War die Freilassung ein schmutziger Deal?

Die Freilassung von Deniz Yücel hat in Deutschland Erleichterung und Freude ausgelöst. Der Journalist selbst aber spricht auch von Bitterkeit. Und zeigt damit, wie steinig der Weg zu einer Normalisierung der Beziehungen zur Türkei noch ist. Ein Kommentar von Stefan Bergmann.

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel und seine Frau Dilek nach Yücels Freilassung aus dem Gefängnis. Der "Welt"-Korrespondent Yücel ist nach einem Jahr Haft in einem türkischen Gefängnis frei. Die Freilassung Yücels wurde von einem Gericht angeordnet, nachdem die türkische Staatsanwaltschaft die Anklageschrift vorgelegt hatte. Foto: Can Erok

Noch immer sitzen 150 Journalisten in der Türkei in Haft, weil sie ihre Meinung geschrieben haben. Sechs weitere wurden gestern zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Sie alle haben das Pech, dass sie nicht so prominent sind wie Deniz Yücel, der Reporter der mächtigen „Welt” im mächtigen Deutschland. Yücel selbst hatte immer gesagt, dass er nicht aufgrund eines „schmutzigen Deals” freikommen will. Und doch scheint es so passiert zu sein. Immer wieder betont der türkische Präsident Erdogan, dass seine Justiz unabhängig sei. Was aber nutzt eine unabhängige Justiz, wenn sie Menschen, die ihre Meinung sagen, hinter Gitter bringt? Wie unabhängig ist sie zudem wirklich, wenn offenbar deutsch-türkische Rüstungsdeals den Weg zur Freilassung Yücels geebnet hat - was auch die Grünen nicht ganz zu unrecht vermuten. Die Türkei ist zu einem totalitären Staat geworden, der für Geld, Macht und Panzer alles tut und Menschen als Geiseln nimmt.

Zur Einordnung: Für diesen Kommentar würde der Autor in der Türkei vermutlich ins Gefängnis wandern. Vielleicht sogar lebenslänglich.

17.02.2018, 16:56 Uhr
Über den Autor
Stefan Bergmann Chefredakteur bei der EZ seit: 2014