Meinung
Tierschutz und Wirtschaftlichkeit

Kükentöten: Enttäuschendes Urteil

Am Donnerstag entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, dass das Töten von männlichen Küken zwar nicht mit dem Tierschutz vereinbar ist, erst einmal aber weiterhin geduldet wird - ein Widerspruch. Ein Kommentar von Suntke Pendzich

Dass pro Jahr Millionen männliche Küken in der Legehennenzucht kurz nach dem Schlüpfen vergast oder in sogenannten Kükenmusern zermatscht werden, ist nicht mit dem Tierschutz vereinbar. Wirtschaftliche Interessen der Brutbetriebe seien kein „vernünftiger Grund”, der laut Tierschutzgesetz gegeben sein muss, wenn ein Tier getötet wird. Zu diesem Schluss ist gestern das Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig gekommen - und er ist absolut richtig. Hätten die Richter anders entschieden, hätte in Zukunft vermutlich auch jeder Katzenbesitzer seine Mauzi in den Gartenhäcksler schmeißen dürfen, wenn ihm das Futter zu teuer wird.

Umso erstaunlicher ist, dass das Gericht, trotz des eindeutigen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, die Praxis weiterhin duldet, da ein sofortiges Ende des Kükentötens den Brütereien nicht zuzumuten sei. Warum nicht? Natürlich aus wirtschaftlichen Gründen! Das Bundesverwaltungsgericht widerspricht sich in seiner Urteilsbegründung selbst. Zwar sind Verfahren zur Geschlechtsbestimmung noch im Hühnerei kurz vor der Marktreife. Bis diese verfügbar sind, darf der gestern festgestellte Rechtsbruch aber munter weiter gehen, mit dem höchstrichterlichen Segen aus Leipzig. Ein enttäuschendes Urteil!

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