Dabei sein ist alles - für 24 Stunden im Mofa-Sattel

Borkumer Gruppe bereitet sich auf eines der verrücktesten Mofa-Rennen überhaupt vor.Von EZ-RedakteurJÖRG-VOLKER KAHLETel. 0 49 21 / 89 00 440

Borkum. Wenn am 3. August der Bürgermeister eines kleinen niederländischen Örtchens in der Provinz Nordbrabant den Startschuss gibt für die ”24 Stunden von Heeswijk-Dinther”, dann soll auch ein Gefährt auf die ”Rennstrecke” gehen, an dem bereits viele Stunden in einem Borkumer Bastelkeller herumgeschraubt wird.

Bereits seit einiger Zeit bereitet sich nämlich eine Gruppe enthusiastischer Borkumer auf die Teilnahme an dem Ereignis vor, das für sie das vielleicht verrückteste Mofa-Rennen der Welt darstellt. Zu dem Borkumer Team gehören Gerd-Heiner Kutscher (Fahrer), Marcel Buse (Fahrer), Derk-Hinderk Bakker (Fahrer) und Albert Bakker (Mechaniker) sowie ”Werksarzt” Frieder Grävemeyer.

Schon allein die Fahrzeuge, die ihre Runden auf der Rennstrecke drehen, sind eine Besonderheit: Es handelt sich ausschließlich um Mofas des Typs Velosolex. Die waren früher weit verbreitet, sind aber mittlerweile in Deutschland nach Kenntnissen der Borkumer fast ausgestorben. ###STOP### Die Helmpflicht hat ihnen hierzulande wohl den Garaus gemacht hat.

Weltweit sind diese perfektionierten Mofas millionenfach verkauft worden und gehören in vielen Ländern noch zum Alltagsbild, berichten die Borkumer Fans dieser Maschine. Dem Gefährt liegt eine geniale Konstruktion zugrunde: Der kleine Motor sitzt direkt auf dem Vorderrad - und sorgt damit auch für das charakteristische Velosolex-Erscheinungsbild. Mit einem Hebel wird der Motor auf das Vorderrad gedrückt, das mittels einer Reibrolle ins Drehen gebracht wird.

Das Fahrzeug ist um 1947 in Frankreich entwickelt und ursprünglich dort auch produziert worden. Es gab und gibt aber immer noch Lizenzbauten. Die Höchstgeschwindigkeit liegt, je nach Gesetzeslage in den einzelnen Ländern, zwischen 20 und 30 Stundenkilometern.

Die einfache Bedienung und Funktionsweise machten das Velosolex populär. Dass es aber schnell Kult-Status erlangte und bis heute hat, liegt an vielen anderen Dingen. In einem großen Beitrag im Mai 2008 nannte die Süddeutsche Zeitung unter anderem als Kult-Baustein, das Leinwand-Größen wie Brigitte Bardot, Louis de Funès und Robert Redford in Filmen Velosolex fuhren.

Mittlerweile gibt es fast überall in der Welt Velosolex-Fanclubs und dergleichen. Besonders aktiv scheinen diesbezüglich die Niederländer zu sein. Dort gibt es allein 78 offiziell registrierte Velosolex-Clubs, zwei in der Provinz Groningen, vier in Friesland. In Colijnsplaat (Südholland, Noord Beverland) befindet sich sogar ein Velosolex-Museum.

Und in Heeswijk-Dinther, das seit 1995 auch Bernheze heißt, ist das 24-Stunden-Rennen aus der Taufe gehoben worden. Es wird über einen 3,3 Kilometer langen Rundkurs ausgetragen, der überall professionell mit Laserpistolen überwacht wird. Zudem wird die Zeit sekundengenau erfasst durch einen Mikrochip, der am Fahrzeug angebracht ist. Es gehen mehr als 100 internationale Teams an den Start, die jeweils von einem Monteur und drei Fahrern gebildet werden. Mehr Mitglieder darf das Team nicht haben, wissen die Borkumer. ”Es ist alles furchtbar geregelt”, staunen sie. Auch die Geschwindigkeit: Obwohl das Velosolex ein beliebtes Objekt für Tuningspezialisten ist - die Borkumer wissen von Mofas, die 70 Sachen überschreiten können - sind auf dem 24-Stunden-Rundkurs maximal 40 erlaubt. Werden sie überschritten, gibt es Strafpunkte - und bei Wiederholung einen Ausschluss vom Rennen.

Neben dem strengen Regelement gibt es aber auch genügend Bestandteile des ungewöhnlichen Rennens, die alles nicht ganz so bierernst erscheinen lassen. Schon die Streckenführung ist ein Hinweis: Die Rennpiste führt unter einem durch Maisfelder, einen Bullenstall und zwei Gaststätten (Vordertür rein, Hintertür raus). Zu allem gehört auch ein perfekt organisiertes Rahmenprogramm, das die Veranstaltung auch zu einem regionalen Medienspektakel macht. Unter anderem gibt es eine Veranstaltungsbühne, auf der unter anderem Rockbands spielen. Natürlich führt die Rennstrecke auch über diese Bühne.

Der Erlös aus den Einnahmen der Veranstaltung geht an eine Stiftung zugunsten krebskranker Kinder. Ein Großteil der Spendengelder wird durch Sponsoren beigebracht, die von den Rennteams anzuwerben sind.

Die Borkumer sind schon viele Wochen im Bastelkeller tätig. Ausgangsbasis war ein Schrott-Mofa, das für das Rennen zu neuem glanzvollen Leben erweckt werden soll. Noch ein gutes Stück Arbeit liegt vor dem Team. Nicht nur an der Maschine: Wie alle anderen Teams müssen sie parallel zum Schrauben an der Velosolex Sponsorengelder einwerben.

14.05.2012, 17:26 Uhr