Landkreis Aurich
Problematische Fälle häufen sich

Hager Tierheim kämpft mit Problemen

Immer häufiger nimmt die Einrichtung Tiere auf, weil sich die Halter nicht mehr kümmern können. Dem Tierheim entstehen so Kosten, auf denen es sitzen bleibt.

Von Marina Folkerts

Hage. Im Tierheim Hage werden immer öfter Hunde und Katzen abgegeben, deren Halter nicht mehr in der Lage sind, für sie zu sorgen. Gerade in letzter Zeit häufen sich diese Fälle, wie Dieter Kuhn, Leiter der Geschäftsstelle des Tierheims, und Maren Molle, Tierheimleiterin, berichten.

Hunde und Katzen von älteren Menschen, die ins Pflegeheim kommen oder sterben und keine Angehörigen haben, werden grundsätzlich ohne Leistung in Tierheimen oder ähnlichen Einrichtungen abgegeben. Im Fall des verstorbenen Wohnungslosen Werner Bodeit lief es ähnlich ab. Drei der Hunde landeten im Tierheim Aurich, welches für die Gemeinde Südbrookmerland das zuständige Tierheim ist. Der vierte Hund konnte aus Platzgründen dort nicht untergebracht werden und wurde vorerst vom Tierheim Hage aufgenommen und versorgt. Inzwischen ist auch dieser Hund nach Aurich ins Tierheim gekommen, weil er das Alleinsein nicht gewohnt war und trauerte.

Kosten für Betreuung

Es häufen sich auch Fälle, dass straffällig gewordene Bürger zur Verbüßung ihrer Taten in Polizeigewahrsam genommen werden. Diese Tiere landen dann auch im Tierheim, das die Kosten für die Pension und Betreuung trägt. Dabei gibt es in den meisten Fällen keine Chance, das Geld von den Haltern zurückzubekommen. Eine Lösung wäre, wenn das Tier gleich bei der Einweisung dem Tierheim übereignet werden würde. Dann könnte es vermittelt werden und hätte die Möglichkeit, ein neues Zuhause zu finden.

Auch vermeintliche Tierliebhaber stehen immer öfter vor dem Tor des Tierheims und versuchen, Hunde und Katzen ohne Fundbescheinigung der zuständigen Gemeinden dort abzugeben. „Bei der Ablehnung durch unsere Mitarbeiter werden diese dann oft mit hässlichen Worten beschimpft“, sagt Dieter Kuhn.

Für die Einrichtung ist das ein großes Problem. Denn auf den entstandenen Kosten – Pensionskosten, Impfkosten und sonstige Aufwendungen – bleibt das Tierheim sitzen. „Bei einer weiblichen Katze entstehen für Impfungen und Kastration 340 Euro nur an Arztkosten“, nennt Molle ein Beispiel.

Fundtiere

Zuständig ist das Tierheim für Fundtiere. Das sind Tiere, die in einem Haushalt leben könnten. Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gelten auch ausgesetzte Haustiere als Fundtiere – die zuvor von vielen Gemeinden als solche abgelehnt wurden. „Wer ein Tier aussetzt, macht sich außerdem strafbar“, betont Kuhn.

Wer ein Fundtier findet, muss zuerst das Ordnungsamt der jeweiligen Gemeinde aufsuchen und den Hund oder die Katze dort melden. Dort wird eine Fundbescheinigung ausgestellt, mit der man das Tier im Tierheim abgeben kann. Das Tierheim wiederum benötigt diese Fundbescheinigung als Nachweis an die Gemeinde, um finanzielle Unterstützung zu erhalten. „Nur wenn wir eine Fundbescheinigung haben, bekommen wir auch Geld, um das Tier zu versorgen“, betont Kuhn. Auf den Kosten für die Tiere, die ohne diese Bescheinigung im Tierheim landen, bleibt die Einrichtung des Bunds gegen Missbrauch der Tiere (bmt), die sich über Spenden und Mitgliederbeiträge finanziert, sitzen. „Mit diesen Leistungen ohne Gegenleistung sind wir überfordert. Wir versuchen mit allen möglichen Mitteln, finanziell so einigermaßen über die Runden zu kommen“, so Kuhn.

Viele Ehrenamtliche würden das Tierheim tatkräftig unterstützen, die Festangestellten sind ebenfalls viele Stunden zum Wohle der Tiere im Einsatz und bekommen dafür nur den Mindestlohn. „Und unsere Leute werden dann auch noch beschimpft, wenn sie ein Tier ablehnen müssen“, bedauert Kuhn. Es gebe jetzt eine Anweisung, dass ohne Fundbescheinigung oder Einweisung durch örtliche Behörden keine Tiere mehr aufgenommen werden.

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