Landkreis Aurich

Das Dorf Loppersum birgt viele Schätze

Die Teenachmittage der reformierten Gemeinden Canhusen und Loppersum beschäftigten sich gestern mit einem wichtigen Teil der Loppersumer Dorfgeschichte.

Loppersum. Lautstark und nicht zu überhören bahnt sich die Stimme von Pastorin Marita Sporré den Weg durch das Stimmengewirr. Etwa 40 Gäste haben sich an diesem Freitagnachmittag zum Teenachmittag im Gemeindehaus der Loppersumer Kirchengemeinde eingefunden.

Die Neugier ist heute besonders groß, denn es geht um alte Geschichten aus dem Dorf. Da kennen sich die meisten der älteren Anwesenhof ganz gut aus. Diesmal geht es um das historische Fresenhaus, das Herrenhaus in Nachbarschaft zur reformierten Kirche. ”Viele Dorfbewohner verbinden etwas mit dem Herrenhaus”, wird Marita Sporré später an diesem Nachmittag feststellen. ”Fast jeder hat eine persönliche Geschichte zu dem Haus zu erzählen. Andere kennen nur die Außenfassade, aber nicht die Geschichte.” Es bot während des Nationalsozialismus Obdach für den ”Bund deutscher Mädel” (BDM) als weiblicher Zweig der Hitlerjugend, dann war es ein Hotel und später beherbergte es ein Altersheim.

Ein Besucher der Teestube hat sogar noch eine Lehre im Hotel gemacht, ein anderer erinnert sich an die Beerdigung des letzten Hausherrn, bei der nur Handwerker als Grabträger dabei sein sollten.

Nicht nur Dorfbewohner haben sich an diesem Freitag auf den Weg gemach. Auch Emder sind dabei, deren Eltern und Verwandte in dem Dorf lebten. Doch bevor die Referentin und Historikerin Dr. Hedwig Hangen zum Thema kommt, wird erst Mal gesungen. Auch hier kennen sich die Gäste gut aus - und schon stimmen sich die Besucher mit einem gemeinsam Lied ein. ”Für jede Strophe gibt es eine Tasse Tee”, verspricht Pastorin Sporré zu den Besuchern - und lacht verschmitzt. So viele Gäste ist sie an den Teenachmittagen der Kirchengemeinde eigentlich gar nicht gewöhnt. ”Wir sind von den vielen Gästen überaus überrascht”, räumt sie beim Plausch gegenüber der Emder Zeitung ein.

Dann wird es still im Raum, als Dr. Hedwig Hangen das Wort ergreift. Sie erzählt von den vielen Schätzen, die sich hier in Loppersum befinden. Und alle sind für jedermann sichtbar, blickt sie erwartungsvoll in fragende Gesichter. ”Das Herrenhaus, die Kirche, das Steinhaus sowie das Schatthaus gehören zu den vielen Schätzen, auf die die Loppersumer stolz sein können”, löst Dr. Hangen schließlich das kleine Rätsel auf. Loppersum sei gegenüber den anderen Dörfern sehr gut aufgestellt, sagt sie.

Und Dr. Hangen weiß, wovon sie spricht, denn sie ist selbst seit einigen Jahren Miteigentümerin des Herrenhauses, das im 19. Jahrhundert von der Familie von Frese errichtet wurde. Sogar König Georg V. übernachtete 1861 im Herrenhaus, auf seiner Fahrt aus der Sommerfrische auf Norderney nach Emden.

Wenig später sollten die Loppersumer ihrem König, der ein Cousin der englischen Königin war, sogar ein Denkmal setzen, indem sie die romanische Kirche aus dem Mittelalter im englischen Stil umbauen ließen.

Die Gäste hängen förmlich an den Lippen der Südbrookmerlander Historikerin, als diese die alten Geschichten erzählt. Dann liest sie aus dem Tagebuch von Elisabeth Bartels vor. Die Tochter des ostfriesischen Landessuperintendenten war lange vor dem Ersten Weltkrieg als Hauslehrerin im Herrenhaus bestellt. Durch ihre Zeilen wird das Leben im Fresenhaus richtig lebendig.

Warum plötzlich so viele Loppersumer an der Teestunde teilnahmen? Pastorin Sporré begründet den hohen Besucheransturm mit dem großen Interesse an der Dorfgeschichte mit den vielen Renovierungen, unter anderem an der Kirche. ”Es liegt uns einfach am Herzen, dass die Dorfgeschichte und dessen viele Gebäude in Stand gehalten werden.”

Rund 40 Gäste besuchten den Teenachmittag in Loppersum. Der Canhuser Teenachmittag, der einen Tag zuvor stattgefunden hat, konnte sich mit einer ebenso guten Bilanz sehen lassen. ”Natürlich wohnen da nicht so viele Leute”, räumte Marita Sporré ein.

Aber immerhin hat nicht nur Loppersum in historischer Hinsicht einiges zu bieten, sondern auch das kleine Dörfchen Canhusen mit ihrer kleinen reformierten Kirche birgt viele Schätze...

jbo/ggm

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