Emden

”Sonst wären wir Lehrer geworden!”

Seit über 30 Jahren ist Hartmut Engler Sänger und Texter der deutschen Pop-Gruppe PUR. Jetzt steht eine Deutschland-Tournee bevor, die auch nach Emden führt. Von KARL-HEINZ JANSSEN

Emder Zeitung: Herr Engler,wenn eine Gruppe sich so lange hält und immer noch so erfolgreich ist, dann ist ihr Erfolg ein Ergebnis von Qualität. Wie sehen Sie das mit der Qualität in der Musik von PUR?

Hartmut Engler: Ich glaube, Qualität ist vor allem anderen eine Frage der Intuition. Und was PUR angeht, haben wir uns von Anfang an nie auf ein Schubladen-Denken eingelassen. Talent gehört natürlich auch dazu. Ich glaube, wir haben in unserer 30-jährigen Band-Geschichte insgesamt nur wenige Fehler gemacht!

Gab es welche?

Na ja, schon. Wir hatten zum Beispiel mal, kurz nach unserem Einstieg in die Plattenindustrie 1988, bei einer unserer CD-Produktionen einen Produzenten, der wollte aus PUR nur einen Sänger plus Begleitband machen. Das hat aber dann überhaupt nicht funktioniert, und wir haben das beim folgenden Album auch ganz schnell wieder geändert.

Und sind danach dann berühmt und reich geworden ...

Der Erfolg hat uns Recht gegeben. Viele Nachwuchskünstler wollen heute reich und berühmt werden. Für uns war das damals sicherlich nicht die Hauptmotivation! Ach, wenn es nicht geklappt hätte damals mit der Musik, wären wir wahrscheinlich alle Lehrer geworden! Wir sind ja gar nicht davon ausgegangen, dass wird das mal 30 Jahre machen werden. Wir wollten einfach mal schauen, wie weit wir damit kommen.

Erstaunlich viele der in den 60er, 70er und 80er Jahren sehr erfolgreichen Bands sind auch heute noch aktiv, haben sich reformiert und finden auch nach wie vor ihr Publikum. Man denke hier an

Deep Purple oder die Stones. Wie ist dieses Senioren-Band-Phänomen zu erklären?

Der Punkt ist, dass die Fans von damals ja noch fast alle da sind! Und die wollen diese Bands immer noch live erleben. Zudem gibt es nur wenige adäquate Nachfolge-Bands, die die Qualität der alten Gruppen haben. Bei der jüngeren Generation hat die Musik auch eindeutig an Bedeutung verloren, verglichen mit unserer Generation. Zudem gibt es zu viele junge Talente, die nur mal eben schnell Pop-Star werden wollen.

Wie laufen denn die Vorbereitungen für die neue Tournee?

Wir haben das Gröbste hinter uns. Das meiste haben wir im Rahmen unserer Album-Produktion erledigt. Das neue Live-Album wurde ja bei einem Konzert vor 500 Leuten aufgenommen. Darauf hatten wir uns sehr intensiv im letzten Jahr vorbereitet. Zur Zeit sind wir damit beschäftigt, die Abläufe und die Feinabstimmung auf der Bühne festzulegen. Unsere neue Show läuft ja im Unplugged-Stil.

Die Band spielt in klassischer Unplugged-Besetzung?

Ja, und das heißt, es gibt diesmal wirklich keine elektrischen Gitarren und Synthesizer. Das ist für uns schon eine ziemlich Veränderung!

So was führt in der Regel dazu, dass man die bekannten Stücke erheblich verändern muss ...

Natürlich! Wir mussten mächtig umarrangieren. So haben wir bei vielen Songs das Tempo geändert, zudem andere Grooves eingebaut. Es geht diesmal ja darum, diesen typischen, entspannten Wohlfühl-Sound der Unplugged-Besetzung auf der Bühne voll rüberzubringen. Ich finde in dieser Hinsicht sind die MTV-Unplugged-Aufnahmen von Eric Clapton wegweisend.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Musik von PUR, die ja schon sehr auf schöne Harmonien angelegt ist, nun in der neuen Form zu süßlich, zu weich wird?

Nein! Ich vermisse bei unseren neuen Arrangements eigentlich nichts an echtem Rockfeeling. Wir haben jetzt eben auch mehr Improvisationen drin; es wird einfach mehr gejammt, es gibt mehr Soli.

Als Sänger haben Sie jetzt weniger zu tun?

Im Gegenteil. Bei diesem Sound muss ich viel mehr mit der Stimme malen, hab' da viel mehr Raum zur Entfaltung. Das geht dann schon manchmal fast in Richtung Chanson.

Man kann das auf dem neuen Live Album hören. Gibt es im Konzert und auf dem Album eine besonders herausragende Nummer?

So ein Lied ist mit Sicherheit ”der Trick dabei”. Es ist das etwas andere Jubiläums-Lied unserer Band. Denn wir feiern ja in diesem Jahr auch unser 30-jähriges Bühnenjubiläum.

Sie haben sich als Texter der PUR-Songs in der Branche einen Namen gemacht. Schreiben Sie eigentlich auch immer noch für andere Künstler? Es gab da doch mal eine Zusammenarbeit mit Peter Maffay ...

Nein, für andere schreibe ich mittlerweile nicht mehr. Für Peter Maffay hab ich den Song ”Tiefer” getextet.

Wie kam es dazu?

Ich war damals einfach ein studentischer Hungerleider (Engler brach sein Lehramtsstudium kurz vor dem Examen ab- Anm. d. Red.). Über einen Freund, der Maffay kannte, kam diese Connection zustande. Ich habe Peter Maffay dann einfach angesprochen. Und es hat geklappt.

Das Schreiben von Texten gilt in der Musik-Branche als einer der schwierigsten Prozesse beim Komponieren. Wie gehen Sie dabei vor?

Meistens bekomme ich von meinem Keyboarder Ingo Reidl irgendeinen Part, eine rhythmische Sequenz, ein Thema oder auch nur ein Klangbild. Davon lasse ich mich dann inspirieren. Ich lasse mir Begriffe, Schlagwörter oder auch ganze Sätze einfallen, die passen und entwickel dann diese Grundelemente immer weiter, bis eine Geschichte entsteht, eine Botschaft, ein Sinnbild oder Ähnliches.

Gibt es für Sie als Texter Vorbilder?

Leute wie Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und auch BAP fand ich von Anfang an sehr gut. Die haben mich damals mitinspiriert.

Sie haben mit PUR, wie man sich erzählt, in den frühen 80er Jahren mal auf einer ostfriesischen Insel gespielt. Von diesem Auftritt reden die Leute ja heute noch!

Richtig, wir sind damals im Jugendhaus auf Norderney aufgetreten! Und schon damals war unter den Zuschauern ein richtiger kleiner PUR-Fan-Club. Das muss so ungefähr 1983 gewesen sein, glaub' ich ...

Herr Engler, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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