Meinung

Von Gruselfiguren und falschen Nachrichten

Nicht nur Kinder und Jugendliche teilen online besonders schnell das, was gruselig oder bedrohlich erscheint - auch Erwachsene können das leider ziemlich gut. Ein Kommentar von Suntke Pendzich

Momo ist zurück. Nein, nicht der Roman von Michael Ende, sondern ein morbides Internetphänomen, das nach Kettenbrief-Art derzeit im Internet wieder vor allem Kinder verschreckt. Klar dürfte sein, dass Momo ähnlich wie unzählige andere Phänomene dieser Art bald wieder in der Versenkung verschwunden sein wird. Was bleiben wird, sind allerdings die Mechanismen, die zu der Verbreitung führen. Und die findet man nicht nur auf Schulhöfen. Denn nicht nur Kinder und Jugendliche teilen besonders schnell das, was gruselig oder bedrohlich erscheint - auch Erwachsene können das leider ziemlich gut. Das ist bei so manchen unvollständigen oder falschen Nachrichten zu beobachten, die mehr oder weniger unaufhaltsam immer wieder geteilt werden - wer mag, kann auch "Fake-News" sagen.

Seit zwei Monaten geistert etwa die Nachricht durchs Netz, dass Ostfriesland bis 2050 untergegangen sein wird. In den Artikeln wird oft entweder gar nicht oder nur am Rande erwähnt, dass die Studie, aus der diese Nachricht entspringt, für Nordwesteuropa kaum aussagekräftig ist. Denn dass es rund um Ostfriesland Deiche gibt, hat für die Untersuchungen der Forscher schlicht keine Rolle gespielt.

Obgleich der Meeresspiegelanstieg natürlich eine beunruhigende Tatsache ist, wird Ostfriesland also nicht bis 2050 untergehen. Die Entwarnung spricht sich nur leider deutlich langsamer herum, als das Schreckensszenario zuvor.

Wer also heute seinen Kindern erklärt, dass Momo nur ein böser Streich ist und man nicht alles ungeprüft glauben und teilen sollte, was so per WhatsApp, Facebook & Co. rein kommt, der sollte überlegen, wann er das selbst zuletzt getan hat. Denn davon freisprechen kann sich wohl kaum jemand, darauf achten allerdings jeder.

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