Emden

„Ein übler Krieg mit Worten”

Erstes Urteil im Juristenprozess in Oldenburg.

Von EZ-Redakteurin

UTE LIPPERHEIDE

Oldenburg. Eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt zur Bewährung: So lautet das Urteil gegen einen aus Emden stammenden Unternehmensberater (39), der sich wegen versuchter Erpressung vor dem Oldenburger Landgericht, gemeinsam mit einem in Aurich lebenden Oberlandesrichter (56), verantworten musste.

Damit leerte sich die Angeklagtenbank im spektakulären Juristenprozess um einen weiteren Angeklagten. Am Mittwoch wurde bereits die Ehefrau des angeklagten, mittlerweile ehemaligen Richters , eine Auricher Staatsanwältin, aus dem Prozess entlassen. Gegen Auflage - 200 soziale Arbeitsstunden - wurde das Verfahren gegen sie eingestellt.

Die beiden Richter, Dr. Michael Nowak und Marc Humpohl, sowie zwei Schöffen folgten mit ihrem Urteil dem Antrag des Staatsanwalts René van Münster, der dieses Strafmaß für den 39-Jährigen gefordert hatte. Van Münster wiederum hielt sich an die Vereinbarung des Rechtsgesprächs zu Prozessbeginn. Darin hatte man dem Unternehmensberater diese Strafe bei einem glaubwürdigen Geständnis in Aussicht gestellt.

Das Verfahren des mittlerweile in Rosenheim lebenden Emders wurde von dem des angeklagten Ex-Richters abgetrennt. Dazu wurde zunächst die Anklage wegen Betrugs nach dem Paragrafen 154, Absatz 2 der Strafprozessordnung eingestellt. Der 39-Jährige hatte dem Ex-Richter einen Privatkredit vom ehemaligen Fußballspieler Jörg Heinrich in Höhe von 100 000 Euro vermittelt, obwohl klar war, dass der Kredit nicht wie vereinbart zurückgezahlt werden konnte. Hierzu sagte der Anwalt des Unternehmensberaters, Gerhard Peckert aus Rosenheim, dass sein Mandant nicht an der Rückzahlung gezweifelt habe. „Der angeklagte Richter war für meinen Mandaten ein leuchtendes Beispiel”, sagte Peckert. Er sei stolz auf die Freundschaft zu dem „klugen und intelligenten Juristen” gewesen, der Aussicht hatte, an den Bundesgerichtshof berufen zu werden. Das Vertrauen sei „nahezu grenzenlos” gewesen. Die Ausführungen des Anwaltes, der im Laufe der gestrigen Verhandlung immer wieder versuchte, seinen Mandanten als Opfer darzustellen, stießen bei dem ehemaligen Oberlandesrichter auf Unmut: „Es ist ganz übel, was Sie hier machen. Sie führen einen Krieg mit Worten”, warf er Peckert vor.

Der Ex-Richter muss sich auch wegen Betruges in der Sache Heinrich verantworten. Der arbeitssuchende Ex-Fußballer der Nationalmannschaft und des BSV Kickers wurde, obwohl es nicht der Chronologie der Verhandlung entsprach, vernommen. Heinrich war extra aus Potsdam angereist. Er hatte ohne große überprüfung dem Richter das Geld geliehen, weil ihm der Unternehmensberater dazu geraten habe. Erst als das Geld nicht zurückgezahlt wurde, habe er versucht, Kontakt zum Unternehmensberater zu bekommen und später einen Anwalt eingeschaltet. Seit etwa drei Monaten zahle der Ex-Richter monatliche Raten von 500 Euro an Heinrich.

Peckert plädierte für eine weitaus mildere Strafe als der Staatsanwalt. Drei Monate Freiheitsstrafe ausgesetzt zur Bewährung lautete sein Vorschlag. Er begründete dies unter anderem mit der Vertrauensseligkeit seines Mandanten gegenüber dem Ex-Richter. Auf seinen Rat hin hätte der ehemalige Emder auch eine Firma zur Prozessfinanzierung gegründet und selber viel Geld verloren.

Das Gericht sah die Mittäterschaft im Fall der versuchten Erpressung jedoch als schwer wiegend an, weil alle Verhandlungen mit dem Opfer über den 39-Jährigen gelaufen sind. Da der Verurteilte eine „positive Sozialprognose” hat, muss er die Strafe nicht absitzen. Der Verurteilte entschuldigte sich noch einmal für sein Verhalten und versprach: „So etwas werde ich nie wieder tun.”

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