Landkreis Aurich
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Dieses Schwein soll Instagram-Star werden

Zum Schlachter wollte Anglersattelschwein Bobby auf keinen Fall. Am Ende hat sich der Eber durchgesetzt und könnte jetzt Karriere machen.

Von Soeke Heykes

Aurich. Schlafen, Fressen und sich im Schlamm suhlen. So sieht der Alltag des Anglersattel-Schwein Bobby vom Hof Sonnenschein in Aurich aus. Und dieses saugute Leben könnte der Eber noch bis zu 14 Jahre weiterführen. Denn Bobby ist einfach zu groß, um geschlachtet zu werden. Stattdessen hat er jetzt einen Instagram-Account.

Rückblick: Am 27. Mai 2019 erblickte der Eber auf dem Hof Sonnenschein, der seit 2018 ein Biolandhof ist, das Licht der Welt. Von Anfang an war er der Größte und Schwerste aus dem Wurf. „Somit war für uns klar, Bobby geht als erster zum Schlachter“, sagt Nadja Poppen, die gemeinsam mit ihrem Mann Hermann den Hof führt. Doch der Eber war da ganz anderer Meinung. Jedes Mal, wenn die Hofbetreiber und ihre Angestellten mit Brettern als Wand versuchten, das Schwein aus dem Stall zu holen, brach er durch die Wand aus Menschen und Brettern und lief auf das Feld herunter, das zum Stall gehört.

Instagram statt Schlachter

„Er hat immer gesagt, ’Ne, ich nicht’“, erzählt Nadja Poppen. Beim ersten Mal versuchten sie es sechsmal. Danach nahmen sie ein anderes Schwein. Beim zweiten Mal gab es fünf Versuche, doch wieder kein Erfolg. Beim dritten Mal gab es nur noch einen Versuch. „Dann war es wirklich so, dass der Schlachter gesagt hat, der ist zu groß, der passt nicht mehr in Enthaarungsmaschine“, so die Hofbetreiberin weiter. In dieser Maschine werden die Schweine, nach dem sie geschlachtet wurden, „überbrüht und enthaart“, wie Nadja Poppen erklärt. Am Ende stand der Entschluss fest: Bobby darf auf dem Hof bleiben und wird nicht geschlachtet.

Das freiheitsliebende Schwein bringt mittlerweile 170 Kilo auf die Waage, doch ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Neben einer Lebenswahrscheinlichkeit von bis zu 15 Jahren, kann der Eber 250 Kilo schaffen. Dass er das hinbekommen könnte, ist sehr wahrscheinlich. Zwischen zwei bis drei Kilo frisst Bobby am Tag, kosten von täglich 80 Euro. Dafür muss das Schwein nun auch etwas leisten. So hat er seit elf Tagen einen Instagram-Account mit dem Namen Bobby Graf von Sonnenschein.

Bobby wird Storyteller

Auf der Instagram-Seite lässt der Eber Bobby seinen Follower an seinem Alltag teilhaben. Zudem stellt er nicht nur seine Rasse vor, sondern auch die anderen, die auf dem Hof Sonnenschein leben. „Wir haben fünf verschiedene Rassen auf dem Betrieb“, erklärt Nadja Poppen. Zum einen gibt es eine Hybrid-Rasse, also Kreuzung, namens Viktoria. „Dann haben wir Anglersattelschweine, wie Bobby und Leicoma, eine alte Hybridrasse aus der DDR, die vom Aussterben bedroht ist“, so Die Hofbetreiberin weiter. Weiter gibt es deutsche Sattelschweine und schwedische Linderöd-Schweine, von denen es, laut Nadja Poppen, nur noch rund 1000 Tiere weltweit gibt. „Davon haben wir zwei Zuchtsauen, die im Juli Ferkel bekommen“, so die Hofbetreiberin.

Doch Nadja und Hermann Poppen haben noch weitere Pläne mit Bobby. Unter anderem sind Fantasy-Geschichten geplant, die das Schwein als Storyteller erzählen wird. Darunter, ein wenig verändert, die ostfriesische Geschichte, in der ein Urahne von Graf Bobby mitspielen soll. „Es ist viel Luft nach oben, was Bobby erleben kann“, sagt Nadja Poppen.

Hof in vierter Generation

Der Hof der Familie Poppen wird in vierter Generation geführt. Als Hermann Poppen den Betrieb von seinem Vater übernommen hatte, stellten sie den Betrieb auf Bio um. So haben die Sauen im Abferkelstall jeder 17 Quadratmeter Platz. Zudem können die Tiere jederzeit nach draußen. „Wir sind ein Sauenbetrieb, das heißt in erster Linie bekommen wir Ferkel und ziehen die bis 25 Kilo groß. Im Abferkelstall bleiben die Sauen und Ferkel sechs Wochen im Stall und dann bleiben die noch ungefähr sechs bis acht Wochen auf dem Betrieb. Dann werden sie zum Mäster verkauft“, erklärt Nadja Poppen den Ablauf auf dem Hof. Zudem haben sie einen Laden, der zwei Tage in der Woche öffnet und wo die alten Rassen direkt vermarktet werden.

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