Landkreis Aurich
Corona-Krise

Bange Zeit in Quarantäne unter Palmen

Ein Riepster Journalist fing während seines Aufenthalts auf der Karibik-Insel Kuba an zu fiebern.

Von Hans-Ulrich Meyer

Riepe/Kubaggm. Auf seiner Kuba-Reise hat der Riepster Fotograf und Journalist Hans-Ulrich Meyer (69) die weltweite Corona-Krise am eigenen Leib zu spüren bekommen. Jetzt konnte der Riepster den Heimweg antreten, nachdem er auf der Insel Zeit in Quarantäne verbringen musste.

Gast auf Kuba

Meyer ist seit mehr als 20 Jahren mit seinen Fotoausstellungen auf Kuba zu Gast und hat in dieser Zeit eine kulturelle Brücke zwischen Künstlern aus Ostfriesland und dem Nachbarland Holland nach Kuba aufgebaut. Unter anderem sind es die Bilder des Hinteraner Künstlers Heinz Kramer-Hinte, die auf Kuba ebenso für Begeisterung sorgten wie die Modelle des Buddelschiffbauers Andy Möbius aus Wirdum. „Er sorgte mit seinen kleinen Schiffen für erstaunte Gesichter“, so Meyer.

Jedes Jahr verbringt der Riepster einige Wochen auf Kuba. Am 23. Februar machte er sich mit den gepackten Koffern auf den Weg, ohne zu ahnen, dass ihn das Corona-Virus auch dort einholen würde. Auf dem Frankfurter Flughafen herrschte wie immer ein reges Treiben, die Erwartung der Urlaubsgäste waren groß, das Corona-Virus noch weit weg. „Es war noch überwiegend in China ein Thema“, sagte Hans-Ulrich Meyer. Doch das sollte sich in den nächsten zwei Wochen schnell ändern - auch auf Kuba.

Dort hatte sich Meyer nach einem Restaurantbesuch im zwölften Stock auf einer windigen Terrasse in Holguin erkältet, begleitet von leichtem Fieber. Die Vermieterin in der Privatunterkunft in Las Tunas riet Meyer, sich vorsichtshalber im Che-Guevara-Krankenhaus eine Antibiotika Spritze geben zu lassen. „Gesagt getan! Ich bezahlte 110 Euro für die Spritze“, berichtet Meyer von der vermeintlichen Stippvisite in der Klinik, in der auch eine Röntgenaufnahme seiner Lunge gefertigt wurde - und eine niederschmetternde Diagnose gestellt wurde. „Ich durfte nicht mehr in meine Unterkunft zurückkehren, weil der Verdacht des Corona- Virus bestand“, wird Meyer diesen Augenblick so schnell nicht vergessen.

Tropenmedizin

Prompt wurde der Ihlower unter Quarantäne gestellt, sein Blut wurde in das Institut für Tropenmedizin nach Havanna geschickt. „Alle acht Stunden bekam ich Antibiotika gespritzt“, erinnert er sich an manche bange Minute. Während seines Krankenhausaufenthaltes bekam er mit, dass mittlerweile drei Italiener einer Reisegruppe aus der Lombardei in Santi Spiritus erkrankt waren.

Erste Andeutungen

„Der erste Patient war schon verstorben“, sagte Meyer. Erst nach sieben schlaflosen Nächten konnte er aufatmen, als die Krankenschwester ihm mit ihren Andeutungen erste Hoffnung machte. „Dann sagte mir die Oberärztin, dass der Test negativ verlaufen ist und ich das Krankenhaus verlassen kann“, sagte er. Den Krankenhausaufenthalt habe er nicht bezahlen müssen, sagte der Riepster.

Allerdings gestaltete sich die Suche nach einem Antibiotika-Rezept als schwierig. Die Sanktionen und die Blockade der Amerikaner gegenüber Kuba durch Präsident Donald Trump wurden spürbar. Ein ganzes Monatsgehalt eines Durchschnittskubaners, das etwa 20 Euro entspricht, musste für Antibiotika aufgewendet werden. Bezahlen musste Meyer in der zweiten kubanischen Währung (Pesos Convatible) in einem Spezialgeschäft für Antibiotika aus Argentinien.

Touristen ausweisen

Nach einigen Tagen erklärte Kubas Präsident Diaz-Canel in einer Fernsehansprache, dass alle 16 000 Touristen bis zum 24. März die Insel verlassen müssen. Wieder war es ein Sonntag, als Meyer auf seinen Flieger wartete. Der 8000 Kilometer weite Rückflug ging am Sonntag, 22. März aus Kuba und sollte über die Nordroute etwa rund zehn Stunden dauern.

Kein Bordservice

An Bord waren auch Italiener und Spanier. Die Bordcrew verzichtete auf den üblichen Bordservice und servierte im Eiltempo ein Lunchpaket mit einem Brötchen und eine Flasche Mineralwasser. „In der übrigen Zeit hielt sich die Crew in der Bordküche auf. Der Flugkapitän machte nach der Landung in Frankfurt deutlich, dass auch der Flugverkehr unter der Corona-Krise leide. Die Turbulenzen bei Condor ziehe der Fluggesellschaft „den Boden unter den Füßen weg“, sagte der Kapitän. Um Kunden weltweit abzuholen, seien die Maschinen und ihre Crews auf dem Hinflug ohne Passagiere unterwegs.

Kein Personal

Dann kam der Frankfurter Flughafen endlich in Sicht, gegen 11.15 Uhr setzte der Flieger auf der Landebahn auf. Erstaunlich sei, befand Meyer, dass in Frankfurt keiner der Passagiere des Flugs „DE 2207“ nach der Landung auf ihren Gesundheitszustand überprüft wurde. „Entsprechendes Personal war weder am Gepäckband noch am Ausgang zu sehen“, so Meyer, der nun hofft, dass die weltweite Epidemie schnellstmöglich zum Stoppen gebracht werden kann. „Damit die Menschen auch auf Kuba wieder in den Alltag zurückfinden und ihre Herzlichkeit, Bescheidenheit und Lebensfreude zurückgewinnen“, betont der passionierte Karibik-Fan.

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