Emden

Klinik-Abrechnungssystem sorgt für Kritik

Krankenkassen beschweren sich über unkorrekte Abrechnungen. Krankenhäuser wiederum wollen ihre Arbeit bezahlt bekommen. Ein Dilemma, für das der Geschäftsführer des Emder Klinikums das DRG-System verantwortlich macht.

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Emden. Etwa jede zweite von den Kassen geprüfte Krankenhaus-Abrechnung ist falsch. Das behauptete wenigstens jüngst der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Im ersten Halbjahr 2013 sollen knapp 53 Prozent aller kontrollierten Rechnungen zu hoch gewesen sein, genauso wie 2012. Damit liege die Quote im dritten Jahr in Folge über 50 Prozent, erklärte der GKV.

Diesen Vorwurf will der Geschäftsführer des Emder Klinikums, Ulrich Pomberg, nicht auf sich sitzen lassen. "Es geht um gerechte Bezahlung. Die meisten Kliniken fordern schon gar nicht mehr das ein, was ihnen wirklich zusteht", sagte er auf Anfrage der Emder Zeitung. Dass es zu unterschiedlichen Bewertungen für einige Leistungen käme, sei "systemimmanent", ist Pomberg überzeugt. Er kann sich nicht vorstellen, dass - wie es jetzt der GKV bekannt gab - auf den beanstandeten Rechnungen Behandlungen aufgelistet wurden, die nicht in dem behaupteten Umfang oder sogar überhaupt nicht erbracht wurden. Der dadurch entstandene Gesamtschaden belaufe sich auf hochgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro, teilte der Krankenkassenverband mit.

„Das ist eine Pauschalverurteilung. Es gibt Ermessungsfragen, die geklärt werden müssen. Das DRG-Abrechnungssystem beinhaltet die Auslegungsweise”, sagte Pomberg. Die Quote der beanstandeten Rechnungen ist im Emder Krankenhaus auch geringer, teilte der Geschäftsführer mit. Nach seinen Angaben sind im Jahr 2013 - neuere Zahlen können nicht vorgelegt werden, weil die Abrechnungsformalitäten oftmals Monate in Anspruch nehmen - viel niedriger: Von 15?665 Rechnungen sind insgesamt zwölf Prozent vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) überprüft worden. 68 Prozent davon wurden ohne Änderungen akzeptiert. Bei 32 Prozent gab es Nachfragen. Pomberg: „Zur Not gehen wir vor Gericht, um unsere Ansprüche gegenüber den Kassen durchzusetzen.” Dies komme ab und zu vor.

Der Bürokratieaufwand durch die fallbezogene Abrechnungsmethode sei „enorm und unendlich aufwendig”. Sechs Mitarbeiter beschäftigten sich hauptamtlich mit den DRG-Abrechnungen und der entsprechenden Codierung im Emder Klinikum. Die Personalkosten für die 4,5 Stellen im Bereich dieses Medizincontrollings liegen bei etwa 230?000 Euro pro Jahr. Auch gibt es Kliniken innerhalb des Krankenhauses, in denen Ärzte und Pflegepersonal selber codieren, wie man die Auflistung nennt. Besonders ärgerlich findet Pomberg, dass die Krankenkassen weiterhin über „Liegezeiten” diskutieren: „Die DRG sind doch eingeführt worden, damit wir nicht mehr über Krankenhaustage streiten müssen.” Die Tagesabrechnung sehe das System so nicht vor, die Krankenkassen aber doch. „Ich weiß von anderen Kliniken, dass sie oft die Entscheidung der Kassen akzeptieren, weil sie gar nicht den Aufwand betreiben wollen, dagegen anzugehen.” Das würde aber das Abrechnungssystem „noch ungerechter” machen. Der Emder Klinikum-Geschäftsführer wies ebenfalls darauf hin, dass „die deutschen Ausführungen zu den DRG komplizierter sind als in anderen Ländern”. Es sind mehrere umfangreiche Codierbücher notwendig. Statt 600 Fällen, wie üblich, sei die Zahl in Deutschland etwa doppelt so hoch.

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