Emden

Emden als eine ”bürgerstolze” Stadt

Am Sonntag wird eine Schau eröffnet, die menschlich und politisch Grundlegendes zu vermitteln hat.Von EZ-RedakteurinINA WAGNERTel. 0 49 21 / 89 00 411

Emden. Als Menso Alting merkte, dass er sterben würde, kaufte er zwei Grabstellen auf dem Friedhof der Großen Kirche, ”seiner” Predigtkirche. Doch als am 7. Oktober 1612 sein Ende kam, da erhielt er ein Grab im Innern der Kirche. Und zeitgenössische Quellen berichten auch, wo er bestattet wurde: Dort nämlich, wo er während des Abendmahls zu sitzen pflegte, im heutigen Hauptschiff der Johannes a Lasco Bibliothek.

Klaas-Dieter Voss, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Bibliothek und Kurator des theologischen Teils der Ausstellung, hat anhand von Vorkriegsbildern in etwa den Standort festlegen können, wo der politische Theologe die letzte Ruhe fand, der nunmehr so nachdrücklich zum Protagonisten einer Ausstellung wird, wie es sie in Emden noch nicht gegeben hat. Denn sie beschränkt sich nicht allein auf den Menschen Alting und sein Wirken, sondern sie weitet den Blick, beginnt mit der vorreformatorischen Zeit in Emden und macht sich dann daran, in genüsslicher Breite Zeitgeschehen und Alltag der Menschen im 16. und 17. Jahrhundert in den Blick zu nehmen.

Heftige Winde

In der Bibliothek fällt der Bereich, in dem die Vorreformation wieder lebendig wird, schon von außen auf. Man hat mit geringen Mitteln aber großer Wirkung der einstigen Kirche in zwei Fällen wieder zu ihren farbigen Fenstern verholfen. Es sind zwar nur schlicht Farbfolien, die aufgezogen wurden, aber die Atmosphäre im Raum hat sich völlig verändert. Dass solche farbigen Gläser tatsächlich einmal die Fenster strukturierten, darf, so sagte Klaas-Dieter Voss, als gesichert gelten. Immer wieder finden sich in den Rechnungsbüchern Hinweise darauf, dass wegen heftiger Winde Scheiben zu Bruch gingen.

Die Rechnungsbücher seien auch ein Schlüssel zum Alltag des Theologen gewesen, erklärt Voss. Alting musste nämlich, als er nach Emden kam, in das Haus eines an der Pest Verstorbenen ziehen. Nach den damals üblichen Maßnahmen zur Desinfektion wurde die Küche des Hauses in großem Stil umgebaut - mit hölzernen Wandtäfelungen und allem Luxus der Zeit. ”Ich glaube nicht, dass jemand die Rechnungsbücher schon einmal auf solche Details hin durchgesehen hat”, meint Voss.

Das Ostfriesische Landesmuseum setzt innerhalb seiner Dauerausstellung Themenschwerpunkte. Der Besucher orientiert sich dabei zum einen am Signet der Ausstellung, dem alten Siegel der reformierten Kirche zu Emden - einer von Wasser umgebenen Zweiturm-Anlage. ###STOP###Zweites leitendes Element ist die Farbe Hellblau, die eben jene Bereiche umrahmt, die zur Ausstellung gehören.

Der Projektleiter der Ausstellung, Dr. habil. Wolfgang Jahn, hat aus der Tatsache, dass der Sonderausstellungsbereich für die Ausstellung nicht zur Verfügung steht, eine Tugend gemacht. Für ihn ist entscheidend, dass die Ausstellung an jener Stätte zu sehen ist, ”in der einst die Bürgergemeinde tagte und in der bis heute so manches Kleinod aus jener bürgerstolzen Zeit präsentiert wird”. Dies gäbe der inhaltlichen Ausrichtung der Ausstellung eine besondere Gewichtung. ”So wie das vor 50 Jahren neu errichtete Emder Rathaus als Sinnbild einer selbstbewussten Stadt fungiert.”

Die Beziehung zwischen gestern und heute wird auch durch die Exponate verdichtet. Da gibt es zum Beispiel eine Kollektion von Geschirr auf dem 16. und 17. Jahrhundert, wie es in den damaligen Haushalten genutzt wurde. In einer parallel gestellten Vitrine werden dann Stücke gezeigt, die bei der jüngsten Ausgrabung in Kleinfaldern ans Licht gekommen sind. Es sind dieselben Stücke, die von Emdens großer Zeit künden.

Die Ausstellung wird Sonntag ab 17 Uhr in der Bibliothek eröffnet. Im Rahmen eines Gottesdienstes halten die Pastoren Bert Gedenk und Manfred Meyer eine Dialogpredigt. ”Wir werden uns darin auf der Grundlage von biblischen Texten mit den Wertvorstellungen von Freiheit und Toleranz zu Altings Lebzeiten und mit ihrem Stellenwert in der heutigen Zeit auseinandersetzen. Man wird sehen, dass die Themen des 16. Jahrhunderts auch immer noch die Themen des ausgehenden 21. Jahrhunderts sind”, erklärte Manfred Meyer gestern. Musikalisch umrahmt der Posaunenchor Wybelsum die Veranstaltung.

H Beide Ausstellungen sind Sonntag bis 20 Uhr geöffnet.

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