Neuer Anlauf - über den Kanal hinweg

Amisia Wolthusen und VfB Stern verhandeln in den kommenden Wochen über eine Fusion. Von EZ-Redakteur JÖRG-VOLKER KAHLE Tel. 0 49 21 / 89 00 440

Emden. Die Szene der Emder Sportvereine ist in Bewegung - nicht nur beim Thema Jugendfußball. Es wird wahrscheinlich auch einen neuen kompletten Zusammenschluss von Sportvereinen geben: Die Vorstände von Amisia Wolthusen und des VfB Stern haben am Freitagabend auf parallel stattfindenden Versammlungen von ihren Mitgliedern grünes Licht bekommen, Möglichkeiten und Modalitäten eines Zusammenschlusses miteinander auszuhandeln.

Beide Vorstände sehen schon vor der offiziellen Verhandlungsaufnahme große Chancen, dass diese Fusion zustande kommt. Bereits stattgefundene Sondierungsgespräche seien sehr positiv verlaufen. Ein vor etwa zwei Jahren gestarteter Versuch einer Fusion zwischen den Herrentor-Vereinen VfB Stern und Spiel und Sport war, wie seinerzeit berichtet, an erheblichen Widerständen vor allem in der SuS-Mitgliedschaft gescheitert.

Zwar gab es auch am Freitagabend auf der turnusmäßigen Jahreshauptversammlung des SV Amisia (dazu Bericht Seite 21) den einen oder anderen Vorbehalt gegen eine Fusion. Dennoch fassten die Mitglieder mit großer Mehrheit einen förmlichen Beschluss, der den Amisia-Vorstand zu Fusions-Verhandlungen ermächtigt. Teil des Beschlusses ist aber auch, dass die Mitglieder etwa zur Hälfte des benötigten Verhandlungszeitraums einen Zwischenbericht über den Stand der Verhandlungen bekommen.

###STOP###Ganz so weit ist der VfB Stern formalrechtlich noch nicht. Der Vorstand hatte den Mitgliedern ebenfalls am Freitagabend über das neue Fusions-Vorhaben informiert. Ein förmilicher Beschluss wird in Kürze auf einer Mitgliederversammlung folgen; am Freitag gab es aber schon die einhellige Unterstützung der Mitglieder für das geplante Vorgehen, berichtete Stern-Vorsitzender Werner Kühnemund der Emder Zeitung auf Anfrage.

Die Initiative war jetzt auch von Stern ausgegangen. Nach dem gescheiterten Versuch des Zusammengehens mit SuS wollte der einstige Arbeiterverein Stern alleine weitermachen. ”Wir haben in den letzten beiden Jahren aber gemerkt, dass wir auf Dauer als Verein zu klein sind zum Überleben”, begründete Kühnemund im EZ-Gespräch das neuerliche Fusionsbemühen. Zwar könnte sich der Stern-Vorstand auf der bald anstehenden Jahreshauptversammlung nochmal für zwei Jahre wählen lassen. So lange würde der Verein auch durchhalten können, schätzt Kühnemund. Ob wesentlich länger, ist aber fraglich. Die Fusion sei immerhin eine Alternative dazu, dass irgendwann ganz die Lichter ausgehen: ”Ich wäre froh, wenn wir das hinkriegen, auf die Art wenigstens ein Stückchen vom VfB Stern zu erhalten.”

Das soll auch gewährleistet sein, wenn es in die ernsthaften Verhandlungen geht. Wegen der unterschiedlichen Größe gehen die Wolthuser zwar davon aus, dass sie eine tonangebende Rolle spielen werden. ”Aber wir werden den VfB Stern keinesfalls über den Tisch ziehen”, versprach Wolthusens Vorsitzender Hans-Jürgen Wehmhörner. Sicher sei beispielsweise, dass langjährige Stern-Mitglieder nicht zu befürchten brauchten, dass ihre Jubiläums-Anwartschaften verfallen.

Der Wolthuser Vorstand hatte fast bis zum Ende der Versammlung gewartet, bis er die Mitglieder mit dem zu diesem Zeitpunkt für die meisten überraschenden Ansinnen konfrontierte. Unter dem Punkt ”Anträge” stellte der Vorstand den Antrag, eine Verhandlungsvollmacht für die Fusionsverhandlungen zu bekommen.

Insgesamt traf das Vorhaben auf eher positives Echo bei den Amisen. Gleichwohl gab es auch einige Bedenken: Dabei mischen sich Befürchtungen, Eigenständigkeit aufzugeben, mit dem Vermissen von positiven Effekten. Die sahen andere wiederum ganz deutlich: Ein Wachsen ist für den SV Amisia am jetzigen Standort nicht möglich. Bei einer Fusion fiele das Stern-Gelände an den neuen fusionierten Verein. Dass auch andere schon Interesse an dem Gelände hätten, falls es mal aus sei mit Stern, sei ein offenes Geheimnis. Für Amisia sei es ein Gewinn, einen Fuß ins Herrentor-Viertel setzen zu können.

Dass die Fusion die Unterstützung übergeordneter Gremien wie beispielsweise des Stadtsportbundes hat, daran ließ Wehmhörner, der zugleich Stadtsportbund-Vorsitzender ist, keinen Zweifel.

17.04.2011, 21:00 Uhr