Emden

Ein Marineschiff als ”Friedensbotschafter”

Gestern Taufe des Versorgers ”Bonn” mit einer großen Abordnung der rheinischen Patenstadt. Von EZ-Redakteur AXEL MILKERT Tel. 0 49 21 / 89 00 410

Emden. Der neue Einsatzgruppenversorger der Deutschen Marine hat seit gestern offiziell seinen Namen: ”Bonn” heißt der größte Schiffstyp der Teilstreitkraft; getauft hat ihn am Kai der Emder Nordseewerke Hanne Hufschmidt, Ehefrau des Bonner Oberbürgermeisters Jürgen Nimptsch.

Es war eine Schiffstaufe der Kontraste. Dafür sorgte vor allem die Ehrengarde der Stadt Bonn, die in ihren rot-weißen Uniformen vor dem mächtigen bundeswehrgrauen Rumpf ein prächtiges Bild abgab. Die Jecken waren mit weiteren Vertretern der ehemaligen Bundeshauptstadt - mehr als 100 Frauen und Männer - angereist. Die Patenstadt hat, das wurde auch in den gestrigen Ansprachen mehrfach deutlich, den Versorger längst als ”ihr” Schiff entdeckt. Ein Freundeskreis hatte die Patenschaft langfristig in die Wege geleitet, erläuterte Nimptsch. Ein Beleg für die enge Verbundenheit zu Schiff und Besatzung sei die Anwesenheit der Ehrengarde.

Fast hätte man gestern meinen können, es würde die dritte ”Cap Anamur” getauft - wären da nicht die vielen dunkelblauen Uniformen auf dem Werftgelände gewesen. Die Redner - allen voran Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) - betonten mehrfach die Frieden stiftende Funktion des neuen Schiffes, das gleichwohl Teil eines militärischen Verbundes ist. ”Bonn steht für Einheit und Frieden. Und genauso wird auch das Schiff für Frieden und Freiheit im Einsatz sein”, sagte der Minister vor zahlreichen geladenen Gästen. Der Einsatzgruppenversorger werde auf allen Meeren der Welt als ”Botschafter für Frieden” unterwegs sein.

Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf, unterstrich, die Einsatzgruppenversorger seien ”im Einsatz für den Frieden”. Das Schwesterschiff ”Berlin” habe 2005 große internationale Beachtung erfahren, als es im Rahmen der Tsunami-Hilfe in Banda Aceh ”Großes geleistet” habe.

Patenschaften zwischen Marineschiffen und deutschen Städten oder Bundesländern seien wichtig: ”Sie verbreiten und fördern den maritimen Gedanken im Binnenland, ” stellte der Inspekteur fest. Schiffe wie die ”Bonn” seien insofern ”ein Stück maritimer Bewusstseinserweiterung.”

”Die Taufe erfüllt uns mit Stolz”, erklärte Jürgen Nimptsch in seinem Grußwort. ”Das Schiff trägt das in die Welt hinaus, wofür unsere Stadt steht.” Der OB erinnerte daran, dass in Bonn 1955 die ersten Bundeswehr-Soldaten vereidigt wurden. Bonn sei die ”Wiege der Demokratie in Deutschland nach 1945” und sei heute auf dem Weg zu einer UNO-Stadt. In Bonn habe es ”zukunftsweisende” Friedensdemonstrationen gegeben, sprach der Oberbürgermeister speziell die Demo im Bonner Hofgarten an. Im Oktober 1981 versammelten sich dort rund 250 000 Menschen, um gegen gegen die atomare Bedrohung zu demonstrieren.

”Zum Leben erweckt”

Schiff und Besatzung wünschte Nimptsch viel Glück bei ihren Einsätzen. Glück aber könne es nicht ohne Freude geben, schlug der OB den Bogen zu einem der berühmtesten Bonner, Ludwig van Beethoven. Im Festraum auf dem Werftgelände wurde später die ”Ode an die Freude” intoniert.

”Der neue Einsatzgruppenversorger wird in den nächsten Tagen zum Leben erweckt”, sagte der Vorstandsvorsitzende de von Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS), Dr. Hans Christoph Atzpodien. In den nächsten Monaten wird es darum gehen, die einzelnen Systeme an Bord ins Laufen zu bringen und mit der Ausrüstung fortzufahren. TKMS hat die Federführung bei diesem letzten Marineauftrag, an dem die Emder Nordseewerke - jetzt: Emder Werft und Dockbetriebe - beteiligt sind. Die gestrige Taufe läutete endgültig das Aus der über 100 Jahre alten Schiffbautradition ein. Thyssen Krupp hat sich 2009 vom Schiffsneubau in Emden verabschiedet. Atzpodien nannte den Wechsel vom Schiffbau zum Bau von Windkraftanlagen-Teilen einen ”geglückten positiven Strukturwandel” am Standort Emden. TKMS sei, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen in Emden, optimistisch, dass das Unternehmen SIAG Nordseewerke erfolgreich sein werde.

Erfolgreich verlief der eigentliche Taufakt. Hanne Hufschmidt durchtrennte die Halteleine und ein spezieller Mechanismus am Bug des Schiffs ließ die Flasche mit dem ”Beethovensekt” am grauen Stahl zerschellen. Ein kalter Südwind ließ die letzten Spritzer am Kai der ehemaligen Werft auf die Ehrengäste regnen.

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