ESC: Hoffnung auf Punkte im dreistelligen Bereich

Am Samstag steigt die große Eurovision-Sause. In diesem Jahr kann man hoffen, dass Michael Schulte wenigstens Punkte im dreistelligen Bereich holt. Ein Kommentar von EZ-Chefredakteur Stefan Bergmann.

Für Deutschland startet Michael Schulte beim diesjährigen ESC. Foto: Jörg Carstensen

Die einen hassen ihn als belangloseste Show der Welt, die anderen lieben ihn und veranstalten ganze Partys im eigenen Wohnzimmer: Der Eurovision Song Contest, auf gut deutsch: Europas Lieder-Wettbewerb. Nach Deutschlands durchaus durchwachsener Bilanz der vergangenen Jahre kann man dieses Jahr hoffen, dass Michael Schulte mit seiner eingängigen Ballade wenigstens Punkte im dreistelligen Bereich holt (nach 6, 11, keinem und 39 Punkten in den vergangenen Jahren). Weshalb Deutschland seit acht Jahren nur musikalische Eintagsfliegen zum europäischen Wettbewerb schickt, bleibt wohl der Geheimnis der durchindustrialisierten Musikbranche.

Seinen kleinen Skandal hat der ESC in diesem Jahr auch. Während Conchita Wurst alias Thomas Neuwirth 2014 als „Frau” mit Bart offenbar noch tragbar war, sind es die beiden Jungs, die im aktuellen irischen Song „True Love” Händchen-haltend über die Bühne tanzen, wohl nicht mehr. China schnitt den Song bei einer der Übertragung des ersten Halbfinales heraus. Zu subversiv und volksschädigend waren die augenscheinlich schwulen Männer. Ebenfalls von China zensiert: Der albanische Beitrag. Der ungeheuerliche Vorwurf: Der Sänger hat zu viele Tattoos. Die ESC-Organisation reagierte prompt und untersagte China die Ausstrahlung des Finales. Die richtige Entscheidung. Technologisch mag China im 21. Jahrhundert angekommen zu sein. Moralisch ist man dagegen offenbar im Mittelalter verharrt. China: zéro points.

12.05.2018, 19:03 Uhr
Über den Autor
Stefan Bergmann Chefredakteur bei der EZ seit: 2014