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Herbert de Vries sagt Tschüss

Der Emder Handballer wird aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten.Von DIRK DE VRIESTel. 0 49 21 / 89 00 414

Emden. Er war über Jahre nicht wegzudenken aus der Emder Handballszene, jetzt hat er offiziell seine Handballschuhe an den Nagel gehängt. Zum letzten Mal trat Herbert de Vries am Sonnabend mit seinen Mitspielern auf die Platte und krönte seinen persönlichen Handball-Abschied mit einem Sieg und als erfolgreichster Torschütze seiner Mannschaft.

Ein ”Schaulaufen” sollte es werden, zahlreiche Zuschauer und Wegebegleiter wollten Herbert de Vries bei seinem letzten Auftritt einen schönen Schlusspunkt bereiten. Durch eine beidseitige Lungenembolie, hervorgerufen durch eine Thrombose vor gut einem Jahr, musste de Vries jetzt seine Handball-Karriere beenden. Schließlich ist die Verletzungsgefahr doch größer als beispielsweise auf dem Trimmrad oder beim Joggen. ”Handball kommt noch vor Kickboxen!” ###STOP###Das hat sein Arzt im Krankenhaus zu ihm gesagt, als Herbert de Vries nach seiner Genesung leise angefragt hatte, wie es denn nun mit dem Handballspielen sei.

Trotzdem sollte es noch einmal live auf dem Feld zur Sache gehen. Für die Mitspieler Ehrensache, dass einer ihrer Besten ein würdiges Abschiedsspiel bekommt. Und doch lief anfangs nicht alles rund. War es die Nervosität, die ihn nicht gewohnt souverän spielen ließen? ”Nein, diesmal war ich überhaupt nicht aufgeregt,” sagt de Vries im Anschluss. Sonst hing ja immer viel von seinem Auftritt ab, am Sonnabend wollte er nur ein bisschen mitspielen - ”also alles locker”.

Dass es aber nicht ganz so leicht und locker war, lag nicht zuletzt auch am Gegner und an anfänglicher Unsicherheit des gesamten Teams. Dass aber ausgerechnet Herbert de Vries doch wieder einmal Garant des Erfolges wurde, ließ bei vielen auf der Platte und unter den Zuschauern nach Spielschluss auch Wehmut aufkommen.

Der jetzt ehemalige RSV- und HSG-Handballer de Vries nimmt es sichtlich gelassen. ”Ich werde nach wie vor Sport machen, aber dabei das Verletzungsrisiko minimieren.” So waren auch am Sonnabend eher kleine Spielanteile eingeplant. ”Eigentlich wollte ich nur zweimal zehn Minuten spielen, jetzt war es mehr”, sagte er nach dem Spiel. Das Okay hatte de Vries vom HSG-Trainer und Arzt Dr. Jan Gravemann. ”Passieren kann immer etwas, aber ich habe ein Auge speziell auf Herbert.” Sollte der Gegner doch allzu rabiat zur Sache gehen, würde er ihn auch vom Feld nehmen, sagte Gravemann vor dem Spiel. Das war aber nicht nötig.

Am Ende kam dann auch bei de Vries leichte Wehmut auf. ”Das war definitiv mein letztes Spiel”, sagte er. Es hat ihm viel Spaß gemacht. Und richtig toll wäre es gewesen, wenn noch mehr der alten Mitstreiter hätten spielen können. Wichtig war für den Handball-Crack, dass er sich bei seinem letzten Spiel nicht neu verletzt.

Es war für den ”Ehrengast” in all den Jahren eine schöne und ereignisreiche Handballzeit, an die nach dem Spiel auch RSV-Spartenleiter Oskar Böke erinnerte. Vor 28 Jahren hatte sich Herbert de Vries der Handball-Jugendabteilung des RSV Emden angeschlossen. Schnell gehörte er zu den Aktivposten auf dem Feld. In der Saison 1988/1989 kam de Vries dann in die erste Herren, erinnerte Böke, der damals die Mannschaft unter seinen Fittichen hatte und das Talent von de Vries schnell erkannte. ”Wenn man das Spiel heute wieder sieht, wissen wir, was wir mit dem Spieler Herbert verlieren.” Auch Oskar Böke ist nicht frei von Wehmut.

Doch nun müssen, wie schon seit der Erkrankung von de Vries, die HSG-Herren auch ohne ihn auskommen. Dass seine Mannschaft es schaffen wird, dessen war er sich sicher. Dass die Spieler aber gerne ihre Torfabrik weiter in ihren Reihen hätten, ließ ihn dann doch schmunzeln. Diese Zeiten sind seit Sonnabend vorbei - Herbert de Vries hat dem Handball Tschüss gesagt.

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