Landkreis Aurich
Strenge Auflagen

Bauern kämpfen ums Fehntjertief

1700 Hektar sollen Naturschutzfläche werden. Landwirte gründen den Verein „Nachhaltige Naturlandschaft”. Sie fürchten 50 Millionen Euro Verlust.

Von Peter Saathoff

Großefehn. 3000 Hektar ist das Fehntjertief groß, 1300 stehen bereits unter Naturschutzauflagen. Über die restlichen 1700 schwebt nun das Damoklesschwert Naturschutzgebiet. Die strengen Auflagen könnten 130 landwirtschaftliche Betriebe gefährden. Zwischen 40 und 50 Millionen Euro Verlust rechnen hiesige Landwirte. Um ihren Protest zu koordinieren und juristische Schlagkraft organisieren zu können, haben sie nun den Verein „Nachhaltige Naturlandschaft” gegründet. Der soll für die Belange der Bauern mit den betroffenen Landkreisen Aurich und Leer verhandeln.

Der Grund für die Aufregung heißt Natura 2000, jenes Netz an verschiedenen Schutzgebieten, das sich durch die Europäische Union zieht. Erst vor wenigen Wochen debattierte der Landkreis Aurich über die Folgen für den Ihlower Forst und das Ewige Meer bei Eversmeer. Nun richtet sich der Blick gen Fehntjertief.

„Wenn das kommt, sind 130 landwirtschaftliche Betriebe gefährdet”, sagte Vereinsvorsitzender und Landwirt aus Moormerland, Eilert Smit, am Montag im Pressegespräch. Daran schlössen sich 440 Landeigentümer an, denen finanzielle Sorgen drohten. Statt eine Ausweisung als Naturschutzfläche fordern die Landwirte ein Landschaftsschutzgebiet. Den Unterschied für die Landwirte erklärt Smit so: „In einem Naturschutzgebiet ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. In einem Landschaftsschutzgebiet ist es andersherum.”

Während die Landwirte mit den Regelungen eines Landschaftsschutzgebiets umgehen und noch wirtschaften könnten, erlaube ein Naturschutzgebiet das nicht mehr. „Mit den Regelungen können wir keinen ökonomischen Erfolg haben”, sagte Ludwig Soeken aus Timmel. „Da verdienen wir null.” Auf Naturschutzflächen könnten Landwirte einmal im Jahr einen Pflegeschnitt durchführen. Das war's. Mehr ist nicht drin. Und selbst der Schnitt sei nutzlos für die Bauern. „Das Schnittgut können wir als Futter nicht verwenden”, sagte Soeken.

Selbst der Naturschutzaspekt sei zweifelhaft, erklären die Bauern. In solchen Flächen siedelten sich Füchse an, die anschließend Jagd auf Vögel machen. Weil dort nur einmal pro Jahr der Mäher kommt, hätten die Tiere an den anderen 364 Tagen pro Jahr freie Bahn. „Der Beweis, dass ein Naturschutzgebiet erfolgreich ist, wurde in den vergangenen 25 Jahren nicht einmal erbracht”, sagte Vorsitzender Smit.

Davon will der Verein nun Öffentlichkeit und Politik überzeugen. Unterstützung hätten die knapp 70 Vereinsmitglieder bereits von Jägern, Anglern oder Bootssportvereinen sowie Entwässerungsverbänden bekommen. Zur Politik der beiden Landkreise sind bis dato nur zarte Bande geknüpft. Das solle sich in den nächsten Monaten ändern. „Da stehen wir noch am Anfang”, sagte Smit.

Die Vereinsmitglieder treffen sich am Donnerstag, 28. November, ab 20 Uhr im Compagniehaus in Großefehn.

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