Kurden werden im Stich gelassen

Fünf teils vermummte pro-kurdische Demonstranten haben die Berliner Regierungs-Pressekonferenz unterbrochen. Sie riefen am Montag zu Beginn der Konferenz "Deutsche Panzer raus aus Kurdistan" und "Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt". Ein Kommentar von Marten Klose.

In den vergangenen Tagen wurde unter anderem in Köln und Berlin gegen Waffenlieferungen in die Türkei protestiert. Foto: Boris Roessler

Pro-kurdische Demonstranten haben gestern für Aufregung bei der Bundespressekonferenz gesorgt. Die Aktivisten entrollten Plakate und forderten die Bundesregierung zum Stopp von Waffenlieferungen an die Türkei auf. Die Aktion muss man scharf kritisieren, zumal die Gruppe auch noch vermummt auftrat. Trotzdem: Wut und Verzweiflung der Kurden sind nachvollziehbar.

Denn wieder einmal werden die Kurden von der Weltgemeinschaft schmählich im Stich gelassen. Solange sie nützlich waren, etwa im Kampf gegen den IS, wurden sie hofiert. Nun, wo sie ihre Schuldigkeit getan haben, werden sie wie eine heiße Kartoffel fallengelassen. Jetzt schaut die Welt tatenlos zu, wie Nato-Mitglied Türkei Bomben über den Kurdengebieten abwirft. Auch auf dem Landweg rücken Erdogans Truppen vor - mit deutschen Panzern. Das Fatale daran: Die Kurden haben keinen Bündnispartner, der ihnen zur Seite steht. Im Gegenteil: Sie sind - und das schon seit Ewigkeiten - Spielball der großen Politik. Gelöst werden kann das nur durch einen eigenen Kurdenstaat. Doch der ist ferner denn je.

30.01.2018, 13:45 Uhr
Über den Autor
Marten Klose Redakteur Lokales bei der EZ seit: 2010
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