Meinung
Elektromobilität

Handeln wirkt wenig zielorientiert

Die Pläne für das Werk von Volkswagen in Emden haben sich verändert. Die gesamte Branche steht vor ihrer größten Herausforderung. Ein Kommentar von Ute Lipperheide.

Der Elektro-Kleinwagen von VW wird nicht im Emder Werk gebaut, entgegen allen vorherigen Versprechungen. Stattdessen soll ein SUV gefertigt werden, der eine „größere” Fertigungstiefe habe. Ob diese für das Emder Werk überraschende Konzernentscheidung sich positiv oder negativ auswirken wird, kann derzeit niemand wirklich beurteilen. Eines wird aber deutlich: Das Handeln des deutschen Autobauers wirkt wenig zielorientiert und trägt damit zu einer großen Verunsicherung bei, ob in der Belegschaft oder bei den Zulieferern.

Ging vor einigen Monaten noch ein Aufatmen durch die Emder Fabrik, weil jeder davon ausging, der „Volk-Elektrowagen”mit dem Namen „Entry” werde - wie einst das Einstiegsauto „Käfer” - hier vom Band laufen, soll jetzt ein Modell in 2022 gefertigt werden, für das es noch keinen Namen gibt. Auch in der Fabrik selbst ist noch nichts von einer Umrüstung auf die E-Mobilität zu sehen. Wer alleine den Aufwand verfolgt hat, den es bisher beim Modellwechsel von Autos mit Verbrennungsmotoren gegeben hat, den wundert es, wie wenig sich jetzt sichtbar verändert. Die Skepsis mag unbegründet sein, doch sie ist da.

Die gesamte Branche steht vor ihrer größten Herausforderung. Keiner weiß, wie Elektromobilität wirklich funktionieren wird, welche Batteriesysteme sich durchsetzen werden, inwieweit die Brennstoffzellentechnik umgesetzt und Hybridtechnik weiter genutzt wird oder es ein großer Mix aus allem - inklusive Verbrennungsmotoren - wird. Diese unbeantworteten Fragen verunsichern auch den Verbraucher. Und deshalb war der Vorstoß, den „Entry” in Emden zu bauen, ein Stück Stabilität für die Emder Fabrik im Wandel. Solange die Reichweiten von E-Fahrzeugen nicht mit denen von Verbrennungsmotoren mithalten können, sind es der Zweitwagen, der für die kurzen Strecken genutzt wird, oder das günstige Einsteigerauto, die als E-Autos angeschafft werden. Im „Entry” wurde eine große Chance für den Emder Standort gesehen, zu Recht. Es steht nämlich zu befürchten, dass der Markt für Spaß-Autos wie SUVs enger wird. Vor allem wenn individuelles Autofahren wieder darauf reduziert wird, von einem Ziel zum anderen zu gelangen, weil es keine andere Möglichkeit gibt.

Die Emder Autobauer sind erneut verunsichert worden, trotz der Beschäftigungsgarantie bis 2028. Schon die Dieselkrise erschütterte die Branche tief. Jetzt wird auf neue Antriebe gesetzt. Das ist richtig, aber bitte: Wo bleibt die Weitsicht? Die Manager kannten auch vor einigen Monaten, als der Wechsel verkündet wurde, die Lohnstruktur im Emder Werk. Darum wirkt es so wenig professionell, wenn drei Jahre vor Baustart deswegen in die Slowakei ausgewichen werden soll. Solche Schlingerkurse bauen kein Vertrauen auf. Aber genau das braucht VW.

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der Emder Zeitung vom 18. Mai sowie im ePaper für Apple und Andoid.

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