Emden

Nackt bis auf den letzten Holzspant

Der einst zur Heringsfischerei eingesetzte Segelloger „AE 7 Stadt Emden” wird auf der Bültjer Werft in Ditzum generalüberholt.

Von EZ-Redakteur

MANFRED ULFERTS

Tel. 0 49 21 / 89 00 417

Emden/Ditzum. In der Bootshalle liegen die Temperaturen dicht an der Null-Grad-Grenze. Es ist richtig kalt. Ein dicker Pullover und warme Socken sind angebracht. Und dort auf der Bültjer Werft in Ditzum liegt in eisiger Kälte seit einigen Monaten der Museumslogger „AE 7 / Stadt Emden”. Nackt bis auf den letzten Spanten zeigt sich der gut einhundert Jahre alte Segellogger. Das restlos abgetakelte, auseinander genommene und „rippige” Holzschiff gibt nunmehr auch seine marodeste Stelle preis. Auch der letzte kleinste Winkel auf dem über einhundert Jahre alten Segellogger wird von den Bootsbauern untersucht.

Statt im Emder Delftwasser, wo der Logger seit 1995 als Museumsschiff mit der ständigen Ausstellung „Emder Heringsfischerei” beheimatet ist, liegt das Holzschiff jetzt an Land - nackt bis auf den letzen Holzspant. Hier in Ditzum, aber in allerbesten Bootsbauer-Händen. Werft-Mitinhaber Gerjet Bültjer hat die Sanierung und Reparatur des Heringsloggers zur Chefsache erklärt. Bis zu zehn berufserfahrene Gesellen sowie Auszubildende und Praktikanten zimmern, schrauben und sägen an dem Schiff.

Marode Spanten

Jeder letzte marode Spant wird entfernt und durch eigens handgefertigte neue Holzspanten ersetzt. Eine zeit- wie auch kostenaufwendige Angelegenheit. Die Eichenholz-Spanten werden, damit sie sich besser festziehen lassen, alle verschraubt und abschließend noch mit Holzdübel und Pfropfen dicht gemacht. Auch neue Planken sind bereits montiert. Zweidrittel der neuen Außenhaut ist an der Steuerbordseite jetzt fertig und schon deutlich sichtbar.

„Mit dem Können und Wissen über Holzschiffbau bringt die Bültjer Werft das Traditionsschiff schon wieder auf Vordermann”, vertraut Wilhelm Grix, Vorsitzender vom „Förderkreis Museumslogger Emden”, der ostfriesischen Traditionswerft. Weit und breit gibt es keine Bootswerft mehr, die wie Bültjer auf Holzschiffe spezialisiert ist. Eine Marktlücke. Der nächste Mitbewerber sitzt in Dänemark.

Mehr Reparaturen

Ein Holzschiff in dieser Größenordnung und mit diesem Gewicht ist auch für die Ditzumer Bootsbauer eine neue Herausforderung. Etwa 90 Tonnen, schätzt Bültjer, bringt der Logger auf die Waage. Das Schiff mit der Winsch aus dem Wasser auf die Helling zu setzen, war schon ein besonderer Akt. Grix: „Es ging alles reibungslos vonstatten. Auch die jetzigen Arbeitsabläufe werden, wie versprochen und geplant, erledigt. Nur: Es kommen immer mehr marode Teile ans Tageslicht. „Diese zusätzlichen notwendigen Reparaturen waren im Vorfeld, als der Logger noch im Wasser lag, so nicht einzuschätzen”, sagt Bültjer.

Die Sanierung hat, wie berichtet, ihren Preis: Rund 300 000 Euro plus 50 000 Euro an Eigenleistungen verschlingt die „AE 7” schon jetzt. Weitere Kosten für einen neuen Vordermast und für eine komplett neue Reling kommen noch auf den „Förderkreis Museumslogger” zu. Es müssen noch weitere (Spenden-) Gelder oder mögliche Zuschüsse her. Denn: „Mit einem halb fertigen Schiff fahren wir nicht wieder nach Emden zurück”, sagt Grix. Die Arbeiten sollen komplett von Bültjer erledigt werden.

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