Landkreis Aurich
Lebensmittelretter-Bewegung

Großer Appetit auf Foodsharing in Aurich

Lebensmittelretter sind nun auch hierzulande aktiv. Es werden noch Mitstreiter gesucht.

Von Henning Wieting

Aurich. Manch einer kennt diese Situation: Der Kühlschrank ist noch voll mit guten und verwertbaren Lebensmitteln. Die schafft man aber nicht mehr vor dem Urlaub. Und sie wegzuwerfen wäre Sünde.

Kein Problem, sagt Annabell Nielen. Die 26-jährige engagierte Auricherin ist eine der Repräsentantinnen von Foodsharing (foodsharing.de). Diese Bewegung der Lebensmittelretter erfreut sich deutschlandweit wachsender Beliebtheit. Seit der Gründung 2012 in Berlin ist die Initiative auf über 200 000 registrierte Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz angewachsen. Foodsharing ist eine Initiative, die sich gegen Lebensmittelverschwendung engagiert. Dabei werden ungewollte und überproduzierte Lebensmittel in privaten Haushalten sowie von kleinen und großen Betrieben „gerettet“. Diese werden mittlerweile auch in Deutschland in vielen Regionen und Städten durch die Foodsharing-Ehrenamtlichen entsprechend weiter verteilt, zu denen beispielsweise auch Pia Redenius zählt. In diesem Zusammenhang sprechen die Foodsharer gern vom „Fair-teilen”.

Darüber hinaus identifiziert sich Foodsharing mit nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen und setzt sich zum Beispiel für einen Wegwerfstopp von Lebensmitteln und gegen den Verpackungswahnsinn der Supermärkte ein. Die Organisation der Foodsharing-Community läuft – wie könnte es anders sein im Smartphone-Zeitalter - in erster Linie über die Online-Plattform „foodsharing.de” ab.

„Wir sind in Aurich acht Aktive, die sich bei Foodsharing engagieren“, sagt Annabell Nielen, die in der Stadt auch für die katholische Kirche sehr aktiv ist. Seit Dezember 2018 ist die Dekanatsjugendreferentin bei der gemeinnützigen Vereinigung dabei und repräsentiert den Auricher Bezirk als Botschafterin. Jeden dritten Dienstag im Monat trifft sie sich mit ihren Mitstreitern im Auricher Familienzentrum um 18.30 Uhr.

Dabei freuen sich die Lebensmittelretter sehr darauf, neue Gesichter begrüßen zu dürfen. Die Mitglieder der foodsharing-Community arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich. Die basisdemokratische Initiative foodsharing ist und bleibt kostenlos, nicht kommerziell, unabhängig und werbefrei. Einzig dem Zweck dienend, Genießbares so schnell wie möglich an einen Verwerter zu bringen und die Verschwendung von Lebensmitteln zu stoppen.

Jeder Lebensmittelretter muss sich registrieren lassen und erhält nach einer Einführung auch einen Ausweis. Menschen, die Lebensmittel abzugeben haben, können nach erfolgter Registrierung (auch ohne Ausweis) diese auf der Plattform in sogenannten „Essenskörben“anbieten. Annabell Nielen betont: „Jeder sollte nur das online stellen, was er selbst noch essen würde.“ Besonders bei tierischen Produkten sei eine besondere Vorsicht zu walten. Das gilt ebenso für Produkte mit Eiern und Sahne.

Annabell Nielen und ihre Mitstreiter sammeln auch in Geschäften Lebensmitteln ein. Eines möchte sie aber klarstellen: „Wir sind keine Konkurrenz zu den Tafeln.“ Kooperierende Betriebe können beispielsweise Bäckereien, Obst- und Gemüsehändler, Filialen von Supermärkten, Wochenmärkte, Restaurants, Kantinen, Cafés, Catering-Services, der Großhandel oder auch Bauernhöfe sein. Für die Abholung der noch genussfähigen Lebensmittel gibt es zuständige Foodsaver. Das Tagesgeschäft der Betriebe soll so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Die Abholungen bei Betrieben werden daher im Vorfeld abgestimmt und vereinbart.

„So paradox es klingt: Das Ziel von Foodsharing ist die Selbstauflösung“, erklärt Annabell Nielen. Also der Idealfall, dass es keine Lebensmittel mehr abzugeben gibt. Bis es allerdings soweit ist, werden noch Mitstreiter für die gute Sache gesucht. Infos gibt sie unter aurich@foodsharing.network.

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