Landkreis Aurich
Kündigungswelle

1500 müssen bei Enercon in Aurich gehen

Update 19.24 Uhr: Enercon macht Bundespolitik für verfehlte Windenergie-Strategie verantwortlich

Von Suntke Pendzich, Ute Lipperheide und Imke Cirksena

Aurich. Der Auricher Windkraftanlagenhersteller Enercon wird insgesamt 3000 seiner Beschäftigten in Deutschland entlassen. Bei Zulieferern und Tochterunternehmen müssen in Aurich und Magdeburg jeweils 1500 Mitarbeiter in den kommenden Monaten gehen. Damit wird die gesamte Rotorblatt-Produktion in Deutschland stillgelegt.

„Wir verabschieden uns von solchen personalintensiven Produktionen in Deutschland. Die rechnen sich nicht mehr, weil uns hier der Markt aufgrund der politischen Rahmensetzung im Bund weggebrochen ist”, sagte Enercon-Pressesprecher Felix Rehwald auf Anfrage der Emder Zeitung.

Die Mitarbeiter der betroffenen Unternehmen in Aurich und Magdeburg wurden gestern in außerordentlichen Betriebsversammlungen informiert. Als vorgestern die Einladung rausging, gab es bereits Spekulationen über einen Stellenabbau. Bis zu 1200 Arbeitsplätze sollten demnach in Aurich verloren gehen (wir berichteten). Dass die Zahl jetzt noch höher ist, schockierte gestern nicht nur die betroffenen Familien, sondern auch Vertreter der Politik. Immer wieder wurde von „Katastrophe” gesprochen.

„Von Schuldzuweisungen haben wir jetzt aber gar nichts. Wir müssen alle gemeinsam sehen, ob Bund, Land und Region, dass wir die Windkraftbranche in Deutschland und der Region behalten. Eine Energiewende mit Windrädern aus China, das darf es nicht geben”, sagte der Auricher Landtagsabgeordnete Wiard Siebels auf Anfrage.

Das einstige deutsche Vorzeigeunternehmen steht vor erheblichen Umstrukturierungen, bestätigte Rehwald. Der Vorteil Enercons, den deutschen Markt zu beliefern, ist entfallen. Die Absatzzahlen sind dramatisch zurückgegangen. Wurden 2017 noch 711 Anlagen in Deutschland errichtet, so waren es in diesem Jahr lediglich 65. Rehwald: „Auch in unserem Konzern sind nicht alle Entscheidungen zielführend gewesen. Wir müssen uns in allen Bereichen neu ausrichten, sonst sind wir nicht mehr wettbewerbs- und zukunftsfähig.”

Erstmeldung vom Nachmittag:

Der Windkraftanlagenhersteller Enercon baut massiv Stellen ab. Alleine am Standort Aurich wurden am Freitag bei außerplanmäßigen Belegschaftsversammlungen in den Zuliefererbetrieben Hunderte Mitarbeiter über ihre Kündigung informiert. Bundesweit entlässt Enercon nach EZ-Informationen offenbar rund 3000 Menschen. Rund die Hälfte der Entlassungen betreffen Ostfriesland.

„Wir gehen davon aus, dass unsere Neuausrichtung innerhalb der Windindustrie in Gänze eine Betroffenheit von mehreren Tausend Arbeitsplätzen auslösen wird - bei Enercon selbst, bei Produktionspartnern, nachgeordneten Zulieferern sowie bei regionalen Zeitarbeitsfirmen“, sagte der Chef der Enercon-Geschäftsleitung, Hans-Dieter Kettwig. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die Energiepolitik der Bundesregierung, die zu einem Einbruch des Markts für Windenergie an Land geführt habe. „Die aktuelle Energie- und Klimapolitik gefährdet nicht nur über Jahre aufgebautes Know-how und Arbeitsplätze in unserer Branche, sondern auch den Klimaschutz und die Energiewende insgesamt“, sagte Kettwig. Das Marktvolumen habe sich 2019 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 90 Prozent reduziert. „Nach Vorlage des Klimaschutzpakets der Bundesregierung wird klar, dass die Probleme für uns sogar noch größer werden.“

Die Belegschaft der Rotorblattoberfläche GmbH (RBO) wurde zu einer verpflichtenden Versammlung am Freitagnachmittag eingeladen, erzählte ein Mitarbeiter. "Danach sind wir alle nach Hause geschickt worden." Die Stimmung sei drückend gewesen. Man habe die Kündigungen zum 31. März stillschweigend hingenommen.

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