Meinung
Seehofer gegen Gamer

Gamer unter Generalverdacht

Horst Seehofer hat nach dem Attentat in Halle angekündigt, die Gamerszene nun stärker in den Blick zu nehmen - eine fragwürdige Debatte. Ein Kommentar von Suntke Pendzich

Man hatte schon gedacht, er sei endgültig aus der politischen Debatte verschwunden, doch jetzt ist er wieder zurück: der Killerspiele-Reflex. So als würde er aus den 1990er-Jahren anrufen, hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nach dem schrecklichen Attentat in Halle angekündigt, die Gamerszene nun stärker in den Blick zu nehmen.

Diese Debatte war bereits zur Jahrtausendwende fragwürdig, als mit dem Begriff „Gamerszene” tatsächlich noch ein vergleichsweise kleiner Kreis innerhalb der Jugendkultur umrissen werden konnte. Im Jahr 2019 ist Gaming allerdings längst ein Massenphänomen und Begriffe oder Szenen aus Videospielen sind heute Teil der Popkultur, wie es früher nur Filmzitate oder Songtexte waren.

Natürlich gehörte der Mörder von Halle zur Gamerszene, genauso wie die große Mehrzahl aller Deutschen unter 30 Jahren. Stehen sie jetzt alle unter Generalverdacht? Anstatt den Blick endlich auf rechtsextreme Netzwerke und den Rechtsextremismus im Alltag zu werfen, der viel zu oft übersehen oder totgeschwiegen wird, zündet der Innenminister eine peinliche Nebelkerze.

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