Landkreis Aurich
Corona-Krise

Besuchsverbote in Alten- und Pflegeheimen: Lockerungen möglich?

Während es im öffentlichen Leben erste Lockerungen gibt, sind die Kontakte in Pflegeeinrichtungen weiterhin eingeschränkt. Doch auch hier könnten Besuche unter Auflagen möglich sein, informiert das niedersächsische Gesundheitsministerium.

Von Heike Arends

Aurich. Trotz aller Lockerungen, an den Besuchs- und Betretungsmöglichkeiten in Alten- und Pflegeeinrichtungen in Niedersachsen hat sich auch mit der neuesten Verordnung zur Corona-Bekämpfung nichts geändert: Sie sind nach wie vor verboten und nur in besonderen Fällen möglich. Und so müssen die Bewohner weiter in der Isolation leben, Angehörige oder Bekannte müssen Abstand halten und auch enge Kontakte zu Mitbewohnern sind nicht möglich. Ein Kontakt ist also nur telefonisch oder über soziale Medien realisierbar. Wenn die Bewohner überhaupt dazu in der Lage sind und es die Gegebenheiten in den Einrichtungen ermöglichen. Eine Situation, die alle Betroffenen belastet,

Doch das niedersächsische Gesundheitsministerium macht Hoffnung: „Grundsätzlich bleiben Besuche von Angehörigen in Alten- und Pflegeheimen untersagt. Sie können zukünftig aber von den Gesundheitsämtern vor Ort unter Auflagen zugelassen werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die ’Leitung der Einrichtung auf der Grundlage eines Hygienekonzepts nachweist, dass ein geschützter Kontakt zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Besucherinnen und Besuchern sichergestellt ist’“, heißt es hierzu in einer Pressemitteilung vom 17. April.

Für eine Lockerung der Besuchseinschränkungen macht sich auch die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene   Menschen BIVA stark. Der Pflegeschutzverband hat eine Petition initiiert, um die Besuch bei Pflegeheimbewohnern zu ermöglichen, um so „lebensbedrohendes seelisches Leid“ zu vermeiden. „Besuche von Angehörigen und Betreuern müssen unter Einhaltung von verbindlichen Hygienevorschriften möglich sein“, heißt es auf der Homepage.

Die Landesgruppe Nordrhein-Westfalen des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste bpa wiederum mahnte bereits in der zweiten Aprilwoche, dass Pflegeheime Schutzkleidung und Tests bräuchten. Gefordert sei eine „Ausstattung mit dem Notwendigsten und Vorsicht bei der Lockerung der Besuchseinschränkungen“, hieß es in der Pressemitteilung.

„Um den bestmöglichen Schutz für die Bewohner zu gewährleisten, wünschen sich unsere Mitarbeiter und auch die Mitarbeiter anderer Träger einen klaren Handlungsrahmen“, lautete wiederum das Fazit der Zwischenbilanz zur aktuellen Krisenbewältigung, die Raphael Gilberg, Geschäftsführer des operativen Bereichs der Alloheim Senioren-Residenzen, aktuell gezogen hat.

Warten auf Vorgaben

„Bis Anfang Mai ist definitiv noch Besuchs- und Kontaktverbot und es gibt einen Aufnahmestopp“, sagte Christoph Nannen, Einrichtungsleitung des zur Peter Janssen Gruppe gehörenden „Seniorenheims am Rosentor“ in Aurich, jetzt im Gespräch mit dem Sonntagsblatt. Noch gebe es keine konkreten Vorgaben seitens des Landes dafür, wie man Besuche unter Einhaltung welcher Sicherheitsbestimmungen und Hygienemaßnahmen ermöglichen könne, erklärte Nannen. Erst wenn dies geklärt sei, könne man planen.

Das Wohl der Bewohner hat Vorrang, laute hier die Maßgabe und so freut Nannen sich, dass es bis jetzt im Rosentor keinerlei Verdachtsfälle gegeben habe. Hierzu trügen auch die umfangreichen Schutzvorkehrungen innerhalb des Hauses bei, die durchgeführt werden, um einer Ausbreitung des Corona-Virus wirksam zu begegnen. Darüber hinaus waren schon im Vorfeld der Besuchsverbote Zulassungsbeschränkungen und besondere Hygienemaßnahmen verfügt worden. „Weil die Bewohner von Pflegeeinrichtungen im Falle einer Infektion mit dem Corona-Virus mit einem schwierigen Krankheitsverlauf rechnen müssen, haben die Peter Janssen Gruppe Seniorenresidenzen schon früh Vorkehrungen getroffen, um diese möglichst zu vermeiden“, heißt es hierzu in einer Pressemitteilung. Unter anderem hätten die Seniorenresidenzen ihre Lagerbestände an Hygieneartikeln, Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung bereits frühzeitig erhöht. Grundsätzlich trügen alle Mitarbeiter, die laufend hinsichtlich der Thematik geschult werden, in allen Bereichen der Seniorenresidenzen immer eine Mund-Nase-Schutzmaske. Alle Maßnahmen erfolgen in Absprache mit den Gesundheitsämtern und der Heimaufsicht. Mit ihnen sei man ständig in Austausch, führte Nannen aus.

Zudem werden Bewohner und Angehörige mit aktuell erstellten Informationsmaterialien darüber aufgeklärt, wie sie sich verhalten müssen. „Wir versuchen, die Situation für die Bewohner zu kompensieren, und wir haben einen guten Draht zu den Angehörigen. Alle zeigen viel Verständnis und haben die Maßnahmen akzeptiert“, sagte Nannen. So sorgte beispielsweise eine Postkartenaktion bei den Bewohnern für Abwechslung. „Darüber hinaus nimmt die Bevölkerung auf vielfältige Weise Anteil“, stellte Nannen heraus. So werde beispielsweise telefonisch angefragt, ob man etwas machen könne. Und zu Ostern gab es unter anderem eine Blumenspende und Schokolade.

Doch selbst wenn es tatsächlich Lockerungen geben sollte, ein Tag der offenen Tür, wie er im März im Rosentor anlässlich der Einweihung des Erweiterungsbaus geplant war, ist laut Nannen aufgrund der Situation noch in weiter Ferne und - wenn überhaupt - erst im kommenden Jahr machbar.

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