Emden

"Wir mussten handeln"

Wenn sich Tierschützer und Kommune nicht einigen, können die Folgen gravierend sein.

Von EZ-Redakteurin

INA WAGNER

Emden. Der Emder Tierschutzverein hat einen Vertrag mit der Stadt Emden gekündigt, der die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren regelt. Grund für diese Kündigung, die zum 31. Dezember ausgesprochen wurde: Die Finanzen stimmen nicht mehr.

Die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Angelika Grave, erklärte gestern, dass die von der Kommune gezahlten Tagessätze schon seit langem nicht mehr den realen Gegebenheiten entsprechen. Bisher habe der Verein die Fehlsummen im Interesse der Tiere stets aus Rücklagen ausgeglichen. "Doch irgendwann ist Schluss. Wir können das nicht mehr leisten - und auch nicht mehr verantworten." Man sei bereits seit einem Jahr im Gespräch mit der Kommune, ohne dass sich eine Lösung abzeichnen würde. "Wir mussten handeln - auch im Interesse unserer Mitglieder."

Wenn die Kündigung am Jahresende gültig werde, bedeute das zum einen, dass ab 1. Januar keine Fundtiere mehr im Tierheim in der Nesserlander Straße aufgenommen würden. Die Kündigung bedeute aber in letzter Konsequenz auch, dass alle noch im Tierheim befindlichen Fundtiere bis zum 31. Dezember 12 Uhr von der Stadt abgeholt und an anderer Stelle untergebracht werden müssten. "Allein bei dem Gedanken blutet uns das Herz, aber es hilft nichts", meinte Angelika Grave.

Die Versorgung von Fundtieren ist eine kommunale Pflichtaufgabe, die diese an den Emder Tierschutz in der Weise abgetreten hat, dass für die Aufnahme pro Tier eine gewisse Summe bezahlt wird. Der Gesamtbetrag der Zahlung orientiert sich an der Einwohnerzahl und lag bisher zwischen 12 000 bis 15 000 Euro, erläutert Tierheimleiterin Jantke Tjaden. Gezahlt wird aber nur für Hunde und Katzen, bei denen der Nachweis vorliegt, dass sie im Stadtgebiet gefunden wurden. Wild- und Heimtiere, die in diesem Jahr zum Beispiel verstärkt im Tierheim an der Nesserlander Straße abgegeben wurden, fallen komplett aus den Zahlungsregelungen heraus.

Pro Hund erhält das Tierheim derzeit als Tagessatz 5,42 Euro, pro Katze 3,89 Euro. Gezahlt wird bei Hunden ein 31-tägiger Aufenthalt, bei Katzen ein 14-tägiger. Einmalig kommt für eine Eingangsuntersuchung bei den Hunden 27,75 Euro, bei den Katzen 21,84 Euro hinzu. "Davon kann ich gerade mal die Standarduntersuchungen bezahlen, nicht aber eine Kastration oder andere medizinische Untersuchungen, die notwendig werden, weil sich die Tiere meist in schlechtem Zustand befinden," sagt Jantke Tjaden.

Für 2009 beläuft sich die Zahl der als Fundtiere abgegebenen Katzen auf 165, bei den Hunden auf vierzehn. 22 Katzen und sechs Hunde wurden wieder abgeholt. Die Zahl der Vermittlungen habe zwar mittlerweile um mehr als 50 Prozent zugelegt. Dennoch seien viele Tiere deutlich länger im Tierheim. "Allein die Frist, bis wir einen Hund überhaupt für eine Vermittlung freigeben dürfen, liegt bei vier Wochen", sagt Angelika Grave. Für sie steht fest: "So wie bisher, können wir nicht weitermachen."

Emdens Erster Stadtrat Martin Lutz hat die Unterlagen des Tierheims vorliegen und sieht - angesichts der dort aufgeführten Zahlen - dringenden Beratungsbedarf. "Eine Vervielfachung der bisherigen Summe - da sind einige Punkte dabei, die ich so nicht nachvollziehen kann", sagte er gestern auf Anfrage. "Womöglich können wir das mit eigenen Leuten oder anderen Tierheimen kostengünstiger machen." Der Kämmerer verwies auf ein anstehendes Gespräch, das noch in diesem Monat erfolgen soll.

H Die fünf Ratsfraktionen haben gestern in einem gemeinsamen Antrag um einen Sachstandsbericht gebeten.

Am Dienstag waren die Ratsmitglieder Marianne Pohlmann (SPD), Hinrich Odinga und Herbert Buisker (CDU), Erich Bolinius (FDP), Dieter Stolz (Bündnis90/Die Grünen), Wilfried Graf und Stephan Koziolek (Die Linke) auf Einladung des Tierschutzvereins im Tierheim gewesen und mit den Problemen konfrontiert worden (wir berichteten). Man habe ihnen mitgeteilt, dass die jährlichen Kosten des Tierheimes für die Fundtiere rund 80 000 Euro ausmachten. Das Tierheim wäre im nächsten Jahr insolvent, wenn keine zusätzlichen Mittel fließen würden.

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