Landkreis Aurich
Anwohner äußern Bedenken

„Der Grundwasserschutz ist nicht verhandelbar”

Das Unternehmen Vermilion will in Südbrookmerland Gas fördern. Davon betroffen ist auch die Gemeinde Hinte.

Engerhafe/Bedekaspel. Die Pläne des Gasförderunternehmens Vermilion Energy Deutschland, unter anderem im Wasserschutzgebiet bei Engerhafe Gas zu fördern, sind bei einer Info-Veranstaltung in Engerhafe von der Bürgerinitiative (BI) gegen das Projekt sowie Vertretern des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) erneut scharf kritisiert worden. „Wir wissen nicht, was mit der Gasförderung im Trinkwasserschutzgebiet nach oben kommt. Es gibt immer ein Risiko. Darum ist der Grundwasserschutz nicht verhandelbar”, sagte Markus Penning, Abteilungsleiter Hydrochemie und Boden beim OOWV. Er machte deutlich, dass die Bohrung in Nachbarschaft des Trinkwasser-Reservoirs in Engerhafe vom OOWV abgelehnt werde.

Das Wasserwerk Engerhafe versorgt viele Gemeinden im Landkreis Aurich, darunter in den Gemeinden Hinte, Krummhörn sowie auch einige Stadtteile Emdens mit Trinkwasser. Ilona Puhahn von BI wies während der Infoveranstaltung auf Studien hin, nach denen durch Erdgasförderung erhebliche Gefahren für Mensch und Umwelt drohten.

In Engerhafe wurde vor rund 30 Jahren bereits Gas gefördert. Doch das Grundwasser könne nachhaltig durch erhöhte Belastungen durch giftiges Benzol und Quecksilber sowie radioaktive Stoffe belastet sein, gab Ilona Puhan zu bedenken. Diese Stoffe könnten in der Nähe von Bohrlöchern zu Hirnschädigungen, Krebs und Atemwegserkrankungen führen. Auch in Engerhafe und Siegelsum hätten Einwohner bei einer Umfrage der BI über Krebserkrankungen berichtet, vor allem Blasen-, Prostata- und Hodenkrebs, sagte Ilona Puhan. Sie sehe darin eine Folge der „an die Oberfläche beförderten Schwermetalle”.

Zweck der Veranstaltung sei es gewesen, die Bevölkerung gezielt über Gefahren des Gasbohrens für ihre Umgebung zu informieren, betonte BI-Sprecher Thomas Puhahn gegenüber der Emder Zeitung. Wie berichtet, plant Vermilion in einem Wasserschutzgebiet, nur 180 Meter von den nächsten Häusern entfernt, den ehemaligen Bohrplatz Engerhafe Z1 wieder in Betrieb zu nehmen. Ein Anschreiben an den Bundesminister für Gesundheit, Jens Spahn, lag bei der Infoveranstaltung aus, damit Besucher mit ihrer Unterschrift Bedenken zur Neubohrung anzeigen konnten.

Gerrit Wigger, Experte für Gasbohrungen aus den Niederlanden, erklärte, dass Tiefbohrungen nicht restlos sicher seien. Er sei 30 Jahre lang weltweit für das Unternehmen Shell tätig gewesen. Die Folgen könnten erst 50 Jahre später in einem Radius von 13 Kilometern spürbar werden. Wigger verwies auf Bohrungen nach Erdöl rund um Groningen. „Das Gebiet sieht aus wie ein Gouda-Käse.” Wiggers sprach von 97 Erdbeben im Jahr 2018; es müssten 15 000 Häuser verstärkt werden, 90 000 Häuser seien defekt und 105 seien bereits abgerissen. Außerdem seien 1200 nationale Monumente beschädigt, fügte Derwin Schooren von der BI Groninger-Boden-Bewegung hinzu, die vor kurzem 14 000 Menschen gegen Gasbohrungen auf dem Marktplatz in Groningen versammelte.

Aus Friedeburg nahmen Arne Harms und Andreas Rudolf an der Info in Engerhafe teil. In Etzel gibt es seit Jahrzehnten 75 unterirdische Kavernen zur Speicherung von Erdöl und Erdgas. Im November 2013 habe es einen Ölunfall gegeben, dessen Auswirkungen die Feuerwehr sichern konnte. Bei einem Austreten von Gas (Blow-Out) könnten Häuser kilometerweit zerstört und Menschen getötet werden, erklärten die Friedeburger.

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