Landkreis Aurich
Eine Zwischenbilanz

Er ist stets bemüht

Aurichs neuer Bürgermeister Horst Feddermann hat sich im Wahlkampf vieles vorgenommen. Er agiert eifrig - aber bisher glücklos.

Von Peter Saathoff

Aurich. Es ist nicht der Fleiß, den ihm seine Kritiker absprechen könnten. Auf dem Schreibtisch von Horst Feddermann stapeln sich volle, bunte Schnellhefter und noch vollere, schwarze Aktenordner. Seit 100 Tagen ist Aurichs neuer Bürgermeister (parteilos) im Amt. In dieser Zeit versuchte er vor allem, Licht ins dichte Papiergeflecht der Stadt Aurich zu bringen. Die sichtbaren Veränderungen für die Bürger aber bewegen sich im sehr überschaubaren Bereich. Vieles bleibt im Ankündigungsstadium, manches diffus - ein Überblick:

Enercon: Zum Start ein Schock. Hätte Horst Feddermann einen Wecker gebraucht, um pünktlich am Bürgermeisterschreibtisch zu erscheinen, er hätte nicht schriller schnarren können. Am Freitag, 8. November, kündigte der Windkraftanlagenbauer Enercon an, bundesweit 3000 Jobs zu streichen, davon 1500 in Aurich. Es war die erste komplette Arbeitswoche Feddermanns. „Ein schwarzer Tag für Aurich” kommentierte Feddermann gegenüber dem Sonntagsblatt die Entwicklung. Er sorge sich um die Menschen, „die kurz vor Weihnachten ihren Job verlieren.” Eine angemessene - und eine richtige - Reaktion des neuen Stadtoberhaupts.

Auf dem Neujahrsempfang war Enercon Feddermann dann nur noch wenige Zeilen in seinem Redemanuskript wert. Auch wenn erste Anzeichen erkennbar sind, dass der 8. November nicht dauerhaft als „schwarzer Freitag” in Aurichs Geschichtsbücher eingehen wird, hier wäre mehr drin - und angemessen - gewesen. Noch sind schließlich nicht alle ehemaligen Enercon-Mitarbeiter wieder in Lohn und Brot gekommen.

Markthalle: Der gastronomische Mittelpunkt mit Holzkogge in vorderster Front dümpelt planlos herum. Keine Frage: Der Rückzug der ersten, potenziellen Bewerber für einen weiteren Sommer der Markthalle, Arno Fecht und Beyhani Gür, ist Pech. Dass aber die Hoffnungen nun auf dem zweiten Bewerber, Ruediger W. Pinno aus Bad Hersfeld, oder auf eine Magerhalle mit Mini-Angebot ruhen, ist schlechte Planung. Nach Feddermanns Aussage, es gelte einen Leerstand „in jedem Fall” zu vermeiden, hätte ein erkennbarer Plan B längst öffentlich skizziert werden müssen. Nur auf das laufende Verfahren zu verweisen, ist an prominenter Stelle auf Aurichs Marktplatz zu wenig. Selbst wenn Pinno ankündigt, am Dienstag nach mehrfacher Verschiebung tatsächlich vorzustellen.

Stadtwerke: Die Stadtwerke müssen weg, eine Geschäftsgrundlage existiert nicht. An markigen Worten hat es Bürgermeister Feddermann nie vermissen lassen, wenn es um die städtische Energie-Tochter geht. Diese Worte sollten auch die Wallstraße 54 erreicht haben, trotzdem warb der Stromversorger parallel noch mit Anzeigen um neue Geschäftsabschlüsse. Selbst diese Woche ließen sich bei der Suchmaschine Google noch bezahlte Anzeigen finden. Solche Pannen sorgen für Verunsicherung bei Kunden - und Wählern.

EEZ: Zu teuer und und zu wenig frequentiert. Am liebsten hätte Feddermann das umstrittene Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum im Wahlkampf wohl eher früher als später dicht gemacht. Mit dem Chefsessel kamen aber die Verträge. Und so leicht ist die Abwicklung des Zentrums nicht, im schlimmsten Fall drohen Millionen Rückzahlungen.

Kein Wunder, dass Feddermann inzwischen den Blick auf die positiven Aspekte des EEZ' lenkt und die „tolle Arbeit” der Mitarbeiter lobt. Kritik an der Ausstellung ist zwar noch zu vernehmen, von einer Abwicklung wie bei den Stadtwerken ist aus dem Rathaus aber schon länger nichts mehr zu hören.

Bezahlbarer Wohnraum: Horst Feddermann ist privat sozial engagiert, Prunk und Protz sind nicht seine Sache. Ihm kauft man ab, dass ihm auch die Bürger mit schmalem Portemonnaie am Herzen liegen. Beim Thema sozialer Wohnungsbau dringt Feddermann aber kaum durch. Sein Vorschlag, aus Kostengründen auf die 16 Wohnungen am Krähennestergang zu verzichten und dafür alle Energie ins Projekt Hohegaster Weg/ Schlehdornweg zu stecken, wird von der Politik nicht goutiert. Die SPD hält den Krähennestergang weiter am Köcheln, zuletzt rechneten auch noch die Linken vor, wie das Projekt sehr kostengünstig umzusetzen wäre.

Transparenz: Feddermanns Glanzthema. Er steht den Bürgern zur Verfügung, in seiner Bürgersprechstunde schenkt er Aurichern sein Ohr. Auch beim Neujahrsempfang taute Feddermann erst richtig auf, als er sich durch die Menschen bewegte und viele direkte Gespräche führte. Im Rathaus selber hat er mit Johann Stromann einen Pressesprecher installiert, der umtriebig über Verwaltungsbelange informiert. Auch aus den Reihen der Politik ist an Feddermanns Info-Politik keine Kritik gekommen. Diese Ankündigung hat das neue Stadtoberhaupt in seiner bisherigen Amtszeit umgesetzt.

Markige Worte klingen im Wahlkampf gut, sie wecken aber auch berechtigte Erwartungen. Denen nachzukommen ist auf dem Chefsessel mitunter schwierig. Horst Feddermann bemüht sich - an seinem Fleiß besteht kein Zweifel.

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