Das Dilemma

Vier Monate nach der Bundestagswahl hat die SPD gestern Nachmittag mit knapper Mehrheit den Weg zu Koalitionsverhandlungen mit der Union frei gemacht. Die älteste deutsche Volkspartei steht vor einem Dilemma.  Ein Kommentar von Ute Lipperheide.

Die SPD machte den Weg zu Koalitionsverhandlungen frei. Foto: Andreas Arnold

Wollen, müssen, können? Welchen Weg wird die SPD einschlagen? Oder ist mit dem Parteitag - auf dem beschlossen wurde, in Koalitionsverhandlungen mit der Union einzutreten - schon der Drops gelutscht? Diese Fragen müssen demnächst beantwortet werden. Einen Vorgeschmack darauf, wie schwer sich die Sozialdemokraten mit ihrer noch ausstehenden Entscheidung tun werden, gab es während des Parteitages.

Die älteste deutsche Volkspartei steht vor einem Dilemma. Nicht nur, dass ihr die Wähler abhandenkommen, sondern es wird - egal wie die Entscheidung zur GroKo ausfällt - Kritik von allen Seiten hageln. Bei den Mitgliedern kommt schlecht an, wenn sozialdemokratische Ziele vernachlässigt werden, um eine Einigung zu ermöglichen, und viele Wähler wären enttäuscht, wenn eine Regierungsbildung an der SPD scheitern würde. Um es plakativ auszudrücken: Der Karren steckt im Dreck, und nun soll das schwächste Pferd angespannt werden, um alles zu richten. Die Union ist damit fein raus, denn scheitert eine Regierungsbildung am Votum der SPD-Basis, wird ihr dies sicherlich nicht angekreidet.

22.01.2018, 14:58 Uhr
Über die Autorin
Ute Lipperheide Redakteurin Lokales bei der EZ seit: 1993
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