Landkreis Aurich
Plastikverbrauch soll reduziert werden

Das Problem steckt in der Seife

Der Auricher Umweltausschuss thematisierte das Thema Mikroplastik. Die Streitfrage: Wie lässt sich ein globales Problem kommunal lösen?

Von Peter Saathoff

Aurich. Den Plastikverbrauch in der Kreisstadt spürbar reduzieren, das wollen alle Fraktionen im Auricher Stadtrat. Über den Weg zu diesem gemeinsamen Ziel herrscht hingegen weniger Konsens, verdeutlichte die vergangene Sitzung des städtischen Umweltausschusses am Donnerstag. Im Kern steht die Frage, welchen Einfluss die Kleinstadt Aurich mit ihren rund 40 000 Einwohnern auf ein globales Problem hat, das sich in der Verschmutzung der Weltmeere ausdrückt.

„Politik beginnt im Kommunalen und schwemmt Probleme nach oben”, sagte Reinhard Warmulla (Die Linke) und verdeutlichte so die Sicht der einen Seite. „Es müssen bundesweite Verbote her”, stellte dem hingegen Arnold Gossel, Fraktionsvorsitzender der CDU, entgegen und begründete damit das Lager derjenigen, die der Stadt Aurich nur einen vernachlässigenswerten Einfluss zubilligen woll­te. Verboten wissen wollte der CDU-Fraktionsvorsitzende vor allem Mikroplastik, jene kleinen Plastikteilchen, die die Industrie zum Teil in Flüssigseifen, Duschgelen, Hautcremes und Shampoos verarbeitet hat. „Für mich ist es sehr schwierig, bei all den Duschgelen und den Inhaltsstoffen das Gel ohne Mikroplastik auszuwählen”, gab Erich Fokken (CDU) zu.

Deutlicher wurde Ausschussvorsitzende Jabine Janssen (CDU): „Es ist eine Frechheit, was die Anbieter uns hier unterjubeln.” Sie hatte eine ganze Liste an praktischen Haushaltstipps zur Vermeidung von Plastik im Gepäck. Darunter den Verzicht auf Flüssigseife. „Ein Stück Kernseife funktioniert genauso gut”, sagte Janssen. Weitere Vorschläge: Stofftaschen und Rucksäcke zum Einkaufen mitnehmen, um Plastiktüten zu vermeiden, Einkaufskörbe für Obst und Gemüse mitnehmen und Glas- statt Plastikflaschen kaufen. „Oder das Wasser aus der Leitung trinken, das schmeckt genauso gut.”

Mit solchen Umstellungen könne jeder Auricher sein Scherflein zur plastikfreien Kommune bereits beitragen, erklärte Janssen. Große Anstrengungen kommunal unternehmen zu wollen, bringe hingegen wenig, schließlich könne Aurich keine plastikfreie Insel im globalen Kunststoffmeer sein. Sie berichtete aus ihrem Rumänien-Urlaub. „Dort wird überhaupt kein Müll getrennt und alles einfach in die Kante gekippt.”

Christian Mohr, Radverkehrsbeauftragter und beratendes Ausschussmitglied, wollte die Kreisstadt und den Landkreis nicht so einfach aus der Verantwortung entkommen lassen. Er schlug vor, die gelben Mülltonnen für Plastikmüll künstlich zu beschweren, um ein Umkippen der Tonnen zu vermeiden. „So gelangt viel Müll in die Umgebung”, sagte Mohr. Wögen die Tonnen nur zehn Kilogramm mehr, könne nicht jeder Sturm die Behälter umschubsen. Ein zweites Problem sei die kostspielige Sperrmüllentsorgung im Landkreis. Er schlug vor, Sperrmüll kostenfrei entsorgen zu lassen. „Die Ehrlichen zahlen viel Geld und Schmarotzer schmeißen ihren Müll in die Natur.” Dem hielt Kreistagsabgeordneter Gossel entgegen, dass der Landkreis bei Müllvermeidung und Mülltrennung bereits bundesweit führend sei.

Die SPD wies auf Ansätze in anderen Kommunen hin und wollte das Problem in einen Arbeitskreis verschieben. „Dann können wir die Bürger einbinden”, sagte Gerda Küsel (SPD). Letzteres fand Links-Politiker Warmulla „hervorragend” und wollte auch die Schulen in die Pflicht nehmen. In die Pflicht nahmen die Politiker schließlich die Verwaltung. Sie soll nun ein Konzept erstellen, wie Aurich zu einer „plastikfreien Kommune” werden kann - und eine Antwort auf die Frage geben, wie hoch der kommunale Einfluss auf ein globales Problem ist.

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