Meinung
Thema: Lummen-Sterben

Zu einfach gerechnet

Nachdem an Niedersachsens Küste verendete Trottellummen gefunden worden sind, wurde die Haverie der "MSC Zoe" schnell dafür verantwortlich gemacht. Doch die Ursachen für das Vogelsterben sind weitaus komplexer. Ein Kommentar von Axel Milkert.

Anders als das Gefieder der Trottellummen ist das Leben selten schwarz-weiß. Das gilt auch dann, wenn es darum geht, die Ursache für das massenhafte Sterben dieser Vögel an der Nordseeküste herauszufinden. Die erste gedankliche Verknüpfung, die manche Menschen in solchen Fällen schnell parat haben, ist oft nicht die richtige.

Zu schnell geisterte durch die Medien, dass womöglich die Havarie des Containerschiffs „MSC Zoe” ursächlich für die vermeintliche Umweltkatastrophe verantwortlich sein könnte. Inzwischen steht fest: Untersuchte Tierkadaver weisen keine Fremdkörper im Magen auf, sie sind offenbar schlecht ernährt (Seite 1).

Es geschieht in der Tat einiges, was unseren Meeren und den dort lebenden Tieren und Pflanzen schadet. Meeresverschmutzung - längst nicht nur durch Mikroplastik - ist allgegenwärtig. Doch die Rechnung „Trottellummen + treibende Containerfracht = tote Vögel” ist zu einfach. Die Zusammenhänge in der Natur sind meist wesentlich komplexer, als dass sie per Milchmädchenrechnung zu erklären wären.

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