Was ist an den Grünen überhaupt noch grün?

Einstimmig war der Beschluss, das Emder Baugebiet in Emden zu entwickeln. Einstimmig hat man dem Investor freie Hand gegeben, entweder einen oder keinen oder 40 Bäume zu fällen. Ein Kommentar von Stefan Bergmann.

Auf dieser Fläche in Petkum soll gebaut werden. Foto: Stefan Bergmann

Dass die Stadtverwaltung - aus Versehen - nicht alle betroffenen Bürger zur Info-Veranstaltung für das neue Baugebiet „Zum Bind” eingeladen hat: geschenkt. Kann passieren, wurde korrigiert. Doch diese Feinheit täuscht über die eigentliche Sache hinweg, die dieses Baugebiet zu einem Lehrstück darüber macht, ob ein Stadtrat eigentlich seiner Kontroll- und Regelfunktion nachkommt.

Einstimmig war der Beschluss, das Baugebiet zu entwickeln. Einstimmig hat man dem Investor freie Hand gegeben, entweder einen oder keinen oder 40 Bäume zu fällen, um die Straße „Zum Bind” tauglich für den Baustellenverkehr zu machen - und auch hernach für den ganz normalen Autoverkehr in Richtung neues Baugebiet. Damit hat der Rat seine Richtlinienkompetenz freiwillig abgegeben anstatt mitzubestimmen. Der Plan des Investors, drei Kanäle anzulegen, die jegliche andere Lösungen verhindern, wurde widerspruchslos hingenommen. Selbst die Grünen - natürlich in der Zwickmühle - stimmten gegen die Bäume und für die Versiegelung. Letzteres mussten sie als Kröte schlucken, um endlich neuen Wohnraum in Emden zu schaffen. Ersteres widerspruchslos hinzunehmen, nicht nach Alternativen zu suchen, den Investor nicht zu zwingen, einen Plan B vorzulegen - damit verwässern die Grünen in Emden ihren Markenkern. Was ist an den Grünen noch grün?

Und auch das Emder Bündnis für Baumschutz - wo ist es? Leserbriefe gibt es nur, nachdem irgendwo ein Baum gefällt wurde. Wie wäre es mal, sich vorher konstruktiv einzumischen?

28.06.2018, 14:55 Uhr
Über den Autor
Stefan Bergmann Chefredakteur bei der EZ seit: 2014