Landkreis Aurich
verunsichertes Bild

Es ist die Unsicherheit, die Berlin regiert

Minister platzieren ihre Botschaften, verteidigen sich gegen Kritik, verteidigen die Maßnahmen.

Von Paul Ronzheimer

Berlin. Der Mann, der jetzt Deutschlands Krisenmanager Nummer eins ist, macht zur Begrüßung den Corona-Handschlag. Kein echter Handschlag, sondern die Begrüßung mit dem Ellenbogen. „Das geht gerade noch so, wenn wir Abstand halten“, sagt Jens Spahn, der Gesundheitsminister.

Er ist am Donnerstagnachmittag zu Gast bei „BILD“ live, kommt aus dem Gesundheitsministerium zum Axel Springer Haus im Herzen Berlins.

Wir empfangen in diesen Tagen fast täglich Minister. Der Außenminister war hier, Innenminister, Arbeitsminister, Finanzminister. Im Live-Gespräch platzieren die Minister ihre Botschaften, verteidigen sich gegen Kritik, verteidigen die Maßnahmen.

Aber wenn man in diesen Tagen mit Politikern im Hintergrund ins Gespräch kommt, also in Gesprächen, die nicht öffentlich mit Namensnennung zitiert werden, zeichnet sich ein verunsichertes Bild. Ein Minister sagte schon vor zwei Wochen zu mir: „Ich habe meine Kinder darauf vorbereitet, dass es in diesem Schuljahr vielleicht keine Schule mehr geben könnte.“

Aber auch die Minister, die Kanzlerin, wissen nicht, was passieren wird, wie sich die Corona-Zahlen entwickeln. Es ist die große Unsicherheit, die Berlin regiert, und die es in diesem großen Maße noch nie gegeben hat. „Wir kennen das verdammte Virus einfach zu wenig“, sagte ein anderer Politiker.

Unterdessen geht es für das politische Berlin aber nicht ausschließlich um Corona. Es ist gleichzeitig auch ein Kampf um die politische Zukunft. Wer gewinnt den Machtkampf in der CDU, wie geht es für Spahn weiter, greift Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) doch noch in den Kampf um die Kanzlerkandidatur ein und was macht Kanzlerin Angela Merkel mit ihren hohen Beliebtheitswerten?

Aber die entscheidende Frage auch für das politische Berlin ist momentan: Wie lange noch? Wenn man in diesen Tagen diese Frage stellt, hört man die Antwort, dass es mit den harten Maßnahmen wohl noch länger dauern wird als bis zum 19. April. Aber offiziell will das noch keiner sagen.

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