Emden

Schiffe ohne Arbeit in Emden - es werden immer mehr

Täglich gehen neue Anfragen bei Maklern und bei der Hafenverwaltung ein.

Von EZ-Redakteur

AXEL MILKERT

Tel. 89 00 40

Emden. Der Emder Hafen füllt sich weiter mit Schiffen. Sie bringen jedoch keine Fracht und nehmen auch keine Ladung. Der Hintergrund dieses vermeintlichen Booms ist ernst. Viele der Frachter, die in den letzten Wochen und Monaten hier festgemacht haben, nutzen Emden als eine Art Zufluchtsort. Für diese Schiffe gibt es keine Arbeit. Und es sollen weitere hinzukommen.

„Das ist eine todtraurige Angelegenheit für die Reeder und alle anderen Beteiligten”, sagte Hafenkapitän Frank Herbig auf Anfrage der Emder Zeitung. Seit Mitte Dezember prägt die globale Wirtschaftskrise auch das Bild des westlichsten deutschen Seehafen. Zurzeit sind es 14 Schiffe, und zwar ausschließlich Containerfrachter, für die es keine Aufträge gibt. Die Liegeplätze erstrecken sich vom Nordteil des Hafens (EVAG Terminal II) bis zu den Dalbenreihen zwischen Nord- und Südkai (siehe Grafik).

Auch Autotransporter?

Ein Ende ist nach wie vor nicht in Sicht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass am vergangenen Wochenende zwei der sogenannten Auflieger, die „Courier” und die „Lilly Mitchell”, den Hafen wieder verlassen konnten. Bereits am Sonnabend legte sich Neuzugang „Cartagena” an die Dalbenreihe zwischen Nord- und Südkai. Damit sind es allein dort mittlerweile sechs Schiffe, die auf Arbeit warten. Hafenkapitän Herbig sprach darüber hinaus von zwei weiteren Schiffen, die sich zur „Countess Anna” an der Teufelsinsel gesellen sollen. Und aus der Maklerei der EVAG Emder Verkehrs- und Automotive GmbH hieß es gestern auf Anfrage, zwei kleinere Autotransporter suchten für mehrere Monate einen Liegeplatz. Wie viele Auflieger Emden tatsächlich noch aufnehmen kann, ist unklar. Da sind vermeintlich simple Fragen zu klären. Zum Beispiel: Passen die Abstände zwischen den Dalben, um für die nur 100 Meter langen Autotransporter ein sicheres Festmachen zu gewährleisten? Damit befasst sich der Hafenkapitän in Zusammenarbeit mit den jeweils zuständigen Schiffsmaklern.

Frank Herbig räumte ein, dass Auflieger für den Emder Hafen „wenigstens ein bisschen Arbeit” bringen. So müssen Lotsen für deren Ein- und Auslaufen bestellt werden, ferner ordern die Schiffe irgendwann neue Betriebsstoffe. Sie müssen versorgt werden, und es sind auch Entsorgungsarbeiten zu erledigen. Niedersachsen Ports kassiert außerdem Liegegebühren, die allerdings wesentlich niedriger sind, als bei einem Schiff im normalen Umschlagsbetrieb.

Ein Rechenbeispiel: Ein Schiff von der Größe der „Countess Anna” (Bruttoraumzahl 1589) zahlt in der ersten Woche 222,46 Euro an Niedersachsen Ports. Denn: Für Schiffe unter BRZ 3999 gilt ein Satz von 0,14 Euro pro BRZ und pro Woche. Ab der zweiten Woche reduziert sich der Betrag um die Hälfte. Hinzu kommen für den Reeder weitere laufende Kosten. Denn ein Teil der Maschinen muss weiterlaufen. Außerdem sind Notbesatzungen an Bord, die bezahlt werden müssen. Die Schiffe verdienen also kein Geld, sondern verursachen nur Kosten - sehr zum Leidwesen auch der Kapitalanleger. Ein Frachter wie die „Süderoog” - liegt zurzeit bei den Nordseewerken - würden zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Frachtrate von schätzungsweise 5000 bis 6000 Euro einfahren - pro Tag. Was noch wenig ist, denn die Raten in der Containerschifffahrt sind in den vergangenen Monaten um teilweise über 60 Prozent gefallen.

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