Der Lehrermangel ist kein Wunder

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung sieht einen drastische Unterbesetzung von Lehrern an Grundschulen voraus. Viele Fachkräfte sich zudem als überlastet. Die ersten klagen bereits wegen überhöhter Arbeitszeiten. Ein Kommentar von Stefan Bergmann.

Ende 2017 war rund jede zehnte Leitungsstelle an Grundschulen in Deutschland unbesetzt. Foto: David-Wolfgang Ebener

Man kann ja darüber streiten, ob Lehrer verbeamtet sein müssen, ob sie zuviel verdienen. Ob sie zu lange Ferien haben und nachmittags immer frei. Fakt ist: Lebten Lehrer im Paradies, dann dürfte es wohl kaum einen Mangel an ihnen geben (Seite 12). Doch gerade in den Grundschulen ist das der Fall. Während ein altgedienter Gymnasiallehrer (Besoldungsgruppe A15) auch schon mal 6000 Euro brutto mit nach Hause bringt, müssen gleich alte Grundschullehrer mit einem Tausender weniger auskommen. Wie kommt es, das Grundschullehrer dem Staat offenbar so viel weniger wert sind als Gymnasiallehrer? An der einfacheren Aufgabe kann es ja wohl nicht liegen. Was die Grundschule pädagogisch verbockt, ist meistens kaum noch zu richten. Hinzu kommt das öffentliche Ansehen. Herr Studienrat wird geachtet, Frau Grundschullehrerin oft als bessere Babysitterin gesehen. Noch schlimmer wird es, wenn Grundschullehrer Führungsaufgaben übernehmen. Für ein paar Kröten mehr wächst die Arbeitszeit bis in die Nacht. Niemand muss sich wundern, dass dem Staat unter diesen Umständen die Lehrer wegbleiben.

01.02.2018, 16:08 Uhr
Über den Autor
Stefan Bergmann Chefredakteur bei der EZ seit: 2014