„Wir haben Banecki aus Versenkung geholt”

Trainer Lünemann zum offenbar nach Aue gewechselten Innenverteidiger: „Einen solchen Spieler kann man nicht ersetzen!” Spielerberater fühlt sich „veräppelt”.

Von EZ-Redakteur

HENNING WIETING


Emden. Die angebliche Unterschrift des Kickers-Innenverteidigers Francis Banecki unter einen Vertrag beim Fußball-Drittligisten FC Erzgebirge Aue kurz vor Ende der Wechselfrist hat bei der sportlichen Führung und im Präsidium des Emder Fußball-Oberligisten auch gestern für hohe Betriebsamkeit und Empörung gesorgt. „Wir haben der Auflösung des Vertrages bei uns natürlich nicht zugestimmt”, sagte Reiner Bruns, der Sportliche Leiter bei Kickers, gestern der Emder Zeitung: „Er hat bei uns einen Vertrag bis Jahresende. Dann könnte er gehen.”

Vizepräsident Günther Kunz und Präsident Engelbert Schmidt hätten noch versucht, den in der Vergangenheit immer wieder mit Knieproblemen ausgefallenen Banecki für einen Verbleib in Emden zu überzeugen. Beide waren gestern für eine Stellungnahme telefonisch nicht erreichbar.

Noch am Montagabend habe Bruns bis zum Ablauf der Wechselfrist um Mitternacht probiert, „einen interessanten Oberliga-Spieler” als Ersatz für den Fall der Fälle zu kontaktieren. Doch der wäre im Vergleich zu Banecki viel zu teuer gewesen.

Bei Trainer Johann Lünemann war die Gefühlslage gestern ein Mix aus Enttäuschung und neuem Ehrgeiz: „Ich werde um Francis Banecki kämpfen!” In seinen Planspielen zum garantierten Erreichen des Ligaerhalts mit Platz acht hatte er den 24-jährigen Ex-Profi als ganz zentrale Säule im BSV-Team fest eingeplant - zumindest bis zur Winterpause. Lünemann: „Einen Francis Banecki, auch wenn er noch nicht zu 100 Prozent fit ist, kann man in der Oberliga nicht ersetzen!” Den Wechsel des Defensivspielers zum sächsischen Drittligisten - wenn er denn tatsächlich zustande kommt - wäre „ein ganz schwer zu kompensierender Rückschlag.”


Trainer kein Vollidiot


Gegenüber der Emder Zeitung dementierte Lünemann die Aussage Baneckis, dass der Kickers-Trainer dem Wechsel zurück in den Berufsfußball die „volle Rückendeckung” gewährt habe. Lünemann: „Ich bin Angestellter des Vereins und habe die Interessen von Kickers Emden zu wahren.” Banecki hat offenbar aus dem Kontext eines Gesprächs eine Aussage überinterpretiert. „Ich habe doch als Trainer das Ziel, diesen verdammten achten Platz zu erreichen: Da wäre ich doch ein Vollidiot, wenn ich da einen Banecki so einfach ziehen lassen würde!” Lünemann, der sich zusammen mit seinem Co-Trainer Jens Jaschob die schwierige Aufgabe aufgehalst hat, mit Mini-Etat und Mini-Kader den Klassenerhalt zu sichern, zeigte sich sauer über die abrupte Entscheidung des ehemaligen Profis von Werder Bremen, Eintracht Braunschweig und Hertha BSC: „Wir haben ihn doch in Berlin aus der Versenkung geholt!” Man müsse die Fakten sehen. „Kein Dritt- oder Viertligist in Berlin, kein Verein in Deutschland, kein VfB Oldenburg oder sonst wer hat sich nach dem Ende der letzten Saison für Francis Banecki interessiert!” Und das, obwohl ihn sein Berater überall zum Probetraining angeboten habe. Lünemann sei es zusammen mit Bruns gewesen, der dem 24- Jährigen mit einem anderen Konzept wieder auf die Beine helfen wollten. Lünemann: „Wir haben das große Potenzial erkannt! Wir haben ihm erzählt, dass er bei Kickers Emden, einem Verein mit einem Namen in Deutschland, wieder die Chance hat, sich nach oben zu spielen.” Nebenbei sollte der 24-Jährige sich überlegen, eine Ausbildung in Emden anzufangen. „Damit er ein zweites Standbein neben dem Fußball bekommt”, so der emsige BSV-Coach: „Das ist allemal besser, als mit dem Geld vom Arbeitsamt auf dem Sofa zu liegen und zu warten, bis Uli Hoeneß anruft. Das waren meine Worte!”


„Glückwunsch”


Sollte ein Verein Banecki dann zur Winterpause haben wollen, hätte Kickers ihn dann „schweren Herzens” ziehen lassen. Diese erdachte Symbiose mit Unterstützung des Arbeitsamtes fruchtete äußerst schnell. Als Banecki seinen Trainer dann abends nach dem verlorenen Punktspiel gegen Rehden anrief und mitteilte, dass er „möglicherweise” für Aue in der 3. Liga spielen werde, habe Lünemann seinem bis zum nächsten Punktspiel beim TSV Havelse gesperrten Spieler spontan geantwortet: „Herzlichen Glückwunsch, da kannst du mal sehen, wie schnell unsere Idee aufgegangen ist.”

Wie berichtet, wolle Banecki juristisch prüfen lassen, ob er aus seinem Vertrag bei Kickers herauskommen könne, weil der BSV ihn nicht kampflos hergeben möchte. Peter Höhne, der Pressesprecher bei Erzgebirge Aue, sagte gestern auf EZ-Anfrage zum Banecki-Wechsel vielsagend: „Ich habe davon gehört, aber der hat doch einen Vertrag in Emden.” Wenn es über seinen Verein etwas „Spruchreifes” zu verkünden gebe, würde er es als Pressesprecher verkünden: „Wir kommentieren keine Gerüchte!” Nach Angaben des MDR, wisse Baneckis Spielerberater Dimitrios Mitsioulas nicht einmal etwas vom Vertrag in Aue. „Er hat mir die Sache heute Morgen mitgeteilt. Ich dachte, der will mich veräppeln”, sagte er gestern dem MDR.


„Schiff mit Geld”


Laut BSV-Sportleiter Bruns habe Banecki in Emden „einen Vertrag als Arbeitsversuch des Arbeitsamtes”. Kickers warte die Entscheidung der Richter im Fall Banecki ab: „Wir müssen wegen der Rotsperre sowieso in Havelse auf ihn verzichten. Wir haben uns jedenfalls als Verein korrekt verhalten.” Bruns gab gegenüber der EZ zu, „dass momentan vieles gegen Kickers läuft”. Er zählte die vielen Platzverweise auf, die unglücklichen Niederlagen, das schmale finanzielle Korsett, bedingt auch durch weitere Zurückhaltung der Sponsoren. Besserwisserei helfe derzeit nicht: „Wir müssen am Ende der Spielzeit mindestens Achter werden, notfalls am letzten Spieltag.”

Zur Not kann Kickers bei Bedarf auf dem Markt für arbeitslose Spieler zuschlagen: „Da gibt es mehr als 50.” Doch die wiederum dürften - ähnlich wie bei Banecki, der als 165-Euro-Spieler gilt - möglichst nichts kosten. Bruns: „Was uns momentan weiter hilft, wäre ein Schiff mit Geld.”

 

01.09.2009, 21:34 Uhr