Meinung
EZ-Kommentar

Die deutsche Streitkultur ist schädlich

Der Inhalt wird in den Hintergrund gerückt, Beleidigungen und Polemik nehmen zu - im wahren Leben und bei Internet-Debatten. Ein Kommentar von Lars Möller

„Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist keine.” Helmut Schmidt, der der Urheber dieses Zitats ist, galt als jemand, der leidenschaftlich gern debattierte. Ob er sich 2019 noch mit der gleichen Begeisterung eingemischt hätte?

Um die Streitkultur in Deutschland scheint es vier Jahre nach dem Tod des berühmten SPD-Politikers nicht besonders gut bestellt. Immer hysterischer und hektischer werden die Debatten geführt - insbesondere natürlich auf den digitalen Kanälen. Der inhaltliche Streit in der Sache ist in den Hintergrund gerückt, Beleidigungen und Polemik sind die Argumente von heute. Und die digitale Debatte geht nicht spurlos an der realen Welt vorbei. Immer häufiger beobachten wir, wie ein vernünftiger Diskurs unterbunden wird. Umstrittene Uni-Professoren werden an Vorlesungen gehindert, Politiker beschimpft, wenn sie die Hundesteuer erhöhen wollen, Drohbriefe verschickt, wenn man vermeintliches Unrecht wittert. Von rechts wie von links, von Klimaschützern wie von Klimagegnern, von Tierrechtsaktivisten wie von bekennenden Fleischessern, von allen möglichen Streitparteien wird die eigene Meinung wahlweise als moralisch überlegen dargestellt, oder die des anderen als Blödsinn abgetan. Das Hinterfragen des eigenen Standpunktes, das In-Erwägung-Ziehen, dass der Andere ein Argument haben könnte, das angebracht ist, kommt viel zu kurz. Das ist ein Streit, der der Demokratie schadet - weil er zu keinem Ergebnis führt, sondern nur verhärtete Fronten zurücklässt.

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