Landkreis Aurich
"Ländliche" Probleme im Fokus

Große Einigkeit bei wichtigen Themen

Der Diskussionsabend mit den drei Kandidaten für die Wahl zum Landrat in Moorhusen fand Zuspruch.

Von Werner Jürgens

Moorhusen. Als Olaf Meinen eine statistische Zahl im Internet bestätigt haben wollte, sah er sich prompt mit einem typischen „ländlichen“ Problem konfrontiert. Sein Mobiltelefon hatte keinen Empfang. Der Kandidat für den Auricher Landrat und seine beiden Mitstreiter Bernd Iken und Amtsinhaber Harm-Uwe Weber (SPD) nahmen es mit Humor, ähnlich wie die rund 100 Bürger, die am Donnerstag in den Gasthof Thun nach Moorhusen gekommen waren, um den Bewerbern für den politischen Führungsposten auf den Zahn zu fühlen. Eingeladen hatten das Landvolk, die Landfrauen und der Landwirtschaftliche Hauptverein für Ostfriesland (LHV).

Die Antworten der Kandidaten auf die Frage, wie man schnelleres Internet in die ländliche Region bringt, waren irgendwie bezeichnend für den gesamten Verlauf des Diskussionsabends. Insgesamt herrschte bei den meisten Themen nämlich große Einigkeit unter den Kontrahenten. So erinnerte Weber daran, dass der Landkreis für den Ausbau des Breitbandnetzes demnächst Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe tätigen wird, was Meinen und Iken ebenfalls ausdrücklich unterstützten.

Die eingangs erwähnte statistische Zahl bezog sich auf den drastischen Schwund der landwirtschaftlichen Betriebe, die in den vergangenen Jahrzehnten allein im Landkreis Aurich von ursprünglich 4500 im Jahre 1989 auf inzwischen 1300 geschrumpft sind. Was tun gegen den „Flächenfraß“, wie er z.B. durch Kompensationsmaßnahmen entsteht? Alle drei Kandidaten plädierten dafür, dass Politik und Verwaltung versuchen sollten, hier wie auch an anderer Stelle stets im Interesse ihrer Bürger das notwendige Augenmaß walten zu lassen. Gleichzeitig sprachen sie sich für den Bau der Umgehungsstraße B 210n aus, die ja nicht nur an sich weitere Flächen „fressen“, sondern ebenfalls entsprechende Kompensationen nach sich ziehen würde.

Wenn manche Behördenentscheidungen weniger als mit Augenmaß, sondern nicht selten als eher willkürlich getroffen empfunden werden, liegt dies nach Ansicht wiederum aller drei Kandidaten daran, dass Vorgaben von oben die Handlungsspielräume der Verantwortlichen einschränken. „Wir müssen uns an die Gesetze halten“, meinte Bernd Iken und erntete dafür von seinen Mitstreitern weitgehende Zustimmung. Außerdem erinnerte er an die gestiegene Arbeitsbelastung der Verwaltung und warb um Verständnis. Die Existenzängste, der durch Verordnungen nicht minder immer mehr in die Pflicht genommenen Landwirte, konnte das freilich nicht dämpfen. Zwei betroffene Bauern meldeten sich denn auch zu Wort und schilderten ihre Situation. Landrat Weber wollte sich zwar nicht direkt dazu äußert, lud die beiden aber immerhin in sein Büro ein, um ihren Fall persönlich zu prüfen.

Etwas klarere Konturen zeigten die Kontrahenten bei der Debatte um eine Zentralklinik in Georgsheil. Während der amtierende Landrat Weber sich vehement dafür aussprach, will Bernd Iken stattdessen lieber die Klinikstandorte Aurich und Norden erhalten. Olaf Meinen betonte, dass innerhalb dieser Debatte der Rückgang der Hausärzte im ländlichen Bereich nicht unter den Tisch fallen darf. Der könnte zum Beispiel über Stipendien für angehende Ärzte gebremst werden. Ungeachtet dessen hält er es ohnehin für wichtig, generell gute Bildungs- und Freizeitangebote zu schaffen, um grundsätzlich mehr junge Leute in die Region zu locken und hier zu langfristig zu binden.

Ein weiteres Problem im ländlichen Raum ist hingegen nach Ansicht erneut aller drei Kandidaten nicht so groß, wie es empfunden wird. „Der öffentliche Personen- und Nahverkehr ist besser als sein Ruf“, sagte Olaf Meinen. „Wir müssen nur mehr Werbung dafür machen.“ Engpässe in den Randzonen könnten durch zusätzliche Stadt- und Bürgerbusse gedeckt werden, wie es gerade in Großheide versucht wird.

Am Schluss der etwa zweieinhalbstündigen Veranstaltung gab LHV-Präsident Manfred Tannen, der die Diskussion gemeinsam mit Vorsitzenden des Kreislandfrauenverbandes Hilde Oldewurtel geleitet und moderiert hatte, den Kandidaten mit auf den Weg, dass die Politik und der Kreistag aus seiner Sicht der Verwaltung ruhig stärker Paroli bieten sollten. Etliche Landwirte würden sich in ihrer Arbeit nicht adäquat gewürdigt und zudem gegenüber Nichtregierungsorganisationen, die eher Gehör fänden, hinsichtlich ihres Stellenwertes benachteiligt sehen, so Tannen.

Zumindest diese Botschaft schien am Donnerstag bei allen drei Landratskandidaten auch tatsächlich angekommen zu sein. Was wer am Ende dann aus dieser Erkenntnis machen wird, bleibt, wie gehabt, allerdings trotzdem erst einmal abzuwarten.

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