Das Erinnern ist wertvoller denn je

Die 94-jährige Holocaust-Überlebende Erna de Vries berichtet am Dienstag über ihre Zeit im Konzentrationslager Auschwitz. Sie hatte ihre Mutter versprochen der Nachwelt zu erzählen, wie es dort zu ging. Dies tut sie noch immer. Ein Kommentar von Anja Kleykamp.

  • Alle Stühle waren gefüllt, als Erna de Vries anfing zu erzählen. Foto: Eric Hasseler (1/2)
  • Ihr lauschten zahlreiche JAG-Schüler: Holocaust-Überlebende Erna de Vries. Foto: Eric Hasseler (2/2)

Die Holocaust-Überlebende Erna de Vries hat gestern im Johannes-Althusius-Gymnasium aus ihrem Leben berichtet. Es ist der 94-Jährigen hoch anzurechnen, dass sie es noch immer als ihren Auftrag ansieht, heutigen Generationen von der Zeit des Nationalsozialismus zu berichten. Einige wehren ab und fragen, ob andere Unterrichtsinhalte nicht wichtiger seien. Haben die Schüler das alles nicht schon oft genug gehört? Nein, haben sie nicht. Im Gegenteil - sie können froh sein, das Glück zu haben, einen der letzten authentischen Zeitzeugen-Berichte verfolgen zu dürfen. Wahrscheinlich nie wieder bietet sich ihnen die Gelegenheit, jemandem Fragen zu stellen, der das Vernichtungslager Auschwitz überlebt hat. Unweigerlich müssen wir schon jetzt überlegen, wie wir mit dem Zeugnis, das Überlebende wie de Vries abgelegt haben, in Zukunft umgehen werden. Wie wertvoll ein authentischer Bericht ist, merken wir oft erst, wenn wir selbst daran teilhaben dürfen. Ein Text im Geschichtsbuch, und sei er auch von einem Zeitzeugen, ist etwas ganz anderes. Es fehlt das Zittern in der Stimme.

31.01.2018, 16:44 Uhr
Über die Autorin
Anja Kleykamp Volontärin Redaktion bei der EZ seit: 2016-2018
Telefon: 04921-8900421