die uns bis heute begleiten.

Woher rührt die Faszination für das Mittelalter? Haben Sie schon als Kind gern mit Ritterburgen gespielt?

[lacht] Welches Kind tut das nicht? Wobei unsere Band sich inzwischen etwas von dieser Mittelalter-Szene entfernt hat, weil das musikalisch auch nicht mehr so passt. Was wir nach wie vor machen, das sind Festivals, die das Wörtchen „Mittelalter“ zwar oft im Namen tragen, aber doch ein recht breites Publikum ansprechen. Auf diesen typischen Mittelaltermärkten sind wir überhaupt nicht mehr unterwegs. Das war zu Beginn eine gute Plattform, wo es uns gar nicht unbedingt um Authentizität und Originalität ging. Ursprünglich entstanden ist das Ganze als Theaterprojekt aus reinem Spaß an der Freude. Wir haben mittelalterliche Klamotten angezogen, uns ans Lagerfeuer gesetzt und eigene Songs geschrieben. Keiner von uns hätte gedacht, dass wir davon einmal leben könnten. Das ist im Laufe der Jahre einfach immer größer geworden und dann in den Bereich Folk-Rock gegangen.

Demnach würden Sie die Musik von „Versengold“ als Folk-Rock bezeichnen?

Es ist immer spannend, wenn wir Rezensionen von unseren CDs lesen und merken, welche Schwierigkeiten die Leute haben, uns einzuordnen. Wir selber haben uns irgendwann für Folk entschieden, weil das ein sehr weitläufiger Begriff ist. Manche sind der Meinung, wir würden Schlager machen. Andere wiederum stellen uns in die Country-Ecke. „Celtic Pop“ habe ich neulich noch irgendwo gehört. Das fand ich auch interessant. Fakt ist, wir sind eine gewachsene und keine konstruierte Band. Und wir kommen aus unterschiedlichen Richtungen. Das geht von Klassik über Balkan-Folk bis hin zu Metal. Wir versperren uns gegen keine dieser Einflüsse. Das fließt alles in unser Songwriting ein. Jeder Song wird so lange ausdiskutiert, bis ihn alle gut finden. Dementsprechend vielfältig ist unser Repertoire. Das ist vermutlich auch der Grund, warum man uns nicht eindeutig zuordnen kann und warum wir verschiedene Genres bedienen können, vom Wacken Festival bis hin zu Florian Silbereisen.

Schlager- und Volksmusiksendungen wie die von Florian Silbereisen oder der ZDF- Fernsehgarten wären für echte Rock'n'Roller früher absolute No-go-Areas gewesen.

Musik hat oft mit Identifikation zu tun. Und es gibt Menschen, die sich auch mit unserer Musik identifizieren. Einige haben uns dafür kritisiert, dass wir in Schlagersendungen aufgetreten sind. Wir hatten das anfangs auch nicht auf dem Zettel. Das war auch für uns eine Art Lernprozess. Nur haben wir irgendwann gemerkt, dass wir uns mit Schubladendenken genau das kaputtmachen, was wir eigentlich erreichen möchten, nämlich dass uns viele Leute zuhören. Und da ist es doch völlig egal, ob jemand im Kettenhemd, in schwarzen Goth-Klamotten oder meinetwegen im Anzug erscheint. Die Hauptsache ist, die Leute haben Lust auf unsere Musik. Und unsere Musik, die bleibt ja immer gleich. Egal, ob wir nun bei Silbereisen oder in Wacken auftreten.

Ein roter Faden, der sich durch das Repertoire von „Versengold“ zieht, sind Trinklieder.

Das hat wohl mit meiner Leidenschaft für Irish Folk zu tun. Dort haben Trinklieder eine lange Tradition. Den Einheimischen fällt vermutlich gar nicht mehr auf, was und worüber sie da singen. Wenn du das auf Deutsch machst, hast du hingegen immer noch schnell den Ruf einer „Trinker-Band“ weg. Das hat uns aber nie gestört, zumal wir ohnehin eine Band sind, die du in jede Kneipe stellen kannst, um zu unserer Musik dein Bierchen zu trinken. Allerdings haben wir auch hier den Anspruch, unsere Trinklieder mit einer gewissen Sinnhaftigkeit zu füllen. Gerade mir als Texter ist es wichtig, dass es nicht darum geht, einfach nur stumpf Alkohol zu konsumieren, sondern ich verstecke da schon das ein oder andere Hintertürchen.

Manchmal kommen Sie in ihren Texten aber auch sofort zur Sache und beziehen dabei auch politisch Stellung.

Songs mit gesellschaftskritischen Untertönen haben bei uns ebenfalls seit dem ersten Album stets eine tragende Rolle gespielt. Früher haben wir das eher in Erzählungen verpackt. Das hat sich mittlerweile geändert. Die Texte sind persönlicher geworden. Dadurch haben wir deutlichere Worte für Dinge gefunden, die uns bewegen. Allein auf unserem neuen Album gibt es drei Songs, wo wir ganz bewusst Stellung bezogen haben. Bei „Wir tanzen nicht nach braunen Pfeifen“ spricht bereits der Titel für sich. Das war eine Entscheidung der gesamten Band, dass wir uns zu dem Thema äußern wollten. Denn wir finden, das tun immer noch zu wenige. Da ist es uns dann auch egal, ob uns irgendwelche Hörer abspringen, weil sie braunes Gedankengut befürworten. Solche Leute wären bei unseren Konzerten eh fehl am Platz. Auf die können wir auch getrost verzichten.

Interessant aus ostfriesischer Perspektive ist die plattdeutsche „Versengold“-Version einer von „Schandmaul“ stammenden Komposition, die das Schicksal des 1866 vor Baltrum ertrunkenen Seefahrtschülers Tjark Evers thematisiert.

Das stammt aus einer gemeinsamen Session-Aktion, wo unsere Bands gegenseitig Titel von sich gecovert haben. Wir fanden, dass Plattdeutsch dem Lied noch mehr Tiefe verleiht. Ich habe Plattdeutsch hauptsächlich über meinen Opa gelernt. Leider ist er zu früh von uns gegangen. Sonst könnte ich es vielleicht noch besser sprechen. Aber verstehen klappt ganz gut, obwohl ich sagen muss, dass das Platt, das ich gelernt habe, sich von dem in Ostfriesland doch sehr unterscheidet. Wenn ich in Emden auf Partys war und dort wurde Platt geredet, dann hatte ich manchmal schon Probleme, sofort alles zu verstehen.

Nichtsdestotrotz scheinen Sie sich Ostfriesland nach wie vor verbunden zu fühlen.

Auf jeden Fall. Immerhin haben wir unser neues Album nicht ohne Grund „Nordlicht“ genannt. Viele unserer Bandmitglieder wohnen in Oldenburg und Wilhelmshaven. Das ist ja nicht so weit von Ostfriesland weg. Außerdem kommen einige unserer Crew aus Leer. Insofern muss ich selbstkritisch einräumen, dass wir die Region, seitdem unsere Karriere steil bergauf geht, schwer vernachlässigt haben. In Aurich sind wir jetzt zum ersten Mal. Im Ruhrpott Auftritte zu organisieren, ist für Konzertveranstalter natürlich erst einmal attraktiver und lukrativer, weil du automatisch mehr Leute ziehst als in Städten, wo die Bevölkerungsdichte nicht so hoch ist und die Anbindungen schlechter sind. Bei der letzten Tour sind wir deswegen nur bis Oldenburg gekommen. Uns war aber schon lange klar, dass wir das irgendwann ändern müssen. Darum freuen wir uns auf das Konzert in Aurich auch ganz besonders.

-> Versengold” treten am 10. Okober in der Stadthalle in Aurich auf.

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