Emden

Jakob, Emil und Eddy sind nun wieder in der Freiheit

Gestern fanden sie den Weg in die Nordsee zurück.

Norden/Norderney. Sandbank statt Kunststoffbecken: Nach rund drei Monaten mühevoller Aufzucht in der Seehundstation Norddeich sind die ersten drei „Heuler” der Saison gestern zurück in die Freiheit gelangt. Zwei Boote brachten Jakob, Emil und Eddy an die Ostseite der niedersächsischen Nordseeinsel Juist. Während der Fahrt hatte das Trio in geflochtenen Weidenkörben ausgeharrt. Im flachen Wasser vor Juist angekommen, hievten drei Mitarbeiter der Station die knapp 30 Kilogramm schweren Tiere über Bord.

Jakob, Emil und Eddy verschwanden in den Nordseewellen. Nur einer der Seehunde schaute in der Brandung noch einmal zurück. Nicht weit entfernt streckten in Freiheit lebende Artgenossen die Köpfe aus dem Wasser - ganz so, als beobachteten sie das Spektakel.

Rund 500 Kilogramm Fisch haben Jakob, Emil und Eddy während ihrer Zeit in der Aufzuchtstation vertilgt. Nun können sie von ihrem Speck erst einmal zehren. Um reichlich Beute zu machen, haben Seehunde im Lauf der Evolution beste Voraussetzungen entwickelt. „Die Chancen stehen gut, dass die drei überleben”, sagte Peter Lienau, Geschäftsführer der Seehundstation Norddeich zu den Aussichten von Jakob, Emil und Eddy. „Die Aufzucht hat die Instinkte der Tiere nicht beeinträchtigt. Seehunde sind Individualtiere, sie haben keine feste Sozialstruktur.” Dennoch müssen sich die drei jungen Tiere, die im Frühsommer von ihren Müttern verlassen an Stränden oder auf Sandbänken entdeckt worden waren, nun erst einmal an einen ungewohnten Lebensraum gewöhnen. „Den Konkurrenzdruck beim Fressen hatten sie zum Schluss auch beim Füttern in unserer Station. Sie haben gelernt, schnell zu sein”, sagte Lienau. Der Großteil der jährlich zwischen 30 und 60 aufgepäppelten „Heuler” überlebe.

Naturschützer sehen die Pflege der „Heuler” mit ihren großen, wachen Kulleraugen auch kritisch: „Seehundbabys haben einen ganz nüchtern kalkulierten ökonomischen Zweck. Sie landen in Touristenmagneten, wo gegen Bares Seehundwaisen beguckt werden können”, sagte Manfred Knake, Sprecher des Wattenrates - ein Verbund von Naturschützern an der Küste. „Heuler”-Aufzucht und -Auswilderung sei für den Erhalt der Population nicht mehr nötig. Wenn die Tiere aber den in Scharen herbeiströmenden Besuchern die Bedeutung des Wattenmeeres und seiner oftmals bedrohten Bewohner vermittelten, sei das durchaus positiv zu werten.

dpa/ggm

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