Landkreis Aurich
Förderung für Ostfriesland

350 000 Euro fürs Plattdeutsche

Kulturminister Björn Thümler versprach Förderung beim Oll' Mai. Die Redner beschäftigten sich mit der Moorkolonialisierung.

Von Henning Wieting

Rhauderfehn. Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur hat auf der diesjährigen Oll'-Mai-Veranstaltung nicht nur warme Begrüßungsworte aus Hannover mitgebracht, sondern auch zweckgebundene Gelder. Vor den 250 Gästen aus Politik, Bildung, Kultur und Gesellschaft in der Rhauderfehner Hoffnungskirche sagte Björn Thümler (CDU) zu, dass die plattdeutsche Sprache aus dem Landeshaushalt mit 350 000 Euro in diesem Jahr gefördert werde. Zusätzliche 30 000 Euro gehen als institutionelle Förderung an die Ostfriesische Landschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
30 000 Euro fließen in ihr Projekt „Platt ist cool“.

Der regionalen Kulturpolitik und Kulturförderung komme in dem Flächenland eben eine besondere Bedeutung und Verantwortung zu, sagte der 48-jährige Christdemokrat: „Das Land stellt aus diesem Grund dieses Jahr 5,8 Millionen Euro für die regionale Kulturarbeit zur Verfügung.“

Der CDU-Politiker aus der Wesermarsch war, wie im letzten Jahr, wieder der hochrangige politische Gast, der Grußworte der Landesregierung an die Ostfriesische Landschaft überbrachte: „Wir haben kulturelle Schätze, um die uns die ganze Welt beneidet, wir müssen darüber einfach nur lauter reden.“ Gemeint sind natürlich die Jahrhunderte alten Orgeln – besonders vom Meister Arp Schnittger. Speziell auf dem Land würden Kunst und Kultur als Teil der eigenen Lebenswirklichkeit wahrgenommen. Auch um der Abwanderung junger Menschen in die Städte entgegenzuwirken, seien neben Infrastrukturen und Erwerbsmöglichkeiten vor allem Kulturangebote und kulturelles Ehrenamt nötig. Thümler: „Im Kulturbereich sind Sparmaßnahmen fehl am Platze.“

Bei der Jahresversammlung gab es außerdem noch drei Gastvorträge zur Moorkolonisierung. Die Hoffnungskirche in Westrhauderfehn war dabei als Austragungsort ganz bewusst gewählt worden. So feiert doch die Gemeinde Rhauderfehn mit ihren knapp 18 000 Einwohnern in diesem Jahr ihr 250-jähriges Bestehen. An die Ursprünge der Kolonialisten des Geestdorfs Rhaude vor einem Vierteljahrtausend erinnerte Hermann Schiefer.

Dass die Moorkolonialisation kein rein ostfriesisches Phänomen darstellt, darauf wies der Niederländer Egge Knol hin, Kurator am Groninger Museum. Wer auch immer seine Wurzeln in Ostfriesland auf dem Fehn hat: Deren Urväter und -Mütter haben bei der Urbarmachung der Moorlandschaften zu Lebensraum harte Knochen- und Schweißarbeit Tag für Tag hingelegt. „Teils unter menschenunwürdigen und hygienisch unvorstellbaren Bedingungen“, klärte der ehemalige Referent am Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege im Standort Oldenburg auf.

Weil das Motto des Oll' Mai in der 1848 erbauten Hoffnungskirche „Ostfriesische Fehnkultur: Geschichte, Gegenwart und Zukunft“ lautete, wagte Karl Martin Born von der Universität Vechta auch einen Blick nach vorn. Der ländliche Raum – wie eben die Gemeinde Rhauderfehn – sei keine „Restkategorie“ nach dem Motto: „Alles, was nicht Stadt ist, ist ländlicher Raum“.

In seinem hochinteressanten, allerdings mit zu vielen Fachtermini durchsetzten Vortrag mit dem Arbeitstitel „Über den Umgang mit Herausforderungen in ländlichen Räumen – Regionales Handeln als Antwort?“ wurde allerdings auch deutlich, dass die Grenzen zwischen urbanen und ländlichen Räumen bisweilen verschwimmen.

Wohin sich ein Gebiet entwickelt, hängt von den drei Faktoren „Ressourcen, Prozesse und Akteure“ ab. Landschaftspräsident Rico Mecklenburg zeigte sich am Ende der mehr als zweieinhalbstündigen Veranstaltung sehr angetan von der Qualität der drei Fachvorträge und verteilte die obligatorischen Landschafts-Stoffbeutel mit Präsenten. Diese bekamen auch Hajo Wienroht (Traversflöte), Ute Schildt (Erzlaute) und deren Tochter Marie Wienroth (Oboe d'amore) für ihre klassischen Musikeinlagen. Die Familie lebt in Moormerland.

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