Das Vertrauen ist in Gefahr

Ein Polizist schießt im Emder Kulturbunker auf einen Asylsuchenden und erst nach Stunden gibt es erste dürre Informationen zu dem Vorfall. Ein Kommentar von EZ-Chefredakteur Stefan Bergmann zur Informationspolitik der Polizei

Wurde zum Tatort: Der Kulturbunker blieb gestern den ganzen Tag geschlossen. Foto: Marten Klose

Am Morgen schießt ein Polizist auf einen Flüchtling im Kulturbunker. Weitere Beamte marschieren auf, der Bunker wird den ganzen Tag lang gesperrt. Die Reaktion der Polizei auf Presseanfragen: Schweigen. Ein zugesagter Rückruf der Pressestelle erfolgt nicht. Die Stadtspitze: Stundenlang nicht erreichbar. Anrufe bei den Polizeichefs: Ohne Erfolg. Keine Auskunft. Die Staatsanwaltschaft in Aurich: Muss sich erst schlaumachen, bei der Polizei. Erst nach sieben Stunden gibt die Staatsanwaltschaft dann die erste dürre Information, verschweigt aber, dass es sich beim Täter um einen Flüchtling handelt, der abgeschoben werden sollte. Wann der Schuss gefallen ist? Weiß man nicht. Wie es sich genau zugetragen hat: Weiß man nicht. Wer soll das glauben?

Oftmals klagt die Polizei über schwindendes Vertrauen der Bürger in ihre Arbeit. Wenn Polizei und Staatsanwaltschaft aber einen ganzen Tag lang den Schusswaffengebrauch eines ihrer Beamten vertuschen - und dabei selbst die Auskunftspflicht gegenüber Journalisten missachten: Wie, bitte, soll man als Bürger da noch Vertrauen haben?

04.07.2018, 11:38 Uhr
Über den Autor
Stefan Bergmann Chefredakteur bei der EZ seit: 2014