Landkreis Aurich
Corona-Krise

Fragen & Antworten zu den Reihentests

Wer soll getestet werden? Was versprechen sich die Verantwortlichen davon?

Landkreis Aurich. Infiziert, aber ohne Symptome - viele laufen in der Corona-Pandemie unter dem Radar. Mit mindestens 2000 Abstrichen - vielleicht deutlich mehr - will sich ein Landkreis Aurich in Ostfriesland nun ein Lagebild verschaffen. Kritiker bezweifeln die Aussagekraft.

Wer soll getestet werden?

Wohl mehr als 2000 Menschen in zwei Schritten: Seit Donnerstag bis in die folgende Woche hinein sollen im Landkreis Aurich und der Stadt Emden bei mindestens 1000 Freiwilligen Rachenabstriche gemacht werden. Der Fokus liege auf Mitarbeitern von Kliniken und Pflegeeinrichtungen, sagte der Gesundheitsdezernent des Kreises, Frank Puchert (parteilos). Für eine Vergleichsgruppe seien Firmen angeschrieben worden, deren Mitarbeiter sich testen lassen können.

In dem erst nachträglich beschlossenen zweiten Schritt sollen voraussichtlich im Mai auch mindestens 1000 Bürger auf das Sars-CoV-2-Virus getestet werden. Dabei soll ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung erreicht werden. Die Details müssten noch mit einem Statistiker geklärt werden, hieß es. Der Landkreis trägt gemäß aktueller Planung die Kosten. Allein die erste Phase soll den Angaben zufolge rund 60 000 Euro kosten.

Was versprechen sich die Verantwortlichen davon?

Die Tests können laut einem Kreissprecher eine Momentaufnahme liefern: „Wie valide sind denn die Zahlen, die uns vorliegen? Welche Grundlage haben wir für die Entscheidungen, die wir jetzt zu treffen haben bezüglich möglicher Lockerungen oder Nicht-Lockerungen?“ Der Landkreis an der Nordseeküste, zu dem auch die Inseln Norderney, Juist und Baltrum gehören, hatte besondere Regelungen aufgestellt: Über Wochen durften nur Menschen mit erstem Wohnsitz oder Arbeitende auf die Inseln. Externe Wohnmobile waren an Ostern im Kreis tabu.

Wie ist die Lage in der Region?

Im Landkreis Aurich waren es am Freitag (Stand 13.00 Uhr) 37,9 bestätigte Infektionen pro 100 000 Einwohner, in Emden 30. „Die Zahlen bei uns sind unauffällig im Moment und wenn sich das bestätigt, kann das ja schon hilfreich sein bei den Entscheidungen, die wir künftig treffen müssen“, so Puchert.

Was sagen Kritiker?

Beim niedersächsischen Gesundheitsministerium sieht man eine Durchführung derartiger Reihentests im ganzen Land laut einem Sprecher kritisch. Die Hauptkriterien für einen Test seien auf Grundlage der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) das Auftreten von Symptomen sowie der Kontakt mit Covid-19-Erkrankten. Es sei nur bedingt sinnvoll, im großen Maßstab Menschen ohne Symptome zu testen: „Jemand, der heute negativ getestet wurde, kann am nächsten Tag dennoch positiv werden.“ Reihentests würden erst eine größere Rolle spielen, wenn die ersten verlässlichen und exakten Antikörpertests verfügbar sind, um zu sehen, wie viele immun sind.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen verweist auf die Vorgaben des RKI. „Es gibt immer die eine Seite des Sinnvollen und die andere Seite des Machbaren. Sinnvoll ist es natürlich, wenn man die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik testen könnte“, so ein Sprecher. Das sei aber „absolut utopisch“. Die Frage sei auch, was aus den Erkenntnissen resultiere. „Wenn man konsequent wäre, müsste man sagen, man müsste die Menschen dann auch in Quarantäne schicken.“

Was spricht dafür?

Die Wissenschaftsakademie Leopoldina hatte in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Stellungnahme hingegen darauf hingewiesen, dass die bisher stark symptomgeleiteten Datenerhebungen zu einer verzerrten Wahrnehmung des Infektionsgeschehens führten. Es sei daher wichtig, die Erhebung zu verbessern, „insbesondere durch repräsentative und regionale Erhebung des Infektions- und Immunitätsstatus.“

Gibt es andernorts vergleiche Vorgehen?

In Nordrhein-Westfalen untersuchen Virologen, wie sich das Coronavirus im besonders betroffenen Kreis Heinsberg ausgebreitet hat. Getestet werden sollen rund 1000 Menschen. Die Studienmacher nehmen neben Rachenabstrichen auch Blutproben. In München wollen Forscher rund 4500 zufällig Ausgewählten Blut abnehmen, um es auf Antikörper zu untersuchen.

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