Landkreis Aurich
Brustkrebs-Vorsorge

Durch eine Krankheit zur Berufung

In der Gynäkologie-Praxis von Dr. Elke Warmuth in Aurich können Frauen nun ein neues Angebot wahrnehmen. Die sehbehinderte Jennifer Bruns ist dort seit Kurzem als "MTU" tätig.

Von Imke Cirksena

Aurich. Dass sie sehbehindert ist, kann man Jennifer Bruns überhaupt nicht ansehen. Wenn sie über ihren Beruf spricht, leuchten ihre blauen Augen. Die Sehbehinderung führte sie zu ihrem heutigen Beruf. Die 29-Jährige arbeit als Medizinisch-Taktile Untersucherin (MTU). Durch ihren geschärften Tastsinn kann sie auch kleinste Tumore und Gewebeveränderungen in der Brust erfühlen und so Brustkrebs früh erkennen, so Bruns.

Seit Anfang April ist die 29-Jährige in der Frauenarzt-Praxis von Elke Warmuth in Aurich tätig. In einer 30 bis 60-minütigen Untersuchung tastet sie dort Frauen jeden Alters auf Brustkrebs ab. Eine Diagnose erstellt sie nicht - dies übernimmt danach der Arzt oder die Ärztin. Die Untersuchung wird von einigen Krankenkassen übernommen, ansonsten kostet sie 46,50 Euro. Auch Frauen, die Patientinnen einer anderen Praxis sind, können zu der Ostfriesin kommen. Bei der intensiven Abtastung nach der MTU-Walzer-Technik wird jeder Zentimeter Brust mit variierendem Druck abgetastet. Zur Orientierung für die Tasterin werden Klebestreifen eingesetzt. Außerdem wechselt die Patientin bei der Untersuchung mehrmals ihre Position.

Termine können zurzeit auch kurzfristig vergeben werden. Bruns betont außerdem, dass die MTU-Untersuchung eine Ergänzung zur Mammografie darstellt und diese nicht ersetzen kann. Patientinnen, die das neue Angebot bereits in Anspruch genommen haben, zeigten sich zufrieden. "Einige schlafen dabei sogar ein", erzählt Aurichs erste MTU. Viele möchten zu einem erneuten Vorsorge-Termin wiederkommen.

Bevor eine Erbkrankheit Bruns immer weiter erblinden ließ, arbeitete sie als Kinderpflegerin. Durch einen Blindenverein wurde sie auf die Idee gebracht, sich bei "Discovering Hands" zur MTU ausbilden zu lassen. Bruns war von der Idee sofort angetan und absolvierte eine neunmonatige Ausbildung in Berlin. Neben ihrer neuen Tätigkeit in Aurich untersucht sie nun auch Patientinnen in Leer und Bremen. Sie hat damit ihre Berufung gefunden: "Ich bin jetzt sogar glücklich über meine Sehbehinderung und freue mich jeden Tag auf die Arbeit."

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