Landkreis Aurich
Altes Wissen

Alte Handwerkskunst

Schüler der BBS 2 Aurich haben in historische Handwerkstechniken hineingeschnuppert.

Aurich. Im Rahmen des Projektes „Vergangenheit hat Zukunft - Perspektive historisches Handwerk“ an der BBS 2 Aurich haben kürzlich die Berufsschüler des Maurer-, Tischler- und Malerhandwerks aus dem dritten Lehrjahr in die Welt der historischen Handwerkstechniken hineingeschnuppert. Der Monumentendienst, der das Projekt an den Berufsschulen im Weser-Ems-Gebiet umsetzt, will damit bei den angehenden Handwerkern einen Impuls setzen, um die Begeisterung und das Verständnis für die Erhaltung von Baudenkmalen positiv zu beeinflussen.

Altes Wissen geht verloren

Durch das Aussterben der historischen Handwerkstechniken wird eine fachgerechte Sanierung der historischen Gebäude immer schwieriger, weil es kaum ausgebildete Handwerker auf diesem Gebiet gibt und das alte Wissen verloren geht. Dieses Problem will der Monumentendienst bei der Wurzel packen und spricht mit dem Projekt „Vergangenheit hat Zukunft - Perspektive historisches Handwerk“ gezielt die Gruppe der Berufsschüler an. Ermöglicht durch das Förderprogramm „ECHY” (European Cultural Heritage Year 2018) des Landes Niedersachsen und des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege vermittelt der Monumentendienst in eintägigen Workshops im Rahmen des normalen Schulunterrichtes in den Bereichen „Historisches Maurerhandwerk“, „Historisches Tischlerhandwerk“ und „Historisches Malerhandwerk“ viel Wissenswertes für die Berufsschüler.

Normalerweise wird während der Ausbildung immer nach vorne auf die neuesten Techniken und DIN Normen geschaut. Der Blick in die Vergangenheit war für die Schüler der BBS Aurich sehr spannend. Anstatt wegzuwerfen und durch Neues zu ersetzen, wurde den Schülern der nachhaltige Umgang mit historischen Baumaterialien vermittelt.

Kalkknotenmörtel anrühren und mit weichgebrannten historischen Steinen einen Bogen mauern, Fensterkitt entfernen und altes, handgefertigtes Glas in ein Jahrhunderte altes Holzfenster einsetzen, Lackreste von uralten Haustüren entfernen und die Türen wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen, Farbe nicht aus dem Eimer nehmen, sondern mit Hilfe von Quark und Eiern selbst anmischen - die Palette der alten Handwerkstechniken ist riesig und inspirierte die jungen Auszubildenden zu der Erkenntnis, welche Vielfalt ihr angestrebter Handwerksberuf noch bieten kann.

Und das ist genau das Ziel, was der Monumentendienst mit dem Projekt erreichen möchte. Zukünftige Fachkräfte mit Praxis für einen Weg zu begeistern, der dringend Nachwuchs braucht. Diese Notwendigkeit unterstrich auch Folkert Busker, Obermeister der Bauhandwerker-Innung, bei seinem Besuch bei den Berufsschülern des Maurerhandwerks. „Restauratoren im Maurerhandwerk gibt es so gut wie keine in Ostfriesland und die historischen Techniken können nur von den alten Meistern oder Altgesellen weitergegeben werden, die irgendwann auch nicht mehr da sind”, stellte Busker fest.

Stefan Eilers, Leiter für Bautechnik an der BBS 2 Aurich, begrüßte das Projekt des Monumentendienstes an seiner Schule. Gemeinsam mit den Fachlehrern betonte er, dass im Lehrplan der Berufsschulen historische Handwerkstechniken nicht vermittelt werden können, weil die Zielrichtung ist, junge Menschen auf die Herausforderungen der moder-nen Bauweise vorzubereiten.

„Wichtig ist aber, dass die jungen Fachkräfte wissen, dass es diese Techniken gegeben hat und dass diese für historische Gebäude immer noch Anwendung finden“, betonte Eilers. Und darüber, dass es bezüglich des Nachwuchses für historische Handwerkstechniken „fünf vor zwölf“ ist, waren sich alle einig. Katharina Duraj, Denkmalpflegerin des Landkreises Aurich, berichtete aus ihren Gesprächen mit verzweifelten Eigentümern, die für die Sanierung ihres denkmalgeschützten Gebäudes keine Handwerker finden. „Und diejenigen, die es könnten, haben die Auftragsbücher auf Jahre gefüllt“, schildert Duraj die aktuelle Situation. „Der Mangel an Handwerkern, die sich mit historischen Handwerkstechniken auskennen, ist erschreckend und bringt den Fortbestand unserer historischen Baukultur in Gefahr“, fasste die Denkmalpflegerin zusammen.

Bente Juhl, Projektleiterin beim Monumentendienst, betonte, dass mit dem Projekt „Vergangenheit hat Zukunft - Perspektive historisches Handwerk“ in einer wichtigen Orientierungsphase ein Impuls gesetzt werden kann, um den Entschluss, sich in der Baudenkmalpflege als Handwerker zu spezialisieren, positiv zu beeinflussen. Somit könnte das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Fortbestand der historischen Baukultur im Weser-Ems-Gebiet leisten.

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