Emden

Emden: Kunsttherapie mit Strahlkraft

Ein Projekt für Demenzkranke an der Malschule in Emden sorgte bereits in Berlin und Amsterdam für große Aufmerksamkeit.

Initiierten „Probier's mal” und sind sehr zufrieden mit dem Verlauf des Projekts: Ingrid Barucki, Engelbert Sommer, Susanne Tros

Emden. Es ist ein Projekt, auf das die Initiatoren nicht nur deutlich stolz sind, sondern eines, das sie persönlich sehr berührt hat. Ein Projekt, das durch seine Einzigartigkeit sogar aus Berlin und Amsterdam Aufmerksamkeit erfahren hat. Bei „Probier's mal” geht es um Menschen, die unter einer Demenzerkrankung leiden. Ihnen will die Alzheimer Gesellschaft Emden-Ostfriesland gemeinsam mit der Malschule der Kunsthalle ein Stück kreative Freiheit und Selbstbestimmung zurückgeben und Freude in ihr Leben bringen.

Vor fast zwei Jahren ist diese Initiative gestartet. Anderthalb Stunden in der Woche können die Teilnehmer in der Malschule der Kunsthalle unter Anleitung von Kunsttherapeutin Susanne Troska malen, zeichnen oder töpfern. Kurz: kreativ werden. Denn auch, wenn der Verstand nachlässt, die Kreativität der Menschen bleibt erhalten und soll gefördert werden.

Was zunächst recht einfach klingt, fordert doch großes Engagement. Denn die Gäste, so werden sie von der Alzheimer Gesellschaft genannt, sind Menschen, die sich an vieles nicht erinnern können und häufig Hilfe brauchen. Deswegen wird jeder Teilnehmer auch von einem sogenannten Alltagsbegleiter der Alzheimer Gesellschaft unterstützt. Weiterhin sollen die Teilnehmer nicht einfach nur beschäftigt werden, sagte Troska gestern bei einem Pressegespräch. „Wir machen hier ja richtige Kunsttherapie.” Deswegen nimmt sie sich auch viel Zeit für die Menschen. Das Kennenlernen ist sehr wichtig, um Stärken und Interessen herauszufinden. Unter den derzeit acht Teilnehmern sind sowohl Menschen, die ihr Leben lang künstlerisch gearbeitet haben als auch solche, die nun ihre ersten Schritte in der Kunstwelt unternehmen. Während die Angehörigen der Betroffenen die Zeit nutzen können, um durchzuatmen und Erledigungen zu machen, wird in der Malschule eifrig gemalt oder getöpfert.

„Das Projekt kommt richtig gut an”, versicherte gestern Hildegard Krüger von der Alzheimer Gesellschaft. Während der anderthalb Stunden wird ausgiebig gelacht und auch gesungen. Die Initiatoren sind sichtlich stolz auf ihr Projekt. Sie berichteten beispielsweise von einer erkrankten Frau, die gemeinsam mit ihrer Begleiterin vor den anderen musizierte oder davon, wie die ganze Gruppe Tränen lachte über kleine Missgeschicke beim Töpfern. Es sei nicht so, dass nur den Teilnehmern etwas Gutes getan wird. „Ich nehme zum Beispiel auch selbst viel aus diesen Stunden mit”, berichtete Troska. Und der Leiter der Malschule, Engelbert Sommer, beschrieb eine ganz besondere Stimmung, die freitags im Atelier der Malschule herrsche.

Bislang wurde das Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Diese Förderung läuft jetzt aus. Das Projekt war für das Ministerium jedoch so interessant, dass es auf einer Extraseite im Faltblatt „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz” vorgestellt wird. Weiterhin gab es einen Artikel in der Alzheimer-Info, einer Zeitschrift für Betroffene. Auch in den Niederlanden ist man auf das Emder Projekt aufmerksam geworden. Seit einigen Wochen steht die Alzheimer Gesellschaft mit der Universität Amsterdam in Kontakt. „Dort besteht großes Interesse an unserer Arbeit”, berichtete Krüger.

Wegen der Erfolge in der Arbeit mit den Betroffenen wird das Projekt „Probier's mal” weitergeführt. Zunächst auf eigene Faust, parallel sollen Fördergelder beantragt werden. „Da werden wir sicher von der ein oder anderen Seite was bekommen”, ist Sommer überzeugt.

Infos und Kontakt unter 0175 / 97 89 100 oder info@alzheimergesellschaft-emden-ostfrieland.de.

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