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Sich aufgeben ist in Borssum verboten

Volleyball-Regionalliga: BW Borssum - SG Karlshöfen-Gnarrenburg 3:2 (25:20, 17:25, 24:26, 25:20, 15:12). Von EZ-Redakteur JÖRG-VOLKER KAHLE Tel. 0 49 21 / 89 00 440

Emden. Mehr kann man als Zuschauer kaum verlangen: Über zwei Stunden voller Spannung und Dramatik, mit Tempo, Spielwitz und Fehlgriffen, gewürzt mit einerseits Jubelschreien der Erleichterung, anderseits Seufzern der Enttäuschung, angeheizt von Fan-Trommeln, Sprechchören (Puuuuunkten - zwei noch!) und Disco-Fanfaren aus den Lautsprechern. Und am Ende darf das lautstarke Heimpublikum auch noch die Heimmannschaft als Gewinnerinnen feiern, obwohl es zwischenzeitlich nicht unbedingt danach aussah. So war es am Sonnabendabend beim dritten Regionalliga-Heimspiel der Borssumerinnen.

Die Gastgeberinnen, die mit dem Rückenwind von drei hintereinander gewonnenen Spielen aufliefen, erwischten allerdings nicht ihren besten Tag. Vieles klappte nicht so wie es sollte bei den Blau-Weißen. Die Gegnerinnen, in Borssum nicht gerade heiß und innig geliebt, hatten sich sehr gut auf Kapitänin Christina Hempel und ihr Team eingestellt und ließen die Emderinnen nicht so zum Zuge kommen, wie die das wollten.

Dass am Ende die zwei Siegpunkte doch auf das Borssumer Konto gut geschrieben wurden, zeigt für das Trainergespann Lothar Laerum / Jan Junker eine der große Qualitäten des sieben Mal in Serie aufgestiegenen Teams. ”Ich bin stolz auf diese Mannschaft. Sie hat es geschafft, ein Spiel, in dem es nicht gut gelaufen ist, über Kampf und Willen umzudrehen”, stellte Laerum nach den ersten Ovationen durch das Publikum fest. Es sei wohl das bisher schlechteste Spiel in dieser Saison gewesen, analysierte er. Dass es doch noch nach Hause gebracht wurde, birgt für ihn eine klare Erkenntnis: ”Wir haben gezeigt, dass wir in dieser Liga dazu gehören.”

In der Tat waren es zwei bis drei Stellen in dem Spiel, in dem andere Mannschaften sich vielleicht ihrem Schicksal gefügt und beizeiten hingenommen hätten, dass es auch verlorenen Spiele gibt. Nicht so die Borssumerinnen: Der am Ende nach je zwei Gewinnsätzen fällige Tie-Break alleine wäre Beleg genug dafür. Die Borssumerinnen traten hier nicht auf wie ein Team, das zuvor manchen Dämpfer wegstecken musste, sondern wie diejenigen, denen der Sieg zusteht. Und als dieser mit schneller 5:0-Führung untermauerte Anspruch wieder ins Wanken kam und die Gegnerinnen kurzzeitig in Führung (6:7, 7:8) gingen, war bei den Borssumerinnen wieder Aufbäumen statt Aufgeben zu beobachten.

Schon zuvor gab es aber sehenswerte Beweise dafür, dass das Sich-Aufgeben in Borssum offensichtlich verboten ist. Als es nach dem ziemlich verkorksten zweiten Satz, der ziemlich eindeutig mit 25:17 an die Gäste ging, auch im dritten Satz so weiter zu gehen schien, kam schon einmal das Borssumer Aufbäumen zum Tragen. 17:11 führten die jungen Frauen aus der Doppelnamen-Spielgemeinschaft, zu deren Einzugsbereich so schöne Orte wie Neu-Kuhstedt gehören, schon wieder. ”Das wird wohl nichts heute”, stellten die ersten Zuschauer fest. Doch sie lagen zunächst nicht richtig. Borssum holte auf, glich aus, ging sogar in Führung und hatte bei 24:22 sogar zwei Satzbälle. Doch auch die Volleyballgemeinschaft Kullik (vier der Gnarrenburgerinnen tragen diesen Familiennamen) gaben nicht auf, wehrten die beiden Satzbälle ab und brachten den Satz noch mit 26:24 nach Hause.

Zurückgekommen, nachdem sie eigentlich schon am Boden waren - und doch wieder ein Dämpfer bekommen - das reichte noch immer nicht, um die Borssumer Moral zu brechen. Im Gegenteil - es schien ihre Kämpferinnenherzen noch einmal richtig in Schwung zu bringen. Der vierte Satz war nämlich der erste, der mit einer Borssumer Führung begonnen hatte.

Die Stammzuschauer wissen allerdings auch, dass es nicht zu glatt gehen darf. Gnarrenburg kam noch einmal heran, glich zum 4:4 aus, ging sogar 4:5, 5:6 und 6:7 in Führung. Erst als die Borssumerinnen sich dann eine 11:8-Führung erspielt hatten, kam ein bisschen mehr Sicherheit ins Spiel. Bis zum 25:20-Satzball, der den 2:2-Ausgleich nach Sätzen bedeutete, gab Borssum die Führung nicht mehr aus der Hand.

Warum aber machten es Serien-Aufsteigerinnen sich und ihren Fans so schwer? Ohne Zweifel hat der Gegner seinen Teil dazu beigetragen, beide Teams kennen sich bereits seit der Verbandsliga. Seitdem werden sie sich als Gegnerinnen nicht los. Und ganz offensichtlich kannten sie die Stärken der langen dun sprungstarken Borssumer Mittelangreiferinnen Anika Knoop und Nina Deepen nur zu gut. Denn in der Mitte gab es für Borssum nicht viel zu gewinnen. Wenn eine der beiden überhaupt für einen Angriff in Szene gesetzt werden konnten, hielt der Gnarrenburger Block diesem nicht selten stand.

Allerdings begann das Problem manches Mal schon etwas früher: In der Borssumer Ballannahme gab es doch das eine oder andere Problem. Da gab es auffällig viele Missverständnisse, die Gnarrenburger Bällen mehrfach freie Bahn ohne Borssumer Eingreifen bescherte. Da gab es aber auch phasenweise sehr nervöse Annahmen, bei denen der Ball nur irgendwie im Spiel gehalten wurde, ohne dass ein Umschalten in einen kontrollierten Angriffs-Aufbau möglich war. Auch dies mag dem hohen Bekanntheitsgrad des Borssumer Spiels beim Gegner geschuldet sein. Denn die Gnarrenburgerinnen platzierten sehr viele Angriffsbälle in dem schwierigen Terrain mitten zwischen erster und zweiter Spielerinnen-Reihe. So kam mancher Gästepunkt zustande - oder eben eine Gerade-eben-Rettung ohne anschließenden Konter. Die Abwehr-Aktionen in eigene Angriffe umzumünzen, diese Disziplin beherrschten die Gnarrenburgerinnen an diesem Abend etwas besser.

Als weiterer Problembereich offenbarten sich die Borssumer Angaben. Nicht, dass zu viele ins Netz oder ins Aus gingen. Das waren sogar noch weniger als auf gegenüberliegender Seite. Aber es waren auch wenige, die direkt zu Punkten führten. ”Die Angabe ist der erste Angriff”, sagt Jan Junker. Und davon gab es zu wenige erfolgreiche.

Dass es am Ende doch für einen Borssumer Sieg reichte, dazu bedurfte es schon noch einiger Qualitäten, die zumindest in Ansätzen durchaus sichtbar wurden. Da ist zunächst einmal Stellerin Claudia Laue, die abgeklärt, routiniert und sehr zuverlässig agierte, aber immer auch für eine Überraschung gut war. Ihre zeitweilige Vertreterin Maischa Bassermann zeigte ebenfalls viel Spielverständnis, aber auch die eine oder andere Unsicherheit, wie sie der Mannschaftsjüngsten durchaus widerfahren kann.

Klar auf der Habenseite zu verbuchen sind natürlich die bereits erwähnten Mittelblockerinnen Knoop und Deepen. Auch, wenn sie nicht so zum Zuge kamen, wie sie eigentlich sollten, haben sie doch noch manchen Borssumer Punkt eingefahren. Nicht nur mit ihrer Sprung- und Schmetterkraft, sondern auch mit dem einen oder anderen cool und überraschend platzierten Ball.

Gut ins Borssumer Bild fügt sich auch Neuzugang Lisa Nadolny ein, die manchen diagonal erspielten Punkt von außen beisteuerte. Die anderen Spielerinnen trugen aller ihren Teil zum unter dem Strich positiven Gesamtergebnis bei. Dabei machte sich erneut positiv bemerkbar, dass Borssum über einen großen Kader ohne großes Leistungsgefälle verfügt, wie Trainer Laerum im Vorfeld feststellte. Gegen Ende des vierten Satzes und im Tie-Break schienen die Borssumerinnen doch ein paar konditionelle Vorteile gegenüber den Gnarrenburgerinnen zu haben, die mit acht Spielerinnen deutlich weniger Wechselmöglichkeiten hatten.

Auf jeden Fall sind viele Bedingungen da, die noch für den einen oder anderen eben so unterhaltsamen wie spannenden Volleyballabend in Borssum sorgen können. Allerdings sind die Kapazitäten inzwischen ausgereizt: Bei knapp 300 Zuschauern am Sonnabend war es auf der Tribüne stellenweise ganz schön eng.

BW Borssum: Christina Hempel, Claudia Laue, Maren de Boer, Deike de Boer, Julia Zimmermann, Christina Grobecker, Lisa Nadolny, Lena van Scharrel, Anika Knoop, Nina Deepen, Maischa Bassermann. Kristina Walter (verletzt) war das ganze Spiel bei der Mannschaft.

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