Emden

Für ”Nordland 1” geht die Sonne unter

Der kleine, auf Borkum gestrandete Frachter der Firma Fritzen wird sehr wahrscheinlich verschrottet. Von EZ-Redakteur AXEL MILKERT Tel. 0 49 21 / 89 00 410

Emden/Borkum. Die Havarie des Schiffes ”Nordland 1” auf Borkum wird wohl kein Happy End haben. Der zuständige Versicherer hat den kleinen Frachter der Emder Baustofffirma Fritzen aufgegeben. Die Kosten, um das Schiff wieder betriebsfähig zu machen, wären nach Informationen der Emder Zeitung zu hoch.

Die 49 Jahre alte ”Nordland 1” war am Donnerstag, 3. Februar, bei der Anlieferung von Baumaterial auf Grund geraten und konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. Später verschärfte sich die Lage, als der Havarist bei einem besonders hoch auflaufenden Hochwasser gegen eine Buhne gedrückt wurde. Ursprünglich sollten Schlepper das Schiff nach Emden ziehen, wo die Reparatur erfolgt wäre. Der bei der Firma Fritzen Fracht für die ”Nordland 1” zuständige Jörg Scheffel hatte noch in der vergangenen Woche gegenüber der Emder Zeitung erklärt, eine Zerlegung sei nicht das Ziel. Man wolle das Schiff unbedingt erhalten. ###STOP###

”Wir haben für dieses Schiff genügend Arbeit, deshalb wollten wir es lieber bergen, anstatt es zu zerteilen”, sagte gestern Fritzen-Geschäftsführer Onno Fritzen auf Anfrage der EZ. Eigner und Reeder der ”Nordland 1” ist die Firma Fritzen Fracht. Was nun eine Verschrottung der ”Nordland 1” anbelangt, sei ”das letzte Wort noch nicht gesprochen”, sagte Fritzen. ”Bis Donnerstag dieser Woche sehen wir klar”, erklärte Konrad Huismann vom Emder Versicherungsmakler Heinrich Elbracht. Fest steht: Der Kaskoversicherer hat das Schiff aufgegeben, nun ist die Sach- und Haftpflichtversicherung des Reeders (Protection & Indemnity Clubs / P & I Clubs) gefragt. Mit dieser ist Fritzen derzeit im Gespräch.

Eine Gefahr für die Umwelt gehe von dem 1962 auf der Jansen-Werft in Leer gebauten Havaristen nicht aus, unterstrich Huismann gestern noch einmal. Gefährliche Betriebsstoffe wurden bereits abgepumpt (wir berichteten).

Mit P & I wird Fritzen das weitere Vorgehen besprechen. Auch wenn dem Schiff auf dem Borkumer Strand noch eine kurze Gnadenfrist von wenigen Tagen bleibt, so scheint der Weg in die Verschrottung doch unausweichlich. Im Sommer hätte ohnehin eine Zwischenbesichtigung durch den Germanischen Lloyd angestanden, und der Zustand der ”Nordland 1” soll dem Vernehmen nach nicht besonders gut gewesen sein.

Kommt es tatsächlich zur Verschrottung, so wird diese nach EZ-Informationen höchstwahrscheinlich auf Borkum beginnen. Hier soll das Schiff zerteilt werden. Der Stahlschrott würde dann per Ponton oder Schiff zum Festland gebracht und dort entsorgt.

Die Arbeit der ”Nordland 1” hat inzwischen die ”Pionier XI” übernommen. Fritzen hat diese Arbeitsplattform mit eigenem Schottelantrieb von der Firma Gebrüder Neumann gechartert, um Spundbohlen für die Baustelle auf Borkum liefern zu können. Dies ist für Onno Fritzen nur eine Zwischenlösung. Auf lange Sicht plane sein Unternehmen mit drei Schiffen. Außer der ”Nordland 1” fahren die kleinere ”Bertha” und die größere ”Emsriff” für Fritzen Fracht.

Die 75 Meter lange ”Emsriff” transportiert im Auftrag von Bohlen & Doyen gegenwärtig Steine von Hamburg nach Wyk auf Föhr. Die ”Bertha” (27 Meter, 115 Tonnen Zuladung) ist zurzeit verchartert und wird auf der Baustelle für einen neuen Anleger auf Langeoog eingesetzt.

Fritzen hat darüber hinaus die in Neermoor beheimatete ”Tina” (47 Meter lang, 1960 bei Sietas in Hamburg gebaut) gechartert und fährt damit Sand und Kies nach Borkum beziehungsweise Norderney, wo Fritzen jeweils Betonmischanlagen betreibt.

Das mit Abstand älteste Schiff der Fritzen-Flotte ist die ”Bertha”. Sie wurde 1909 von der Sietas-Werft gebaut und macht laut Onno Fritzen immer noch einen guten Eindruck. ”Damals hat man noch ganz anders gebaut, der Stahl war wesentlich dicker.”

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